Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 6 (2.2.1846)
- Date
- 1846-02-02
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
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80 Uten in den Städten sprach, während doch in dieser Beziehung zwischen Juden auf dem Lande und in den Städten ein merkwürdige Rechtsgleichheit stattfindet, ja in dieser Vorstellung sogar Verhältnisse berührt werden, die den israelitischen Stadtbewohner mehr beengen, als den israelitischen Landbewohner! — Wir vermögen uns immer noch nicht von der hier schon geäußerten Ansicht zu trennen, daß uns dieser Landtag nichts Besseres bringen wird. Einstweilen ist die Reklamation des adeligen Gutsbesitzer von Hirsch, wegen aktiver Wahlverwcigerung zur Standschast, unter einem willkommenen Borwand zurückgewiescn worden, und der bei dieser Gelegenheit sprechende Minister ließ kein Wort von einem vorzulegenden Gesetzentwurf bezüglich unserer Verhältnisse vernehmen. Im Jntelligenzblatt No. 103 sind Seitens der königl. Regierung diejenigen israelitischen Lehrer namhaft gemacht, welche zur Ertheilung des Präparanvenuntcrrichts autorisirt werden, nämlich die Lehrer Rosenthal in Ansbach, Dessauer in Bayersdorf, Krämer in Altenmuhr, Frankenburger in Berolzheim und Schweizer in Kronhcim. — In der schon von uns rühmlich genannten Gemeinde Mkt. Erlbach fand am 5. d. M. die begehrte Enthebung des alten Lehrers I. Lindner nach Ueberreichung eines äußerst belobenden Schreibens Seitens der königl. Regierung für vierzigjährige Verwendung im Schulfach, bei gründlichen Kenntnissen und unermüdetcm Fleiß, strenger Berusstreue und musterhaftem Lebenswandel, und die feierliche Einsetzung des neuen Elementar- und Religionslehrer Wörnitz statt. Dabei überreichte die Gemeinde dem würdigen Greis als Zeichen ihrer Dankbarkeit einen prächtigen Pokal, der auf dem Deckel die Inschrift trug: -nsr ,yn5T pNL"> nTpia yi:ab ■p’a und die Umschrift: „In Anerkennung 40jährigcr Dienstleistung ihrem Lehrer, Herrn Isaak Lindncr, die dankbare israelitische Gemeinde Mkt. Erlbach!" Wahrlich, solche Zeichen der Dankbarkeit gegen einen Lehrer sind in unseren Tagen so selten und neu, daß sie wol der öffentlichen Erwähnung werth sind. Je fühlbarer der Mangel einer Leichenordnung in unserm Kreise und je größer die Lücke ist, welche die Synagogenordnung hier gelassen, desto anerkennungswerthere Erwähnung verdient die von dem Rabbinen Herrn Grünbaum in Ansbach nach eingeholter Regierungsgenehmigung eingeführte, die erwünschte Ordnung bezielende Leichenordnung in unsrer Kreishauptstadt. Nun kann es nicht mehr schwer werden, auch anderwärts eine solche durchzuführen. Scheue man nur die ersten Schwierigkeiten und die frommen Lärmmacher nicht! Jede der vier, den bisherigen Nabbinalsbezirk Gunzenhausen bildenden Gemeinden wollte sich einem andern Rabbinatsbezirk anschlicßcn. Der zuständige Landrichter aber erklärte, daß die Heerde einen Hirten haben müsse. Auch scheint das „Anschließcn" weder im Willen der Behörde, noch vieler Gemeindeglicder zu liegen. Kr. München, 19. Januar. Die „jüdischen Bürger der Pfalz" haben ein Gesuch an die Kammer der Abgeordneten gerichtet, um die Aufhebung der wider sie bestehenden, tief verletzenden privatrechtlichen Beschränkungen zu erwirken, namentlich des bekannten napoleonifchen Dekrets vom 17. März 1808. Hannover, 6. Januar. Die Hannoversche Zeitung enthält folgende Bekanntmachung: „Es ist eine Kommission für die Errichtung einer jüdischen Lehrerbildungsanstalt, bestehend aus dem Regierungsrath Unger, dem StadtsecrctärBrauns, dem Landrabbiner Di-. Meyer, dem Avvokaten Simon, dem Bankier Alexander Cohen und dem Bankier Cosman Berend, hicrsclost ungeordnet. Wir empfehlen den Landdrostcien und Obrigkeiten, diese Kommission in ihrer Wirksamkeit auf geeignete Weise zu unterstützen. Hannover, den 5. Januar 1846. Königlich hannoversches Ministerium des Innern. I. C. v. d. Wisch." Aus Württemberg, 22. Januar. (Privatmitth.) Während jüdischer Scits allenthalben Zittel's Motion angegriffen wird, weil er seine Freiheitssonne „einem Volk, von dem Licht und Wahrheit ausging", nicht scheinen lassen mag, verkünden zu unserm Erstaunen öffentliche Blätter, wie eine Dankadresse, welche ihm Frankfurts a. M. Bewohner brachten, auch „eine große Anzahl von Israeliten unterzeichnet" habe. Der edle Abgeordnete Veiel, welcher in der denkwürdigen Kammer von 1845 unsre Sache so beredt als muthig vertreten, erhielt kürzlich ein pseudonymes