Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 6 (2.2.1846)
- Date
- 1846-02-02
- Page
- Seite 85 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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85 bisher schwache Stimmen auf dem Wege der Chikane sich werden breit machen wollen. Moritz Feitel. Nachschrift. 6. Januar. Die Wahl des Vormunds und der Gemeinderepräsentanten siel ebenfalls gänzlich zu Gunsten der Besserwvllenden aus. Es werden bereits einleitende Schritte zur Abstellung mehrerer Uebelstande gemacht. Referent, welcher als Gemcinderepräsentant auch mit der Leitung einer Kommission zur Regulirung des Archives sich beschäftigt, wird diese Gelegenheit benützen, nächstens eine Geschichte der hiesigen Gemeinde zu liefern. Rußland. Riga, 1. Januar. (Privatmitth.) (Vorbemerkung der Redaktion. Drei Gründe bewegen uns, folgenden Bericht vollständig aufzunehmen, der vielleicht Manchem zu ausführlich erscheinen möchte. 1) Der Beginn der Allg. Zeit, des Judenth. brachte die Kunde von dem Anfang des Kampfes zwischen der Stadt Riga und der rigaer Jsraelitengcmeinde, und so ziemet cs sich auch, daß wir das rühmliche Ende des Kampfes berichten (s. No. 103 und 104 dieser Ztg. Jahrg. 1837). 2) Kann das Zeugniß eines mit so unerschütterlicher Ausdauer glücklich zu Ende geführten Kampfes nur belebend wirken. 3) Ist es umsomehr erfreulich, auch Erfreuliches aus Rußland zu melden.) Daß wir so lange Zeit keine Berichte über unsere Zustände in Riga zur Aufnahme in Ihre Zeitung des Allg. Judenthums abgestattet haben, rührt davon her, theils weil bis hiezu der Druck auf unsere Gemeinde sich immerfort so steigerte, daß uns Gebeugten beinahe die Luft zu athmen verging und theils weil wir noch immerfort im für uns Armen schweren Kampfe mit unseren deutschen christlichen Miteinwohnern und Miteingeborenen dieser Stadt begriffen waren und zu keinem Endresultate bis jetzt gelangen konnten. Wir glaubten und hofften täglich unsrer Erlösung näher zu kommen, und dann erst wollten wir, wie jetzt Gott Lob geschieht, die Wunder Gottes mit uns in Israel erzählen, die große Gnade unsres Kaisers verkünden und die Gerechtigkeit seiner Gewaltigen mit Dank und Gebet öffentlich erkennen. — Jetzt, da der Allmächtige Großes mit uns gethan, sollen Sie und durch Sie ganz Israel wissen, daß Israels Gott der Gott aller Völker ist! Bekannt ist Ihnen wol das allerhöchst bestätigte Reichsraths-Gutachten vom 17. Dezember 1841, nach welchem uns erlaubt worden ist, statt früher zum Flecken Schlock (circa 4 Meilen von Riga) jetzt zu Riga selbst uns anschreiben zu lassen. — Dieser allerhöchst bestätigte Ukas, wurde durch Vorstellung unsres unermüdeten Vorstandes von einem kaiserlichen liefländischen Kameralhofe schon im Jahre 1842 in Erfüllung gebracht (es wurden nämlich auf Anordnung dieser kaiserlichen Behörde im Jahre 1842 alle bis hiezu sogenannten „schlock'schen Ebräer", welche von leher in Riga und zu keiner Zeit in Schlock sich wohnhaft niedergelassen hatten, zu Riga unter dem Namen „die Ebräer-Gemeindc zu Riga" angeschrieben). Die hiesige deutsche Bürgerschaft aber, darüber aufgebracht, supplizirte durch ihre Vorstände und Deputirtcn gegen dieses gerechte Verfahren des Kameralhofes an einen dirigirenden Senat und wollte durchaus behaupten, daß nur 15 Familien (welche aber gegenwärtig kaum mehr existiren), die sogenannten Schutzjuden, das Recht zur Zuzählung zur Stadt Riga nach dem Sinne des besagten allerhöchst bestätigten Reichsraths-Gutachten hätten, aber nicht alle schlock'schen Ebräer, welche doch 517 Seelen ausmachen; es stehe sogar zu befürchten, daß diese große Masse Juden mit der Zeit allen Handel und alles Gewerb Riga's (aller 90,000 Einwohner!!) an sich reißen würde. Aber auch wir waren nicht müßig geblieben, denn auch wir supplizirten zu einem dirigirenden Senate und zugleich an seine hohe Exzellenz den Herrn Minister der inneren Angelegenheiten, Lew Alxejewitsch Perowsky (dieser Name bleibe stets in unserm Herzen), und stellten in unsrer wehmüthigen Bitte alle auf uns lastenden und sich täglich steigernden Bedrückungen dar; worauf am 19. Juni 1844 folgender Ukas aus einem dirigirenden Senate erfolgt ist. (Fortsetzung folgt.) Personal- und Lokalnachrichten. London, 14. Januar. In London erregte der an einem Schlagfluffe ganz plötzlich und ohne vorhergegangenes Kranksein erfolgte Tod des Hrn. Isaak Cohen, 6*