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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-01-19 · Heft 4 (19.1.1846) · p. Seite 50

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 4 (19.1.1846)
Date
1846-01-19
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 man eine der andern unter — aber was ist damit geholfen? Die Grundlehren des Judenthums nun, wie sie Ln der Schrift enthalten sind, sollen durch unmittelbare Eingebung, Knndthuung des göttlichen Geistes gegeben worden sein. Dies ist es, was die Schrift auf jeder Seile ausspricht; dies, woran der jüdische Stamm von jeher festhielt; dies, was auch untzr den Juden jetzt Vielen eine Frage ist, von Vielen geleugnet wird. Es fragt sich nun: kann üfr Offenbarung innerhalb des Iudenthums geleugnet werden? Ich sage: Nein! Und warum? Weil es sonst reine Willkür der Individuen ist, die anderen Lehren des Iudenthums feslzuhalten. Man hat nämlich die Lehren des Iudenthums von Gott, Welt, Mensch und Sittlichkeit trennen wollen von der Lehre der Offenbarung, und jene als durch die Vernunft so hinlänglich gestützt ausgegeben, daß man die Lehre der Offenbarung der Naivetät des Glaubens oder Unglaubens hingeben könne, man bedürfe ihrer weiter nicht. Aber dies ist völlige Illusion. Mit Nichten 'sind jene von der Vernunft wahrhaft gestützt. Es ist dabei folgende Selbsttäuschung vorgegangen: weil jene Lehren begreiflich sind, die Offenbarung aber in ihrem Aktum unbegreiflich, hat man das Begreifliche festgehalten, das Unbegreifliche verworfen, ohne zu bedenken, daß dieses Begreifliche noch gar nicht erwiesen ist, sondern erst in diesem Unbegreiflichen seinen Erweis findet. Mau hat das Begriffene für Erwiesenes ansgegeben, und daher das Unbegreifliche fortgestoßen. Um dies selbst zu erweisen, haben wir zwei Gesichtspunkte festzuhalten. Erstens. So weit wir in die Geschichte der Menschheit zurückgehen, finden wir, daß der Begriff von der Gottheit und seinen Konsequenzen von zweien verschiedenen Seiten aus angestrebt und resp. erlangt worden ist. Einerseits von der Erkenntniß des Wahrnehmbaren, d. i. von der Natur aus; andrerseits von der Annahme unmittelbarer göttlicher Kundthuung, d. i. von der Offenbarung aus. So wie in der Menschheit ein Bewußsein über die Gottheit erwacht, entsteht mit ihr eine Ahnung der göttlichen Offenbarung. In allen vorisraelitischen Völkern bleibt dies aber Alles ein Schwanken und Wanken; erst mit Israel und Hellas scheiden sich die Wege. Das erste hat die Offenbarung in der Wahrheit; Hellas hat das Anstreheu der Erkenntniß aus der Natur in der Wesenheit. Aus der Natur aber muß sich die Erkenntniß zwiefach ergeben; entweder der menschliche Geist ist nicht befähigt, die Natur in ihrer Einheit zu fassen, und sie zerfällt ihm in Naturkräfte, was nichts anders als den Polytheismus (die Vielgötterei) ergiebt, oder er ist befähigt, die Natur als eine Einheit zu fassen, und dann ergabt sich ihm auch Gott als eine Einheit. Hier aber wird sich wieder der Zwiespalt aufthun, wie dieser Gott sich zur Natur verhält, ob er identisch mit ihr oder ein außer ihr Seiendes? Hierüber kann dann Niemand hiuwegkommen, und der erhabene Genius, welcher unter den alten Philosophen — und diese allein standen wahrhaft auf der geschilderten Stufe — am Klarsten die Natur in ihrer Einheit begriff, Aristoteles, schwankt aller Orten innerhalb dieses Zwiespaltes, der natürlich zu gar keiner nähern und weitern Erkenntniß Gottes zuläßt. Heidenthum und Offenbarung standen sich also direkt gegenüber, indem jenes entweder in die breite Heerstraße der Vielgötterei, oder in die Sackgasse dcssabsoluten Seins (ovoia) auslief: diese aber, die Offenbarung, in den bestimmtesien Lehren die Einheit Gottes, die Außerweltlichkeit Gottes, die Ebenbildlichkeit des Menschen, die Unmittelbarkeit Gottes zum Menschen (während Gott zu den übrigen Geschöpfen mittelbar durch das Medium des Naturgesetzes ist), daher: Vorsehung, Leitung des Menschengeschlechtes zur Vervollkommnung, (eine Lehre, die die Schrift auf ihren ersten Blättern ausspricht ff. unsere Bibel Bd. I. S. 30] und bis zur Messiasidee verfolgt,) Leitung des einzelnen Menschen, Beachtung des menschlichen Thuns, Belohnung und Bestrafung, und deshalb das Heiligungs- und Sittengesetz aufsieüte. Dieses erweist sich einfach durch die Sätze: 1) alle Völker, zu denen die Offenbarungsschriften Israelis nicht gelangten, waren im Heidenthum versunken; 2) alle Völker, zu denen noch jetzt die Offenbarungsschriften Israeli nicht gelangten, sind noch jetzt im Heidenthum versunken; 3) alle Völker, die einen antiheidnischen Begriff von Gott, die mehr oder weniger die oben aufgeführten Lehren haben, sind solche, welche die Offenbarungsschriften Israels haben, und schöpften sie aus ihnen. Diese unumstößlichen geschichtlichen Sätze bezeugen, daß die Menschheit zu diesen Erkenntnissen nicht gelangt ist, also nicht gelangen konnte ohne die Offenbarungsschriften Jsracl's. Der menschliche Geist war an sich unbefähigt, sie durch sich selbst zu finden. — Hier nämlich sind zwei Erscheinungen wohl zu beachten: die erste, daß, als die OffenbarungSfchrrften Jsrael's wirklich zu einem großen Theile der Menschenvölker gelangten und die Vielgötterei verdrängten, sich das Heidenthum nach innen warf, und mit-

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