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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-02-02 · Heft 6 (2.2.1846) · p. Seite 82

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 6 (2.2.1846)
Date
1846-02-02
Page
Seite 82 (sequence 6)
Language
German
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82 rekte und wohlfeile hebräische Bibelausgabe gütigst vorzuschlagen. Was die Zugrundlegung einer deutschen Bibelübersetzung betrifft, erklärte man sich einstimmig dahin, daß der Lehrer selbst die Uebersetzung den Kindern so wörtlich als möglich gebe, und zu seiner etwaigen Vorbereitung eine von den vielen vorhandenen guten wähle, unter welchen wir der von Dr. Zunz den Vorzug einräumen möchten. Auch wäre es sehr erwünscht, wenn die Lehrer angehalten würden, sich das Bibelwerk von vr. Philippson anzuschaffen, welches beim Unterrichten den wesentlichen Vortheil besitzt, eine wörtliche Uebersetzung mit einem erschöpfenden Kommentare zu vereinen. Ferner wurden mehre Aufsätze verlesen, welche auf verschiedene Lehrfächer und Methoden Bezug hatten, unter welchen wir einen über „Was soll von der jüdischen Geschichte, und wie soll dieses in der Elementarschule unterrichtet werden?" rühmlichst erwähnen können. — Es ist nur zu bedauern, daß die israelitischen Lehrer so entfernt von einander wohnen, und die Zeit der Versammlung zu beschränkt ist. Ersteres hindert öftere Zusammenkünfte, welche doch sehr nöthig wären, und Letzteres kömmt von den schwachen pekuniären Mitteln der Lehrer, denen schon diese geringe Zeit nicht unbedeutende Geldopfer verursacht. Mögen nur die verehrten Herren Mitglieder fest bei ihrem begonnenen Werke verharren, und der Herr Oberrabbiner mit Rath und That seinen Beistand bekunden, so wird und muß das heilige Werk gelingen, und jedes Mitglied wird in dem Bewußtsein, das Seinige hierzu bcigetragen zu haben, die beste Belohnung für seine Mühe und Kosten finden. 0 Soest (Westphalen), 13. Januar. (Privatmitth.) Gestern feierten wir hier das Pestalozzi-Sekularfest. Das Komite bestand aus einem Gymnasial-, einem Seminar-, zwei Lehrern von hiesigen Bürgerschulen und dem Lehrer an der israelitischen Schule. Nachdem im großen Nathhaussaale, vor einem zahlreichen Publikum, von sämmrlichen Lehrern der Stadt und Umgegend so wie von den hiesigen Seminaristen einige herrliche Lieder gesungen worden waren und der Direktor des Seminars seine Rede beendet hatte, versammelten sich die Gymnasial- und Seminarso wie obengenannte Lehrer, die evangelischen und katholischen Geistlichen, die höchste Zivil-und Militärbehörde und viele angesehene Bürger zu einem Festmahle. Als der Herr Seminarlehrer Pastor Schütz den Manen Pestalozzi's einen Toast gebracht hatte, sprach der Herr Professor 0r. Kapp in folgender Weise: „Wir haben, meine Herren, bei unserm ernstheitern Mahle zuerst, wie billig, Pestalozzi's dahingeschiedener Persönlichkeit, seiner Manen, gedacht. Wodurch aber der edle Mann noch fortwährend unter uns weilt und weilen wird, das ist der Geist, mit dem er einst in der leibhaftigen Geisterwelt, der menschlichen Gesellschaft, wirkte. All sein Fühlen und Denken, all sein Wollen und Thun war auf die Beglückung, d. h. die Bildung und Versittlichung des Menschen gerichtet. Wie aber ist in dieser ein wahrer Fortschritt möglich, wenn sie nicht allen Menschen,, nicht allen Brüdern zu Gute kommen soll? Daher waren es hauptsächlich die sogenannten niederen Stände oder bas Volk, dem er die Kraft und den Willen seines anziehenden Geistes zuwandte — eine Aufgabe, die er sein langes Leben hindurch in Schrift und That unermüdlich verfolgte und — es sei dies hier beiläufig gesagt — auch mir einst *) vor vielen Jahren, als ich ihm Aug' in Auge gegenüber saß, aussprach, eine Aufgabe, die, wenn wir die wahren Gebrechen unsrer Zeit erkennen wollen, von Tag zu Tag immer ernster und mahnender ihre Lösung fordert. Und so wollen auch wir in dieser festlichen Stunde, wie fortan immerdar, dieses Geistes eingedenk sein, des Geistes allgemeiner Liebe, die, indem sie in dem Menschen nur den Menschen ehrt, weder geistige noch leibliche Unterdrückung duldet, und so alle Stände und alle Glieder des Staates ohne Bevorrechtung Einzelner umfaßt! Ja, dieser Geist Pestalozzi's, der Geist der freien und edeln Menschenliebe, er walte, meine Herren, er walte und lebe hoch!!" Nach ihm nahm der israelitische Lehrer, Herr Lehmann, das Wort und sprach Folgendes: „Nachdem die verehrten Redner dieses festlichen Tages den Manen und dem Geiste Pestalozzi's ihre Huldigung dargebracht, nachdem sie so trefflich dessen Wirken, dessen Einfluß auf die Bildung unsres deutschen Vaterlandes geschildert haben, wage auch ich, vor dieser würdigen Versammlung, von unsrem un- *) Der Redner weilte früher mehrere Wochen bei Pestalozzi, nm dessen Methode kennen zu lernen.

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