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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-01-26 · Heft 5 (26.1.1846) · p. Seite 71

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 5 (26.1.1846)
Date
1846-01-26
Page
Seite 71 (sequence 11)
Language
German
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71 unsrer ungarischen Brüder, denen das schönere Original noch unzugänglich ist, überzeugen, daß die Verteidiger ihrer Rechte im ungarischen Vaterlande in ihrem Eifer nicht erkalten, sondern immer bereit sind, für die Sache der Unterdrückten des Wortes heilige Waffe zu erheben, trotz allen schmutzigen Verleumdungen einiger deutschen Blätter dies- und jenseits der March. Außer dieser Frau zeigte kein Mensch das geringste Mitleiden mit dem Schicksal des Juden; das Verhör ausgenommen, sprach kein Mensch auch nur ein Wort mit ihm. Selbst der Haiduk stellte mit Verachtung die elende Kost vor ihn hin und verließ schweigend oder unter groben Späßen seine Kammer, und der Gefangene empfand in ihrer vollen Größe die Qualen der Einsamkeit, Qualen, die nur so wenig Hoffnung auf die Zukunft, keine schöne Erinnerung aus der Vergangenheit lindern konnte. Schöne Erinnerungen? Er war Jude; dies ist seine Lebensgeschichte. Geboren, daß er das Elend seiner Familie theile, erzogen in den pflegenden Armen der Mntter, daß er in den Kiudesjahren schon die Ungerechtigkeit der Welt kennen lerne, verlassend das Haus seiner Eltern, daß er anstatt Freiheit nur seine ganze Verlassenheit fühle, kämpfend um sein tägliches Brod, nicht in ehrlicher Mühe, denn diese ist dem Juden verboten, sondern mit List und Trug, auf der Erde kriechend, wie die Raupe, die der Vorbeigehende unbekümmert zertritt, gehaßt, verfolgt — dieses ist es, was der Jude in seiner Vergangenheit findet, dieses ist es, wovon die Erinnerungen des Gefangenen sprachen. — Glücklich ist das Kiudesalter! Ter Mann, wenn er jedes Ziel seines Lebens erreicht hat, in dem schönsten Augenblicke des Sieges blickt er mit Sehnsucht zurück auf die unschuldigen Spiele der Kindheit, möchte gern seine Lorbeeren für die ungemengten Freuden hingeben, deren er damals genoffen. Doch der Jude, was findet der, wenn er seiner Jugendjahre sich erinnert? — Verachtung, die schon die Freuden des Kindes vergällte. Als er zum ersten Mal auf eigenen Füßen durch das Dorf ging, lief ihm schon ein Kuabenschwarm höhnend nach. Der Kampf, den er durch das ganze Leben, er, der Einzelne, mit der Menge kämpfen muß, beginnt schon dort, an der Schwelle des Daseins; der Hohn, die Verachtung verbittert den Kelch seines Lebens in den ersten Tropfen. Auch er will lieben, aber die Person, für die er sein Leben geben möchte, sieht er von Jedermann verachtet, mit jener, die er in jugendlicher Begeisterung auf den Thron erheben möchte, kann er nichts checken, als die eigne Schmach; die Schmach, die er nicht verdient hat, von der er sich aber deshalb nicht befreien kann; die Schmach, die er von seinen Vätern geerbt, die er auf seine Kinder vererben wird; die Schmach, die, gleich einem entsetzlichen Fluche, über sein ganzes Geschlecht ausgesprochen worden, von der ihn keine Tugend, keine große That befreien kann. Und wir wundern uns, wenn wir den Juden verderbt sehen, wenn wir jene höheren Gefühle, die die menschliche Natur veredeln, bei diesem Volke seltner finden? Haben wir dem Juden Raum gewährt, daß er diese höheren Gefühle anwende? Hat ihn dieses Vaterland als sein Kind anerkannt, daß es von ihm Liebe fordern, behandeln wir ihn brüderlich, daß wir seine Eigenliebe anklagen könnten? Nehmet der Tugend allen irdischen Lohn, richtet die Gesellschaft so ein, daß sich Niemand durch gute Handlungen die Liebe seiner Umgebung, die Achtung seiner Mitbürger, den Ruhm der Nachwelt erwerben könne, und sehet zu wie Viele dann noch auf der Bahn der Tugend wandeln werden! Und dieses ist die Lage des Juden, in der Mitte dieses gebildeten Jahrhunderts, wenigstens in unsrem Vaterlande. Was nach so großer Unterdrückung von edlen Gefühlen in seiner Seele geblieben, kann sich höchstens offenbaren in glühendem Hasse gegen uns." Ich könnte noch viele, gleich schöne, gleich warme Worte zitiren, die der Verfasser an verschiedenen Stellen dieses trefflichen Werkes für unsre Sache angebracht; aber wozu? Einzelne Ausdrücke und Gedanken, die an ihrer Stelle gut find, da sie den Leser unwillkürlich immer wieder an die Sache erinnern, können hier den Werth der ungezogenen Worte nicht vergrößern. Anstatt dessen sei es mir erlaubt, meiner Mittheilung die allgemeine Bemerkung anzufügen, daß seit einiger Zeit die öffentliche Meinung in Ungarn überhaupt sich wieder günstiger für die Juden zu gestalten aufängt, da auch diese nicht unterlassen, sich der herrlich aufblühenden magyarischen Nationalität immer mehr auzuschließen, wovon unsere besseren Blätter so oft RühmenSwerthcs zu erzählen wissen (ich erinnere nur an die Berichte über den pcsther „Verein zur Verbreitung der ungarischen Sprache unter den Juden", über Rabbi Bscherhoffers Empfangeslied, die Einweihung der neuen Synagoge zu Baja, die Laubhüttenfeier zu Groß-Kanisa, aus Veszprim u. s. w. in dem lJesli Hirlap, Divallap und den Elelkcpek), und selbst der böswillige (vielleicht nur ruuthwitlige?) Ignaz Nagy wird schwerlich mehr in dem Aufsatze „Emancipatio “ dessen Anzeige ich so eben lese, so gemein schimpfen, wre

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