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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-02-02 · Heft 6 (2.2.1846) · p. Seite 79

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 6 (2.2.1846)
Date
1846-02-02
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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79 der Zerstreuung, uw seine Zeugenschaft zu bethätigen Ln aller Welt. Nicht minder finden sich alle Momente Ln der Geschichte Israels bewahrheitet, welche die freie Entwickelung der Menschheit, der Offenbarung gegenüber, notwendig machte. Israel war kein eroberndes Volk, das in die Versuchung gerathen konnte, mit dem Schwerte der göttlichen Wahrheit Bahn zu brechen. Israel war ein verachterer Stamm, um durch die Größe seines Namens moralische Gewalt nicht zu üben. Israel war kein Proselytenmacher, da es nur galt, auf die ganze Menschheit seine Wahrheiten überzutragen. Ja, in den meisten Staaten waren die Staatsgesetze gegen die israelitische Religion gerichtet, weil durch einzelne Uebertritte gar nichts gewonnen war, sondern die Wahrheit nur durch sich selbst den Sieg gewinnen sollte. So konsiruirt sich die Geschichte Israels wie von selbst; überall ist hier Zweck und Absicht zu erkennen; überall thut sich die leitende Vorsehung und ihr Gedanke kund; überall stimmen Bestimmung und Wirklichkeit mit einander überein. Ohne diesen Gedanken ist aber die Geschichte Israels ein Räthsel, dunkel, unentwirrbar, dem Empiriker ein unverdaulicher Stoff. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt am Main, 22. Januar. Von hier aus geht eine Deputation ab nach Karlsruhe, um dem auf Gewissensfreiheit antragenden Dekan Bittet eine mit vielen Unterschriften versehene Adresse zu überreichen. Die Deputation besteht aus einem Israeliten, einem Lutheraner, Reformirten, einem Katholiken und einem Deutsch-Katholiken, um alle Konfessionen zu vertreten. Aus Mittelfranken, 20. Januar. (Privatmitth.) Das „ehrerbietige Gesuch der jüdischen Landgemeinden von Mittelfranken um bürgerliche und politische Gleichstellung der Juden mit den christlichen Einwohnern des Reichs", welches sich bereits unter dem Einlauf der Kammer befindet, und das den Rechtsgelehrten jüdischer Konfession, Herrn Morgenstern, dermalen in Bamberg, zum Verfasser hat, giebt nach einer kräftigen Einleitung in gedrängter Kürze die Geschichte der Rechtsverkümmerungen der Juden, geht zu der Geschichte der Gesetzgebung in Baiern bezüglich der Juden über, wobei jedoch auch der denkwürdigen Debatten in der bairischen Kammer im Jahre 1831 und den desfallsigen Zusagungen im Landtagsabschied hätte gedacht werden sollen, schildert mit eben so vielem Freimuth als Wahrheit den exzeptionellen Zustand unserer Glaubensgenossen in Baiern, widerlegt siegrelch die gewöhnlichen Einwürfe gegen die Emanzipation, wobei manche sehr wahre Bemerkung gemacht wird, die vielleicht Mancher der Unterzeichner in andrer Form nicht billigen dürfte, und stellt dann das Gesuch, wie Eingangs erwähnt. Man billigt hin und wieder, nach dem bekannten Ausspruch ns-:n rc., ein solches Begehren nicht, aber wir lieben es, jede Sache beim wahren Namen zu nennen. Warum sollen wir das nicht begehren, worauf wir ein volles Recht haben? Mag man es uns verweigern, absprechen soll man es uns nicht. Als Zeichen des in diesem trefflichen Aktenstücke herrschenden Freimuths sowol, wie als Beleg, was uns noch auf dem Rechtsboden abgeht, wähle ich unter Vielem nur folgende zwei Stellen: S. 14. „Wo es geboten ist, die Zahl der Familien zu vermindern, und wo ihre Vermehrung verboten, und die Ansässigmachung auf eine gewisse Anzahl und auf wenige Orte beschränkt, übrigens aber untersagt ist, — da haben unsere Kinder kein Vaterland, kein Eigenthum, keinen Erwerb, da sind sie verurtheilt, auf Natur- und Menschenrechte zu verzichten, und physisch und sittlich zu Grunde zu gehen." Ferner S. 19: „In manchen Landestheilen ist die Zession der Forderung eines Juden an einen Christen ungültig; die Aussage eines Juden für einen Juden wird als erzeptionsmäßig beurtheilt; in den meisten Gebietstheilen stehen jüdische Frauen mit ihrem eingebrachten Vermögen den christlichen Gläubigern nach; bei Eiden sind den Christen dem Juden gegenüber manche wichtige Vortheile cingeräumt" u. s. w. — Wir wünschen der Sache den besten Erfolg und wird er ihr nicht, so tragt wenigstens der Abfasser dieser Vorstellung nicht die Schuld davon, er hat die Sache warm, kräftig und wahr dargestellt. Nur befremdet es, daß man nur die Vorsteher der Landgemeinden zur Unterschrift einlud und in der desfallsigen Einladung von Beschwerden gegenüber denen der Jsrae-

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