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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-02-02 · Heft 6 (2.2.1846) · p. Seite 93

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 6 (2.2.1846)
Date
1846-02-02
Page
Seite 93 (sequence 17)
Language
German
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93 die Reihen eintrat, wo nichts die Schuld der Geburt löschen kann; den Tod, welcher auf Deiner Stirn das Zeichen aller der Beleidigungen und Erniedrigungen Hervorrufen wird, mit denen Du mich seit neun Monaten überhäuft, welchem ich mich freiwillig unterziehe; den Tod, welcher uns in ein und dasselbe Grab zieht und Dich dadurch wenigstens in den letzten Augenblicken Deines Lebens überzeugen wird, daß vor Gott kein Unterschied ist zwischen einem Edelmanne und einem Juden, und daß wir Beide nichts sind als Staub!" Der Ton, mit welchem Berko diese Worte sprach, zeigte deutlich, daß er nicht geneigt war, seinen Vorsatz aufzugeben. KoSziusko konnte, obwol nur mit Bedauern, dem braven Israeliten seinen traurigen Trost, seine edle Rache nicht nehmen. „Kapitän Glinka, Obrist Berko, bereitet Eure Schwadronen zu dem morgenden Angriffe, ich werde den von Euch für feig erklären, welcher in unserm Lager wieder erscheint, ohne die Fahne der ersten feindlichen Kolonne mit zurückzubringen." Glinka senkte das Haupt, und entfernte sich unwillig und mürrisch. Es fehlte ihm nicht an Muth, aber das Todesurtheil kam ihm zu früh, welches er so eben vernommen, er konnte das, was er am Innigsten wünschte, nicht mehr vollbringen; den alten Meth trinken, welchen er in seinen Kellern zurückgelassen hatte, den Prozeß zu beenden, welchen er mit seinem Nachbar begonnen, und endlich auf dem warschauer Reichtstage zu erscheinen, um sich durch ein Veto den Maßregeln entgcgenzusetzen, welche die Regierung Vorschlägen könnte, um der Welt zu zeigen, daß er ein freier und mächtiger Herr sei. Was Berko betrifft, so war er fröhlich. Kosziusko, dessen Wort heilig war, hatte ihm versprochen, bei der Nationalversammlung zu Gunsten seiner Glaubensgenossen zu wirken, und zu gleicher Zeit hatte er das Mittel gefunden, einen stolzen Edelmann zu demüthigen und zu bestrafen. Er dankte also dem Kosziusko und kehrte ruhig, als ob nichts in seiner Lage sich geändert habe, in sein Zelt zurück. Kosziusko beobachtete ihn mit einer Art Bewunderung, und folgte ihm unwillkürlich. In dem Augenblicke, wo sich der Obrist dessen am Wenigsten versah, stand der polnische General vor ihm. „Ich habe einen Vorwurf auf dem Herzen, Obrist, und ich komme, mich desselben zn entledigen," sagte er mit sichtlicher Rührung; „ich habe einen Augenblick an Eurer Ehrenhaftigkeit gezweifelt, vergebt Ihr dies demjenigen, der stolz darauf ist, Euer Freund zu bleiben." Berko reichte statt aller Antwort dem General seine Hand, dieser drückte sie ihm kräftig. „Hört mich, mein Freund," fügte Kosziusko hinzu, da ich dem Duell, welches Ihr Glinka angetragen habt, meine Zustimmung gab, so that ich es mit dem Entschluß, selbst daran Theil zu nehmen." „Was sagen Sie?" „Ich schwöre bei Gott, welcher mich hört, daß ich morgen entweder siege oder sterbe." „Sie, General! Oh, widerrufen Sie dieses übereilte Wort, und stellen Sie nicht Ihr kostbares Leben dem «einigen gleich. Was bin ich? Mein Tod wird keine Thräne fließen machen, keinen Seufzer Hervorrufen, kein Gewicht in die Schale der Niederlage oder des Sieges werfen; aber Sie, die Hoffnung, die Seele, die Vorsehung Polens, haben Sie das Recht, über ihr Leben zu verfügen?" „Ich habe es reiflich überdacht, Berko. Erringen wir morgen nicht einen glänzenden Sieg, so sind wir verloren. Nach einer Niederlage wird diese Armee von Freiwilligen, von Edlen, welche nach Belieben gehorchen, von Leibeigenen, welche wol guten Willen, doch keine Erfahrung haben, sich zerstreuen und nichts in der Welt wird sie wieder vereinigen können. Nur ein vollständiger Sieg kann mir das Ansehn und die Macht verleihen, welcher ich benöthigt bin, für das Wohl meines Vaterlandes und das Glück meines Volkes. Sprechen wir nicht weiter davon, mein Entschluß steht fest." Und KoSziusko sah auf seine Uhr. „Wir haben noch drei Stunden Ruhe. Ich hätte eine Bitte an Euch, nicht als General, sondern als Freund." „Befehlen Sie, als General oder einfacher Bürger können Sie über mich verfügen." „Ich beobachte Euch seit langer Zeit, Berko. Nach unsrem ersten Zusammentreffen bei Konary ist kein Tag vergangen, wo ich nicht Berichte über Euch erhielt. Stets habe ich Euch thätig, verständig, vorsichtig, großmüthig, tapfer und edel gefunden, während man gerade die entgegengesetzten Laster Eurem Geschlechte vorwirft. Sicherlich muß die Liebe eine bedeutende Rolle in Eurem Leben gespielt haben; Ihr habt geliebt, Berko, und ich bin fest überzeugt, daß ein Weib großen Antheil an dem Schicksale Eures Lebens hat. Erzählt mir Eure Geschichte. Morgen trennen wir uns vielleicht auf immer. Natürlich, Ihr habt nicht nöthig, Eurem wahrhaften Freunde etwas zu verbergen." 0 * *

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