Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-02-02 · Heft 6 (2.2.1846) · p. Seite 83

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 6 (2.2.1846)
Date
1846-02-02
Page
Seite 83 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225443-3225450--07507-3238268
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

83 sterblichen Festhelden zu reden und ganz besonders auf die Liebe hinzudeutcn, welche Heinrich Pestalozzi beseelte. Und wahrlich! wer hätte dazu wol mehr Ursache als ein Israelit? wer verdankt dem großen Manne mehr als wir? dem Manne, dessen ganzes Leben sich mit dem einen Worte: Nächstenliebe bezeichnen läßt; dem Manne mit Kindcsgemüth, der in seiner Liebe zu den Mitmenschen nicht fragte, weß Glaubens, weß Standes sie seien; dem Manne, der den Nächsten nur betrachtete nach seinem innern Werthe und nicht nach äußeren Formen und Dogmen. Denn wenn das erwachte Bewußtsein des deutschen Volkes gerecht genug ist, auch endlich in dem lange gedrückten, verfolgten Israeliten den Menschen zu sehen; wenn viele würdige, edle Männer unter unseren christlichen Mirbrüdern für uns in die Schranken treten, um uns das zu erkämpfen, was man uns wider alles Menschenrecht vorenthält — so ist dieses zum Theil auch das Werk des Mannes, dessen Andenken wir heute feiern und segnen. Ja! diese Liebe, für welche wir unseren christlichen Mitbrüdern von innigem Herzen danken; diese Liebe, welche nach den Worten unsrer Schrift die ganze Religion des Menschen ausmacht; diese Liebe, das Resultat der wahren Menschenbildung, beseelte vorzüglich die Brust unsres unvergeßlichen Festhelden! Darum gedenken auch wir Israeliten heute seiner in Liebe und darum spreche auch ich heute aus der Fülle meines Herzens: Das Andenken an Heinrich Pestalozzi lebe hoch!!" — Ein donnerndes Hoch und lautes Bravo erscholl und gab den Beweis, daß die Worte des Redners zu Vieler Herzen gedrungen waren. Ein Festgenosse. Berlin, 22. Januar. (D. A. Z.) Die Bevollmächtigten der jüdischen Reformgenossenschaft haben endlich, nach vielem Anfragen und Suchen, ein Lokal für die Abhaltung des neuen Gottesdienstes gefunden und sich desselben durch einen Kontrakt auf fünf Jahre versichert. Dasselbe ist in dem Gropius'- schen Etablissement enthalten und bringt dem Eigenthümer desselben jährlich 1400 oder in den fünf Jahren 7000 Thlr. ein, wofür er jedoch auch zugleich die Verpflichtung übernommen, dasselbe mit einer Galerie und den übrigen zur Lokalität eines Gotteshauses gehörigen Einrichtungen zu versehen. Das neue Bethaus wird am ersten Ostertag eingeweiht werden, und von da ab wird darin an allen jüdischen Festtagen sowie jeden Sonnabend und Sonntag Gottesdienst gehalten werden. Die Liturgie dazu, welche von einer Kommission ausgearbeitet wird, nähert sich ihrer Vollendung und soll so zeitgemäß und mannigfaltig gehalten sein, daß sich nicht, wie es bisher in der Synagoge der Fall gewesen, dieselben Gebetsformeln an den gottesdienstlichen Tagen immer wiederholen werden, sondern es wird in ihnen eine Abwechselung stattsinden, welche von den Bestimmungen des Predigers abhängig gemacht werden wird. Das Bcthaus wird wenigstens 1100 Sitzplätze darbieten, welche nicht, wie bei den Deutsch-Katholiken, freigegeben, sondern vermiethet werden sollen. Wie indessen bei diesem Vorhaben auch den Unbemittelten der Genossenschaft das Beten ermöglicht werden soll, ist vorläufig noch nicht bestimmt. Thorn, 10. Januar. Dem Vernehmen nach ist bei den hiesigen Stadtverordneten der Antrag gemacht, wohlhabenden auswärtigen Juden die Niederlassung in Thorn, den bereits hier angesessenen aber den Häuserbesitz auf eigenen Namen zu gestatten. Berlin, 25. Januar. (Privatmitth.) Bei der Lesung der diesmaligen Landtagsabschiede muß nicht allein die Zahl der Provinzialstände, welche für die Israeliten petitionirten, berücksichtigt werden: sondern auch, daß es gerade die von Juden zahlreich bewohnten Provinzen waren, welche petitionirten. Posen, Schlesien, Rheinprovinz, Preußen, Brandenburg enthalten 7/8 der preußischen Israeliten; die Provinzen, welche nicht petitionirten, Westphalen und Pommern, sind nur dünn bewohnt von Juden, und Sachsen, welches sich gegen die Juden äußerte, hat überaus wenig Juden, die ganze, große, bevölkerte Provinz etwas über 3000. Ja, gerade in dieser Provinz dürfen die Juden in vielen Theilen noch gar nicht wohnen, wie auch gerade in dem Sitz der Stände, in Merseburg nicht. Folglich, wo man den Juden kennt, wo er im bürgerlichen Leben eine Rolle spielt, da will man ihn gleichstellen — wo man ihn nicht kennt, wo er fast nicht vorhanden, da ist man gegen ihn! Will man mehr Zeugniß? Oesterreich. Papa, 1. Januar. (Privatmitth.) Die hiesige, am 1. Januar jeden Jahres übliche Vorsteherwahl

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.