Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 7 (9.2.1846)
- Date
- 1846-02-09
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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98 Stellung noch sehr prekär ist, und sie auch zum Theil unter den Schlagschatten stehen, unter welchen das Schicksal der rusflschen Juden riesenhaft angewachsen. Deutsche Brüder! Rufet das rächende Geschick nicht auf, wenn ihr theilnahmlos dem Untergange von 1^/2 Millionen Glaubensgenossen zusehet, das;, wenn euch selbst einst böse Wetter treffen würden, man sagen müßte: sie haben es verdient, daß sie hülflos sind! Deutsche Brüder! Während man euch in anderen Ländern nachsaget, daß ihr durch eure religiösen Streitigkeiten den Frieden und die Einheit Israels störet, zeiget hier, daß ihr einig seied, wo es das Heil des Glaubens im Ganzen betrifft, und daß ihr Energie genug besitzet, mit aller Kraft euch auf einen Punkt zu werfen, der die Rettung unglücklicher Genossen enthält! Wolan, Vorstände der größeren Gemeinden in Deutschland — Euch macht die ganze Judenheit verantwortlich! Ihr habt es zu verantworten, wenn das zersplitterte Deutschland auch hier ohnmächtig erscheinet und nichtig. Vor dem Gotte der Weltgeschichte wacht sie euch verantwortlich, wenn ihr müssig bleibet. Fanget an, unverweilt, und mit Kraft! Kein Rangstreit und kein Abwarten. Gehet nicht vor dem Worte eines Schriftstellers verachtend vorüber. Alle theilnehmenden Juden sprechen durch ihn, da ihr allein das natürliche Organ der That für sie seied; ja, noch mehr, das große Geschick von 1^2 Millionen Glaubens- und Stammgenoffen spricht durch ihn — und das Wehe derselben fällt auf euch zurück, wenn ihr, die Achsel zuckend, still schweigt! Wolan — Ihr habet zu wählen — zwischen der Bewunderung und der Verachtung, zwischen dem Segen und dem Fluche — — nein! die flehende und mahnende Stimme könnt Ihr nicht ungehört lassen. Rasch, unermüdet, unerschrocken, mit Ausdauer an's Werk! Zeitungsnachrichten. Nordamerika. Netv-Aork, 31. Dezember. (Privatmitth.) Der Herr, dem ich meine Stellung in Rußland geopfert, um dessen heiligen Namen willen ich Brod, Ehre, lebenslängliche Versorgung verlassen habe; Er, der Allvater, dem ich mein Geschick anvertraut, und der Keinen verläßt, der auf ihn baut, hat mir in seiner Gnade geholfen und mir einen zweiten großen Wirkungskreis angewiesen. Angelangt hier in diesem Lande der Freiheit und Gleichheit, in dem ich den Juden in einer Stellung gefunden, die ich allen unseren Glaubensbrüdern in den übrigen Welttheilen wünschen möchte — ward ich von den Deutschen mit besonderer Freude empfangen. Ich erhielt von den Präsidenten der drei deutschen Synagogen, Ansche-Chesed, Schare-Schomajim und Rodef-Scholem, Einladungen, in ihren Synagogen zu predigen, ward von ihnen mit manchen ehrenden Beweisen ihres Wohlwollens erfreut, und nachdem ich diese drei Probepredigtcn gehalten, am vergangenen Sonntag, den 28. d. M., einstimmig von denselben zu ihrem Oberrabbiner erwählt. Die Gemeinden zählen jetzt 700 Familien, werden aber in drei Jahren, bei der ungeheuer starken Einwanderung aus Baiern, sich wenigstens auf 1000 Familien vermehren. Der Gehalt ist für das erste Jahr 1000 Dollars (2500 Fl.). Es ist dieses das erste Rabbinat, das in den Bereinigten Staaten Nordamerika's gegründet wurde. Nächsten naia bin ich zu einer Predigt in einer vierten Synagoge — es sind ihrer hier neun, die neun verschiedene Gemeinden bilden — in der Elon- Synagoge geladen, und danke dem Herrn, der mir von Neuem Gelegenheit gegeben, sein heiliges Wort zu verkünden und zu lehren. vr. Lilienthal, Oberrabbiner. —. Wir können nicht umhin, das Publikum darauf aufmerksam zu machen, daß dies die ganze Antwort ist auf die schamlosen Jnvektiven, welche ein jüdisches Blatt Jahre lang auf den Dr. Lilienthal häufte. Möchte man immer Gelegenheit haben, die Grundlosigkeit derartiger Schmähungen auf solch kurze und vollständige Weise dem Publikum darlegen zu können! Die Redaktion. Großbritanien. London, 10. Januar, vr. Adler geht mit dem Plane um, ein Seminar zu errichten, und hat deshalb schon privatim ein Meeting gehalten. In der großen Synagoge hielt er Sabb. Ehanukkah eine Predigt, worin er dieses verkündete. — Man hat hier auch vor ein Asyl für heruntergekommene Jsrae-