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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-01-19 · Heft 4 (19.1.1846) · p. Seite 58

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 4 (19.1.1846)
Date
1846-01-19
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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58 Pflaumloch, 26. Dezember. (Württemberg.) (Privatmitth.) Die hiesige Stabtkommune hat den Israeliten Markus Ettlinger zu ihrem Bürgermeister erwählt. Es ist dies seit Erlassung der die Juden zu Gemeindeämtern für wahlfähig erklärenden Gesetze von 1828 und resp. 1833 in unserm Lande der erste derartige Fall, was einerseits das Schwinden des Vorurtheils gegen die Juden auch unter unseren Landbewohnern, andererseits aber auch den Ungrund der hier und da laut gewordenen Bcsorgniß beweist, als ob in Folge der gesetzlichen Aufhebung der bürgerlichen Unfähigkeit der Juden bald alle Gemeindeämter von Juden besetzt sein würden. —. Hiegegen bemerkt das Franks. I., daß es nicht der erste Fall sei, denn im Dorfe Unterschwandorf, Oberamts Nagold, war mehrere Jahre lang bis an seinen Tod ein Israelit, Namens Dessauer, Schultheiß einer Bevölkerung, die fast zu gleichen Theilen aus Protestanten, Katholiken und Juden bestand, und die dort recht einträchtlich beisammen wohnten K u x i o f ii tu* Nor hundert Jahren. Mau kennt die Tragödie, die in Stuttgart Anfangs vorigen Jahrhundert mit dem sogenannten „Jud Süß" gespielt wurde. Er war Finanzminister des Herzogs Karl Alexander von Württemberg, welcher in den 1730er Jahren regierte. Nach dem Tode des Herzogs richtete sich die Volkswuth gegen den Süß Oppenheimer; ein Menge Beschwerden wurden gegen ihn erhoben, und er, ein dem Volkswillen gebrachtes Opfer, wurde ohne viele Prozedur zum Tode verurtheilt. In seinen letzten Augenblicken quälte man ihn noch dazu mit Bekehrungsversuchen, die er standhaft von sich wies. Hierüber enthielt unter obigem Titel ein stuttgarter Blatt vor Kurzem Folgendes: In einer 1738 in Eßlingen gedruckten Broschüre erzählt ein Stadtvikar in Stuttgart, AI. Repetent Hoffman n, der neben einem Diakonus Heller beauftragt war, dem Jud Süß in seinen letzten Stunden beichtväterlich beizustehen und ihn wo möglich noch zu bekehren, den Erfolg seiner Bemühungen, und fährt, nachdem er die erste längere Unterredung mit ihm berichtet in seiner Erzählung folgendermaßen fort: „Rachdeme nun von allem paffirten derFürstl. Commihsion refrrirt hatte, so wurde befehligt, Montags wieder zu ihm zu gehen und noch weiters in ihn zu dringen; so auch morgends um 10 Uhr geschehen, allein, wie er die ganze Rächt durch gewesen, so fund ihn auch Morgends, nehmlich mehr als jemals wild und verstockt. Ich: Nun es geht immer näher dem Ende zu, hoffe demnach, er werde eilen und seine Seele retten. Jud: Sie stören mich in meiner Andacht, die ich in dem Thephilot habe; ich habe Sie ja gestern fußfälligst gebeten, mich gehen zu lassen. Ich: An der Andacht wolle ich ihn nicht stören, sondern vielmehr mit ihm betten, aus dem Psalter und denen Propheten; bemühete mich sonderlich aus der mitgenommenen ebräischen Bibel das Gebett Daniel^ c. 9. ihme zu recommaudiren, in der Absicht, ihn hernach Gelegenheitlich auf die Weissagung von den 70 Wochen zu bringen: allein der Jud: Wollte sich absolute nicht mir einlaffen, fiel auf die Kniee nieder und sagte, er stehe nimmer auf, bis ich gehe, wolle mich auch nicht hören. Ich: Gieng der Thure zu: und sobald er aufstunde, wieder zurück mit dem Wort: Er macht mich nicht müde, ich kan Gewissenshalber nicht ablaßen von ihm, meine Religion bringe es nicht mit sich Jemand mit List oder Gewalt zum Changement zu nöthigeu, wann es ihm nicht selber komme, nach vorhergegangener gründlicher Erkenntniß seiner Sünden, auch den Mittler zu suchen, von dem Moses und die Propheten gezeugt haben, so woll ich ihn ihme selber überlassen; ich möchte nur einmahl ein bußfertig Herz bei ihm sehen, das seine Fluchwürdigkeit erkenne und um Gnade schreye, stellte ihm darauf vor, wie viel Seufzer im Land er auf sich geladen rc. Jud: O! wenn er wüßte, daß das Land über ihn geseufzet hätte, er wollte ihme zur Satisfaction sein Blut mit Freuden bis auf den letzten Tropfen vergießen. Ich: Damit habe aber die göttliche Gerechtigkeit noch nicht Satisfaktion, die Todesstrafe mache an sich Niemand selig rc. Jud: Schwieg stille. Ich: Fuhr fort: Hat ihm das Gesetz 3. Mos. 20: wer die Ehe bricht, der soll des Todes sterben, noch nicht angst und bang gemacht? sagt ihm sein Herz nicht, daß seine übermachten Sünden eine mehr als gemeine Buße von ihm fordern? Wie ängstlich thut doch David Pf. 38. Indem nun solcher gestallten mit ihm redete, schrye der Jud beständig darzwischen: er wolle mich ja nicht hö-

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