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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-02-02 · Heft 6 (2.2.1846) · p. Seite 90

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 6 (2.2.1846)
Date
1846-02-02
Page
Seite 90 (sequence 14)
Language
German
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90 Recht und Gerechtigkeit gehandelt, ob wir Liebe und Barmherzigkeit geübt immerdar und aller Orten, ob wir nie die Leidenschaft über die Tugend, die Selbstsucht über das göttliche Gesetz, die Lüge über die Wahrheit gesetzt. Wer also den Sabbat weihet und heiligt, der hat die Absicht des Ewigen begriffen und erfüllt. 3) Wann sollen wir den Sabbat feiern? Die Aufwerfung dieser Frage zeugt besonders von der Ehrlichkeit und rückhaltslosen Offenheit des Redners, die wir leider bei so Bielen unserer Theologen noch immer schmerzlich vermissen, und sie mußte für die zahlreiche Zuhörerschaft von um so größerm Interesse sein, als sie gerade in jüng. ster Zeit hier so vielfach von allen Seiten ventilirt worden ist. Wir müssen, fuhr der Redner fort, auch beim Sabbat das Religiöse vom Kirchlichen genau und scharf trennen. Der Sabbat als religiöse Satzung ist allerdings ewig und unveränderlich, der Tag der Sabbatfeier hingegen gehört in den Kreis kirchlicher Anordnungen. Wüßten wir daher selbst mit voller Gewißheit, daß unser Sabbat der ursprünglich eingesetzte Tag der Sabbatfeier ist, wie dies aber vom Standpunkt der Bibel aus eben so gut bestritten wie behauptet werden kann, so hätten wir doch das Recht und die Befugniß, die Sabbatfeier auf einen anders Tag zu verlegen; wenigstens ist nicht einzusehen, wie die Kirche hierzu weniger Recht haben sollte, als zur Veränderung und Umgestaltung des Gottesdienstes. Hieran schloß Herr Dr. Stern eine kurze Betrachtung der übrigen Feiertage, von denen er den drei großen Festen, an welchen in der früher» Zeit alle Juden in Jerusalem zu erscheinen verpflichtet waren, eine mehr nationale Bedeutung zuschrieb, die also auch keinen Anspruch auf eine sabbatliche Weihe und Heiligung haben, vielmehr sind sie der Freude und dem heitern Genüsse bestimmt. Dagegen ist der Neujahrs- und Versöhnungstag als ein Jahressabbat zu betrachten, als der Sabbat der Sabbate, *pnaiu nsnö. Beide Feste sind gleichsam als eines anzusehen und zwar jenes als Vorbereitung zu diesem. An diesem Feste sitzet nicht Gott zu Gericht, denn vor Gott giebt es keinen Tag, sondern wir selbst sollen mit uns in's Gericht gehen, ob wir stets unsrer Menschenwürde treu geblieben und stets auf den lichten Pfaden des Rechts und der Wahrheit gewandelt sind. v. R. M. Auszug e. Wer Mampf auf einem Grabe. Geschichtliches Ereigniß aus dem Polenkriege. (Nach dem Französischen des Jean Czynskrk.) II. Es war Mitternacht. Der Mond beleuchtete die Ebenen von Maciniowice, wo die Freiheitsarmee im Angesichte der Russen kampirte, deren Zahl die der Polen um das Vierfache überstieg. Die Soldaten des Kosziusko, im Vertrauen auf die Weisheit ihres Feldherrn, ruhten nach den Strapazen des Tages. Schon mehrere Male waren sie siegreich gewesen, bei Raclowice, bei Dubienka und bei Warschau. Nur die Vorposten wachten, bereit, bei der geringsten Bewegung des Feindes Lärm zu schlagen. Auf dem rechten Flügel des Lagers saß der polnische General in seinem Zelte, das Auge auf die Karte geheftet, über den Plan zur Schlacht, welche Polens Schicksal entscheiden sollte, nachsinnend, als das plötzliche Eintreten des dienstthuenden Offiziers sein tiefes Nachdenken unterbrach. Es war ein polnischer Edelmann, ein freiwilliger Offizier, welcher dem Vaterlande seine Dienste angetragen hatte, und seinen Oberen gehorchte, so lange es ihm gefiel, welcher sie aber verließ, wenn sie auf einen Dorfbesitzer, einen Herrn von Leibeignen, nicht Rücksichten genug nahmen. „Sehen Sie, endlich ist mein Verdacht verwirklicht und mein Mißtrauen gerechtfertigt! Sie wollten sich dieses verdammten Juden bedienen, General, ungeachtet meines Widerstrebens und meiner Warnung; Ihre Schwäche und Leichtgläubigkeit werden uns heute theuer zu stehn kommen." Also redete der Edelmann Glinka, dienstthuender Offizier, Kosziusko an, indem er die Stirn runzelte und seinen Schnurbart strich. „Was giebt es Neues?" fragte der General. „Haben Sie nicht den Obristen Berko, diesem braven Günstling, diesem musterhaften Juden, den Befehl gegeben, den Hügel, welcher an das Gehölz stößt, zu besetzen?" „Gewiß! aber zur Sache, Kapitän, zur Sache, wir haben keine Zeit zu verlieren. Ich habe den Befehl gegeben, den Hügel zu besetzen. Dies ist eine wichtige Stellung, welche der General Suwarow nicht verfehlen wird anzugreifen."

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