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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-01-19 · Heft 4 (19.1.1846) · p. Seite 51

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 4 (19.1.1846)
Date
1846-01-19
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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51 teu in der Einzigkeit Gottes die Einigkeit Gottes aufhob; die zweite, daß, nachdem die israelitische Offenbarung die Menschen mit ihren Lehren so durchdrang, daß diese mit der ganzen Anschauungsweise der Menschen völlig verwuchsen, die Menschen den Ursprung jener oft genug vergessen, und aus sich selbst und der Natur erkannt zu haben glauben, was ihnen von Kindesbeinen an aus der israelitischen Offenbarung gegeben worden. Man könnte nun zwar einwenden, daß, wenn auch allerdings die ganze Menschheit die Erkenntnisse von Gott rc. aus der israelitischen Offenbarung geschöpft hat, und nirgends zu ihnen gelangt ist, und nirgends zu ihnen gelanget, wo jene noch nicht hingekommen ist: so sind diese Erkenntnisse doch in Israel ein Produkt des Menschengeistes selbst. Der Widerspruch hierin giebt sich bald von selbst. Sobald diese Erkenntnisse ein Produkt der menschlichen Reflexion sein könnten, so mußten sie unfehlbar nicht allein bei den Israeliten sich als solches ergeben, sonders.. bei der Tüchtigkeit, die so viele Geister außer Israel in der Reflexion hatten, vielfach zum Vorschein kommen. Dann müßten sich ferner die Wege der Reflexion, auf denen sie erlangt worden, sofort darlcgen, wie dies überall geschieht und in der Natur des Menschengeistes liegt. Aber in den israelitischen Offenbarungsschriften geben sich durchweg jene Erkenntnisse nur als göttliche Offenbarung. Diese Letztere wäre dann aber ein Trug. Wahrheit und Trug widersprechen sich aber selbst so ganz und gar, daß sie sich in der ursprünglichen Hervorbringung nirgends vertragen. Wol kann der Trug sich einer schon vorhandenen Wahrheit bemächtigen und sie verfälschen, nicht aber schon in der ursprünglichen vorhanden sein. Derselbe Menschengeift, der die ewigen Wahrheiten fand, hatte nicht auch eine ewige Lüge erfinden und aufstellen können. Zweitens. Wie aber in der Geschichte sich die Rothwendigkeit der Offenbarung für die von ihr gegebenen Lehren erweiset, so auch in der Idee selbst. 1) Ans der Natur betrachtet, können wir Gott nur als den allmächtigen, allweisen und allgütigen Werkmeister erkennen, als Schöpfer; aber er bleibet dies auch nur für den Menschen; dieser ist eingereiht in die unabsehbare Kette der Wesen. Alle göttliche Ebenbildlichkeit im Menschen, alle Verbindung des Menschen mit Gott, alle Unmittelbarkeit Gottes zum Menschen bleibt durch die Natur unerwiesen, vielmehr widersprochen; alles dies ist eine unbegründete Voraussetzung und Annahme. Erst durch das Aktum der Offenbarung treten wir aus der Reihe der Naturgeschopfe heraus, werden wir Geist mit Gottes Geiste verbunden, wird Gott unmittelbar für uns. 2) Aus der Natur heraus ist der Mensch denselben unwandelbaren Gesetzen unterworfen; er wird, lebt und stirbt; bedarf der Nahrungsmittel, derselben Organe wie da§ Thier. Eine Erziehung des Menschengeschlechts durch Gott, eine Heranbildung und Vervollkommnung durch die Lenkung Gottes, eine Ueberordnung des menschlichen Lebens in der Gesellschaft durch die göttliche Vorsehung, alles dies wird durch die Natur nicht erwiesen, vielmehr widersprochen, es ist eine unbegründete Voraussetzung und Annahme. Erst durch das Aktum der Offenbarung treten wir aus der Reihe der Naturgeschöpfe heraus, werden die höheren Zwecke Gottes mit dem Menschen begründet, wird er unser Erzieher, Leiter, Bildner, die Vorsehung. 3) Aus der Natur heraus ist der Mensch sterblich, wie alle Geschöpfe; er wird, erblühet, reift, stirbt ab; nur die Gattung erhält sich durch die Fortpflanzung. Die Unsterblichkeit des Menschen wird durch die Natur nicht erwiesen, vielmehr widersprochen. Erst durch das Aktum der Offenbarung wird die Unsterblichkeit begründet, da für das kurze Erdenleben selbst eine göttliche Offenbarung unnöthig wäre, Gott sich nur einem unsterblichen Geiste offenbaren kann; durch die Offenbarung bringt Gott den Menschen zur Erkenntniß der Wahrheit und zur Uebung des Rechts, über deren Erfüllung oder Vernachlässigung Gott richtet, wessen Abschluß in einem nachirdischen Leben erst erreicht werden kann, und zu deren Fortführung dem Menschen eine nachirdische Existenz nothwendig ist. — Auf diese Weise erlangen alle diese Erkenntnisse erst durch das Aktum der Offenbarung ihre Begründung, und sind ohne dieses willkürliche Voraussetzungen. Man sage nicht, daß wir in diesen Erweisen uns nur im Kreise herumbewegen: dies und dies lehrt die Offenbarung, und nur die Offenbarung ist ihre Begründung. Wir verhandeln hier nur mit denen, welche die Einigkeit Gottes, die Ebenbildlichkeit des Menschen, die göttliche Vorsehung, die Unsterblichkeit der Seele als Wahrheiten annehmen, und wollten diesen erweisen, daß sie diese israelitischen Lehren, nicht ohne das Aktum göttlicher Offenbarung annehmen können. Wer jene nicht als Wahrheiten erkennt, ist im Heidenthume befangen, und mit diesem wollten wir nicht rechten. Man sieht, wir sprechen unsere Ueberzeugung in klaren, einfachen Worten aus, wir vermeiden absichtlich alle Schulweisheit, alles Mystische und Phantastische. Es bleiben

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