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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-02-02 · Heft 6 (2.2.1846) · p. Seite 92

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 6 (2.2.1846)
Date
1846-02-02
Page
Seite 92 (sequence 16)
Language
German
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92 Sie ihm, vergessen Sie nicht, daß es ein Ungläubiger, ein Jude ist," rief Glinka. Kosziusko folgte vertrauungsvoll dem Obristen, im Geiste bereuend, die Bravheit eines Mannes in Zweifel gezogen zu haben, der ihm bereits so oft Beweise von Ergebenheit und Aufopferung gegeben hatte. Angelangt an einem etwas erhabenen Punkte, welcher vollkommen vom Monde beleuchtet war, zog Berko ein kleines Fernrohr aus der Tasche und übergab es seinem Obern. „Sehen Sie, General, den Spiegel, welcher sich auf jenem Baume befindet?" „Das Stück Glas, welches leuchtet?" „Ja, mein General, ich habe es dort befestigt; richten Sie Ihr Fernglas nach dieser Seite und beobachten Sie, was Sie in dem Spiegel sehen werden." „Ich bemerke die Windmühle, das Dorf, den Kirchrhurm; wenn ich meinen Augen trauen darf, so ist das die Stellung, welche Suwarow gestern Abend Lnne hatte." „Sie täuschen sich nicht, mein General, es ist der Ort, welchen die russische Armee so eben verlassen hat. Dieser Spiegel steht mit einem andern in Verbindung und reflcktirt Alles, was sich im feindlichen Lager zuträgt." „In der That, ich sehe die Ebene frei, verlassen, keine Russen, keine Kanonen; es wachen nur drei Posten dort." „Diese drei Wachen sind zwei Soldaten und ein Unteroffizier aus meinem Regimente, welche ich an diesem Orte aufgestellt habe, um mich von der Wahrheit dessen zu überzeugen, was mir das Fernglas vcrrieth. So wie ich ihnen ein Zeichen gebe, werden sie mir antworten." So sprechend hielt er seinen Helm über das Haupt, ihn einige Augenblicke schwingend. Die drei Soldaten! wiederholten, wie von einer Feder bewegt, dasselbe Zeichen.! „Suwarow hat also den Kopf verloren," rief Kos- - zivsko.! „Nein, mein General, gegen eilf Uhr Abends ließ er ’ die Garde gegen den Hügel vorrücken, jedoch bemerkend, j daß dieser Posten mit Kanonen bepflanzt und gut ver- , theidigt sei, änderte er seine Stellung, indem er darauf; rechnete, Sie von der andern Seite zu überraschen. Ich j beschloß, seine Pläne zu vereiteln, deshalb wagte ich auf! Gefahr meines Lebens, Ihnen ungehorsam zu sein." j „Berko, Du bist ein braver, Du bist ein echter Pole, i ein Soldat, würdig für die beste Sache zu kämpfen. Ich kenne Deinen Stolz, ich weiß, daß Du keine persönliche Belohnung fordern wirst, dennoch werde ich es als meine Pflicht erachten, Dein Betragen und die Dienste, welche Du unsrem gemeinsamen Vaterlande erweisest, in den Tagesbefehl zu setzen. Ich werde einen Bericht an die Nationalversammlung erstatten und verlangen, daß eine Kommission ernannt werde, welche die Zukunft Deiner Glaubensgenossen regeln soll, die wir nicht zu würdigen gewußt und vernachlässigt haben." Der Obrist wollte antworten, als Glinka hinzukam und ausrief: „Ter ganze Stab fordert den Kopf des Juden!" „Dieser Jude hat sich um das Vaterland wohlverdient gemacht, Herr Glinka," erwiederte der General, „und wehe dem, welcher es an Rücksicht und schuldiger Achtung für ihn fehlen läßt." „Ich habe eine Bitte an Sie," fügte Berko hinzu, indem er einen Blick auf Glinka warf, welcher diesen Ausgang nicht erwartet hatte. „Sprecht, Obrist," antwortete Kosziusko, „und auf Generalswort, Eure Bitte soll gewährt werden." „Schon allzuoft, mein General, erinnerte mich der Herr Glinka bei jeder Gelegenheit an meinen Ursprung, an meine Geburt, indem er jenes Wort Jude als den Ausdruck der tiefsten Verachtung hiuzusügl. Ich bin dessen müde, und will mit meinem ewigen Verfolger mich abfindeu." „Ein Duell wol gar?" fragte Glinka. „Ein Duell auf'Leben und Tod!" „Ein Duell.... Ich, ein Edelmann, mich schlagen mit einem Juden.... Ha! Ha! Ha! welch' köstlicher Spaß." Und er fing an zu lachen. „Ja, ein Duell, wenn Du nicht der Niedrigste der Feigen bist, aber ein Duell in meiner Weise, welches keinen Flecken auf Dein edles Wappen werfen wird. — General, morgen bei Anbruch des Tages wird uns der Feind ohne Zweifel auf dem rechten Flügel angreifen; das Aufgeben seiner Stellung läßt uns dieses schließen. Derjenige, welcher die feindlichen Reihen durchbricht und die erste Kolonne erschüttert, wird Entmuthigung in das feindliche Lager und Hoffnung in das unsrige bringen. Wotan! hier stehen wir Beide; ein Edelmann, adlig durch Geburt, und ich, ein Jude; General, befehlen Sie uns, die erste Kolonne zurück zu werfen, und bezeichnen Sie alsdann den als feig und nichtswürdig, welcher vom Schlachtfelde ohne die Fahne des Feindes zurückkommen wird." „Unglücklicher, das heißt den Tod suchen," rief Glinka. „Den Tod des Braven," erwiederte Berko, „den Tod, welchen ich als die einzige Hoffnung ansah, als ich in

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