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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-02-02 · Heft 6 (2.2.1846) · p. Seite 91

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 6 (2.2.1846)
Date
1846-02-02
Page
Seite 91 (sequence 15)
Language
German
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91 „Ganz wohl! diese Stellung mußte man einem Patrioten, einem Manne von erprobter Treue übergeben, welchen Gold nicht zu bestechen und zu verführen vermag, dann wäre der Hügel bewacht und vertheidigt worden." „Ich habe diesen Posten dem anvertraut, welcher mir Beweise seines Muthes und seiner Bravheit gegeben hat." „Ja, einem geschickten Heuchler. Wenn er Ihr Vertrauen gewonnen hat, so geschah es, um Sie besser zu täuschen, uns zu verkaufen und zu Grunde zu richten. In diesem Augenblicke, wo ich mit Ihnen rede, ist kein einziger Soldat, keine einzige Kanone mehr dort." „Das ist unmöglich!" rief der General, indem er vom Stuhle aufspringend, durch die Heftigkeit seiner Bewegung den Tisch, auf dem die Karten gelegen, umwarf; „das ist Betrug, das ist Verleumdung." „Seit wann denn," erwiederte der Hauptmann bitter, „ist die Treue eines Juden eine Wahrheit, und die Aussage eines Edelmanns eine Lüge'? Wollen Sie sich überzeugen von dem was ich Ihnen hinterbringe? Kommen Sie mit mir, der Mond beleuchtet die Ebene und den Hügel, Sie werden mit eigenen Augen den Hügel verlassen, den Verrath vollständig sehen." Diese Szene trug sich neun Monate nach dem ersten Begegnen Berko's und Kosziusko's zu. Wie der Israelit entschlossen war, hatte er die Waffen für die Unabhängigkeit Polens ergriffen. Bald bot sich die Gelegenheit dar, wo derselbe seinen Muth und seine Klugheit bethätigen konnte. Der polnische General verlor ihn nicht aus dem Gesichte, er zeichnete ihn aus auf dem Schlachtfelde, trotz des lebhaften Widerstandes der eifersüchtigen Edelleute, ernannte ihn zum Lieutenant, dann zum Hauptmann und endlich zumObristen, übergab ihm eine Brigade und einen wichtigen Posten. Eben so groß war aber auch sein Unwille über die Nachricht, die Glinka ihm überbracht. Er wollte und konnte nicht an eine solche Treulosigkeit, Undankbarkeit und überdieß an eine so große Heuchelei glauben, und von der andern Seite wußte er, daß ein Edelmann sein Ehrenwort nicht so leicht verpfänden konnte. Er erhob sich also plötzlich, eilte nach dem Hügel, der, wenn entblößt, der Armee des Suwarow einen neuen Vortheil darbot. Nachdem er eine Viertelstunde gegangen war, begegnete er Berko mit seinen Offizieren, welche den Hügel verließen, und den Abmarsch der letzten Schwadronen überwachten. „Sind Sie es, Obrist?" fragte Kosziusko mit einer Donnerstimme. „Ja, wein General," antwortete Berko, indem er die Hand zum Zeichen der Ehrfurcht an seinen Schako legte. „Sie haben den Hügel gegen meinen ausdrücklichen Befehl verlassen?" „Ja, General, wie Sie sehen haben wir die Stellung verändert und uns dem rechten Flügel genähert." „Und wer hat Ihnen erlaubt, meine Befehle zu überschreiten?" „Wenn ich den Generalissimus der Armee zu vertreten hätte," unterbrach Glinka, „würde ich den ungehorsamen Offizier auf der Stelle erschießen lassen, aber da er ein Jude ist, so würde ich ihn hängen lassen." „Es giebt Augenblicke," antwortete Berko dem General, ohne auf die Beleidigung des Edelmannes zu achten, „in welchem ein Offizier auf die Gefahr seines Lebens hin, die Verantwortlichkeit der Ereignisse auf sich nehmen muß. Sie begegneten mir gerade in dem Augenblicke, General, wo ich Ihnen meinen Degen übergeben und mein Betragen erklären wollte." „Keine Entschuldiguugen, kerne Erklärungen, General," rief Glinka, „er hat die Ordre überschritten, das Gesetz ist formell." „Lassen Sie ihn sprechen, ich will ihn hören." „General, Sie erwarteten einen Angriff von der Seite des Gehölzes, und glaubten, der Feind würde sich des Hügels bemächtigen." „Dieser Plan ist zu einfach und zu vortheilhaft, als daß der russische General ihn unterlassen sollte, überdies die Stellungen, welche er gestern beim Untergange der Sonne genommen hatte, bestärken mich in dieser Meinung." „Und ich, General, ich sage Ihnen, daß dies vielleicht seine Absicht gestern Abend war, aber daß sie es in diesem Augenblicke nicht mehr ist; ich stehe mit meinem Kopfe dafür." „Mit seinem Kopfe! als ob er ihm gehörte," höhnte Glinka. „Schweigen Sie," sagte Kosziusko, den Edelmann zurechtweisend; dann wandte er sich zu Berko und fragte weniger streng: „Woher kommt Ihnen diese Sicherheit? Haben Sie sich vielleicht dem Bericht eines Spions, oder dem Rapport eines Vorpostens anvertraut? Wie konnten Sie es wagen, auf solche Gründe hin Ihre Stellung aufzugeben?" „Ich habe nur meinen eigenen Augen getraut. Folgen Sie mir, und ich will Sie überzeugen." „Er legt Ihnen eine Schlinge, General, mißtrauen

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