Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 5 (26.1.1846)
- Date
- 1846-01-26
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
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64 und Verhältnisse ein Herz für ihre Glaubensgenossen verbinden. Diese werden sich gern zu gewandten Emissären darbieten. Zweifelt nicht, daß, wenn erst der Impuls zu dieser großartigen Bewegung, zu dieser That, ohne Gleichen in der Geschichte, gegeben ist, auch in jenen Landschaften Komito's und Vereine sich bilden werden, die der heiligen Angelegenheit mit Feuereifer sich widmen werden. e) die Mittel zur Uebersiedlung zu beschaffen. Daß dies der schwierigste Punkt sein werde, sieht man leicht ab. Gaben werden sich bieten; wo wird eine Gemeinde sein, die nicht gleich und lange fort ihre Beisteuer reichen werde? Aber der Umfang des Unternehmens ist so groß, daß die ausschweifendste Phantasie eine genügende Anschaffung der Mittel nicht erhoffen wird. Allein hier heißt es erstens: wir thun, was wir können! und hier gilt es zweitens: Dem vertrauen, der das Meer gespalten, und mit Manna gespeist hat! An Ihn war Israel stets gewiesen, mit Ihm wollen wir beginnen! d) die Uebersiedlung zu organisiren. Auch diese höchst schwierige Aufgabe ist unerläßlich und zwar nach zween Seilen hin: 1) in Bezug auf die Art und Weise der Fortschaffung; 2) in Bezug anf die Einrichtung der Kolonien. Kann die Erstere nur Ergebniß der Erfahrung, der sich ergebenden Mittel rc. sein, so läßt sich bezüglich der zweiten von vorn herein bemerken, daß die russischen Juden nicht so wie sie sind, sich selbst überlassen, anderen Welttheilen übergeben werden können. Sie müssen mit ihrem Elende ihren Schmutz aufgeben, sie müssen in einer neuen Welt als neue Menschen erstehen. Daher muß von vorn herein ein organisches Statut da sein, nach welchem sie sich ansiedeln, Administration, Gesetz, Schule müssen ihnen gegeben sein — natürlich so, daß zu einer freien Entwicklung ihnen Raum gegeben ist. Dieses sind ungefähr die Zwecke, welche ein „Hülssverein zur Uebersiedelung russischer Juden" zu verfolgen, zu verwirklichen hätte. Je großartiger diese sind — desto weniger können sie Werk Eines oder Mehrer sein. Hier kann kein Einzelner Unternehmer sein, kein Einzelner an der Spitze stehen. Ja, selbst um das Ansehen nach außen zu haben, welches unentbehrlich sein wird, muß es gewissermaßen auf gesetzmäßige, betraute Behörden sich stützen. Welche sind diese? Nach unsrer Ansicht keine anderen, als—die Vorstände der größeren deutschen Gemeinden. Die Vorstände von Gemeinden, wie Königsberg, Berlin, Breslau, Hamburg, Frankfurt am Main — diese müssen zusammentreten, den Verein konstituiren, vorläufige Paragraphen entwerfen, Komit6's bilden, welche die einzelnen Aufgaben des großen Unternehmens übernehmen; diese müssen dann mit den Gemeinden Frankreichs, Hollands, Englands rc. rc. in Verbindung treten, die nöthigen Bewilligungen der resp. Regierungen erlangen, in allen Provinzen Spezialkomite's bewirken rc. rc. Nur kein Einzelner darf hervortreten. Ein gemeinsames Werk kann es nur sein. Nur nicht, wie schon mehre Male in dieser Sache, durch die Duperieen Einzelner das Ganze gefährdet, abgenutzt. Ehrgeiz, weiche zurück! Menschenliebe, Frömmigkeit, Jsraelitenthum, Ihr, kommet hervor, nehmet diese Angelegenheit in Eure Hände, weihet sie, daß sie gedeihe! Zeitungsnachrichten. Frankreich. Paris, 1. Januar. Das Zentral-Konsistorium hat so eben eine allgemeine Zählung der israelitischen Bevölkerung des Königreichs verfügt. — An die Stelle des Herrn Crömieur ist Herr Anspach (königl. Prokurator) mit 46 unter 69 Stimmen zum Milglied des Zentral-Konsistoriums erwählt worden. — Am 6. Januar werden die Konsistorien von Metz, Nancy, Kolmar und Straßburg eine Versammlung in letzter Stadt abhalten, um sich über die Verbesserungen zu berathen, die bei den Israeliten des östlichen Frankreichs einzuführen seien. — Zum ersten Male stand diesmal an der Spitze des israelitischen Konsistoriums zur Gratulation beim Könige ein Anderer, wie Crvmieur, nämlich der Oberst Cerfberr (Deputirter). Ist es nicht wunderbar genug, daß eine solche Komplikation stattsinden kann, daß die höchste geistliche Behörde repräsentirt ist durch einen Militär, der zugleich in der Versammlung der Gesetzgeber und im Kriegsministerium sitzt? Es schließt dieser Umstand allein schon eine vollständige Umwälzung in Ansichten und Zuständen ein. Italien. (S ta ti stik.) Die „österreichischen Blätter" geben folgende statistische Notiz über die italischen Israeliten: