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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-02-02 · Heft 6 (2.2.1846) · p. Seite 84

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 6 (2.2.1846)
Date
1846-02-02
Page
Seite 84 (sequence 8)
Language
German
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84 ging heute vor sich; — und ist entschieden zu Gunsten der progressiven Partei ausgefallen. Es sind Männer an die Spitze der Verwaltung gekommen, welche häufig durch Wort und Thal es bekundeten, wie ihnen die Verwahrlosung jüdischer Institutionen ein Dorn im Auge sei — und wie sie nach Regeneration derselben das heißeste Verlangen tragen. Bei Gelegenheit der Wahl (durch Sttimmenmehrheit sämmtlicher Gemcindeglieder) hat es sich gezeigt, wie die Richtung der Besseren hier bereits Anerkennung findet; — und nachdem wir der gütigen Vorsehung für dieses günstige Ergebniß den innigsten Dank zollen müssen, müssen wir auch dieselbe anflehen um das Wohl unsrer gnädigen Obrigkeit, welche bei der von ihr ausgehenden Vorsteher-Kandidation die gewichtige Stimme der Zeit und unseres Ortes gütigst berücksichtigte. — Alle Augen sind nun auf das Vorhaben und auf die künftige Amtirung unserer gegenwärtigen Vorsteher gerichtet — und haben dieselben wirkliche Riesenarhßiten vor sich, wenn sie nur zum Thcil den gerechten Erwartungen entsprechen werden wollen. Vor Allem ist cs die in letzter Zeit verwahrloste Gcmeindeführung, welche zu regeln die nächste Aufgabe ist. Herstellung des Anstandes bei Gemeindeberathungen, Entfernung alles Rohen, Ordnungsloscn und Unschicklichen aus der Amtirung überhaupt, Reglung des im erbärmlichsten Zustande sich befindenden Archivs, des Kassier- und vorzüglich des schrecklich mißbrauchten Synagogenvorsteheramtes (npiL). Die zweite Aufgabe: Vollendung unsrer Synagoge, ist dem Anscheine nach sehr geringfügig, da hierzu nur noch zweimonatliche Arbeit erforderlich ist, wurde aber in finanzieller Beziehung durch theils mangelhafte Vorherberechnung, durch eingcschritlene und eingeschlichene Kleingeisterei — und durch mannigfachen Mißbrauch der Gemeindekräfte so schwierig, daß dem gegenwärtigen Vorstande nebst großer Umsicht auch Glück zu wünschen ist. — Die dritte Aufgabe: Organisirung guter Schulen, ist hier ein so mächtiges und so zum Bewußtsein gewordenes Bedürfniß, daß es wirklich schade ist, nicht alleinige Aufgabe sein zu können. In einem solchen kritiklustigen Orte, wie der hiesige ist, geht man auch mit sich sehr streng zu Gericht. Und in der Erkenntniß der eignen mangelhaften Bildung, blicken viele Eltern mit äußerster Besorgniß auf das Loos ihrer Kinder. Hier sei es öffentlich ausgesprochen, daß die Vollendung unsrer äußerst luxuriösen Synagoge, bei deren Bau viele, viele Tausende auf theils überflüssigen, theils sogar unzweckmäßigen Pomp verwendet wurden — den hiesigen Gemcindevertretern nur gerechten Vorwurf zuziehcn wird, so selbe nicht zugleich bas nur einige Tausende erfordernde Aufführcn eines oft besprochenen Schulgebäudes durchsetzen werden. Man denke sich eine Synagoge von fl. 150,000 — und kein Schulhaus. Die Nächstliegende Organisirung einer Schule ist ebenfalls eine Aufgabe, welche hier viele edle und reell denkende Gemüther bereits beschäftigt, und ist die Anstellung eines würdigen und erprobten Schuldirektors mit allem Ernste und aller Emsigkeit zu fördern. Wer weiß es nicht, wie gering, ja wie unbedeutend die Zahl wirklich befähigter Schulmänner in unsrem Vaterlande ist. Wollte man sogar — was nur zu loben wäre — dieses Amt nur einem ordinirten Rabbiner vertrauen wollen, um wie schwieriger ist nicht dann die Lösung dieser Aufgabe. Sie ist des Schweißes eines jeden Edeln und Bessern würdig. Hier ist der Punkt, wo kein Kampf und kein Opfer zu groß sein soll, wo der Segen Gottes am Nöthigsten ist und die Unterstützung der Gesetze und unsrer für uns väterlich bedachten Behörde. Indem wir den gegenwärtigen nur dafür loben werden, so er gänzlich die Richtung und Art seiner letztjährigen Vorgänger verlassen wird, bitten wir denselben von diesem doch eine Tugend beizubehalten, und zwar den Muth zur Ausführung jener Unternehmungen, wozu nebst innerer Ueberzeugung auch Kraft und Recht vorhanden ist. Was dieser oder jener sagen wird, verdient bei Dingen, welche man epeid trab wünscht und wozu man gesetzlich berechtigt ist, keine Berücksichtigung. Noch habe ich vor einer Entmuthigung zu warnen, welche öfters aus der Mitte der Befferwollenden hervorgcht und in dem schnell ausgesprochenen Wörtchen „langsam" besteht. In einem Orte, wo das höchste Ideal des Reformsüchtigsten nicht über den Wunsch, das Anstandswidrige aus dem Gotteshause zu entfernen (nicht einmal die Organisirung einer sogenannten Ehorschul« ist das heutige Verlangen) und gute Schulen zu begründen, sich erstreckt, da ist der Zuruf: „langsam" entweder Unkenntniß der eigentlichen Sachlage, eitle Vornehmthuerei, oder — Böswilligkeit, deren Grundmotive ich dann näher beleuchten werde, so jene

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