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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-01-26 · Heft 5 (26.1.1846) · p. Seite 70

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 5 (26.1.1846)
Date
1846-01-26
Page
Seite 70 (sequence 10)
Language
German
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70 dem Einflüsse von Vorurtheilen nicht schützen kann, belehrt uns eines Andern. Wenn Zittel ausruft: „Und, meine Herren, kann man ein Deutscher sein, ohne daß Einem bei diesem Gedanken das Herz in der Brust freudig emporschlägt?" möchte ich fragen: „und, meine Leser, kann man ein echter Deutscher sein, ohne daß Einem bei der Beschränkung des Zittel'schen Antrags das Herz in der Brust zerspringen möchte?" Ein Israelit." Ans Mittelfranken, 11. Januar. (Privatmitth.) Sehr viel Epoche macht jetzt die Exklusion des Herrn Barons von Hirsch aus der Ständeversammlung zu München. Dieser durch seinen großen Wohlthätigkeitssinn rühmlichst bekannte Baron I. von Hirsch, aus Würzburg, mar, nebst mehreren Zelebritäten, von Unterfranken gewählt, den Berathungen der Stände beizuwohnen. Abgesehen, daß solchem, als einem der ersten adelichcn Gutsbesitzer in Baiern, das Recht zustand, diese Wahl anzunehmen, wurde Herr von Hirsch bei Eröffnung der Ständeversammlung, um als wirkliches Mitglied sein Votum abzugeben, für unbefugt erklärt. Herr von Hirsch fragte nach der Ursache dieser beleidigenden Abweisung, und da erhielt er die Erklärung, daß er den nach dem Gesetze abzulegenden Eid, der die christliche Religion voraussetze, als Israelit nicht ablegen könne, und das Gesetz keine besondere Eidesformel für einen Israeliten als Landstand noch anerkannt. Der sonst in allen Kreisen und Zirkeln in größter Achtung stehende Baron von Hirsch protestirte über diese schnöde Abweisung an Se. Majestät des Königs, und was dieser hierüber anerkannt, werden wir später mittheilen. Wie die Zeitungen mittheilen, sind schon ein von den unterfränkischen Juden abgegebenes Bittschreiben und eine desfallsige Petition vom israelitischen Vorsteher der Stadt Fürth in das Archiv der Stände eingelaufen. Wie in allen bairischen Gauen die jüdischen Unterthanen ihre Beschwerden über die vorenthaltenen Rechtsverhältnisse und Bürgerrechte dem Landstande jetzt vorlegen, so geschah dieses auch von den Gemeinden im Altmühlthale. Am 4. Januar waren die Kultusvorstcher der sämmtlich reichen Gemeinden von Dittenheim, Berolzheim, Heidenheim, Treuchtlingen rc. in Pappenheim versammelt, besprachen unsere gedrückten Verhältnisse mit scharfem Blicke, und hernach wurde eine mit der richtigen Darstellung unserer Bitten und Wünsche versehene Petition in die Residenzstadt abgeschickt. Mit dem Schullehrerseminar in Würzburg ist eine Taubstummenschule verbunden, in welcher auch gewöhnlich jüdische Taubstumme erzogen werden. Während es allerdings zu loben, daß die israelitischen Pfleglinge, gleich den christlichen, die nöthige Unterstützung an gemessener Kost, Kleidung, Unterricht und Pflege rc. von der Anstalt erhalten, muß es jeder Menschenfreund bedauern, daß nicht auch, wie für die christlichen Schüler gesorgt ist, ein israelitischer Lehrer bestellt ist, der die jüdischen Unglücklichen dieser Anstalt über Religion und die göttliche Offenbarungsgeschichte belehre. Auch den israelitischen Gymnasiasten in Wützburg ist es freigestellt, dem protestantischen oder dem katholischen Religionsunterrichte beizuwohnen, einen Lehrer der jüdischen Religion giebt es aber nicht. Schon im vorigen Jahre haben wir in diesem Blatte gelesen, daß die Kultusgemeinde Niederwern durch die Verwendung des dortigen Herrn Landrichters Jhl und des Herrn Rabbiners Lebrechts eine neue zeitgemäße und zweckliche Gemeindeverfassung statuirt hat; nunmehr aber folgt diesem Beispiele die nachbarliche Gemeinde zu Obbach und bald werden noch mehre aufgeklärte Gemeinden diese Ordnung fördernden Einrichtungen annehmen. Fr. Literarische Nachrichten. INiskolcz, 18. November. (Freiherr Eötv'ös über die Stellung der Juden in Ungarn.) Sie haben, sowol in der Allgem. Zeitung des Judenthums als in ihren gegeschätztm Beiträgen zum wiener „Jahrbuch für Israeliten", schon manchmal die Gelegenheit ergriffen, des edeln Eifers zu erwähnen, mit dem der berühmte ungarische Schriftsteller und Redner, Freiher Joseph v. Eötvös, für die Emanzipation der Juden gekämpft; ich kann daher mit Recht erwarten, daß Sie auch folgenden, obgleich aus dem Zusammenhänge gerissenen, Auszuge aus dessen neuestem Werke, dem meisterhaften philosophisch-politischen Romane „der Dorfnotär" (A* Falu’ Jeqyzöje), der soeben die Presse verlassen, mit Vergnügen ein Plätzchen in den Spalten Ihres Blattes gönnen werden. Mögen die jüngsten Worte des großen Menschenfreundes diejenigen

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