Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1846)
- Date
- 1846-01-12
- Page
- Seite 44 (sequence 12)
- Language
- German
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44 feiten wo! gestatteten Verkleidung den Wald von Konary durcheilte, indem er die Straße nach Krakau, der alten Hauptstadt des unabhängigen Polens verfolgte. Seine grade, aufrechte Haltung ließ errathen, daß dieser Mann in seiner Jugend Soldat gewesen sein müsse, und ungeachtet seines Alters fehlte es ihm weder an Energie, noch an Kraft. Er beobachtete soeben einen jungen Bürger, der seit einer Weile, ihm immer ungefähr hundert Schritte voranschreitend, denselben Weg verfolgte. Plötzlich hielt dieser Mann, ein leises Geräusch vernehmend, an. Der zweite Reisende Lhat dasselbe. Mit einem Male bückte sich der Erstere, griff nach den Waffen und schlüpfte eilends in die Gebüsche. Kein Zweifel, dachte der Andere, dieser Mann ist einer der Unsrigen, er hat einen Trupp Kosacken bemerkt und vermeidet ein unangenehmes Zusammentreffen; am Besten ich thue desgleichen. Sogleich lud er ebenfalls seine Pistolen, drang bis in die Mitte des Waldes und nahm inflinktmäßig dieselbe Ortsrichtung, in der sich der Erste geflüchtet. Kaum hatte er einige Schritte gemacht, als einige zwanzig Kosacken, von einem Offizier angeführt, auf der Straße erschienen. Sie rekognoszirten wahrscheinlich oder spürten irgend einer gefährlichen Person in dem Walde nach, die gegen den General Suwarov zu fechten wagen könnte. Fünf von ihnen hielten an einem Kreuzwege an, die Uebrigen zerstreuten sich auf ein Zeichen ihres Obern nach allen Richtungen hin. Unsere beiden Unbekannten vermochten, obgleich Einer vom Andern ziemlich entfernt, die Ordres des Offiziers au seine Soldaten zu vernehmen. „Tausend Goldstücke demjenigen, der ihn lebend oder todt herbeischafft." Es war ohne allen Zweifel, daß der russische Offizier erfahren, daß ein bedeutender Pole den Wald passtren würde. Rach der zweiten Theilung Polens am Ende des vergangenen Jahrhunderts, warteten alle Bewohner dieses unglücklichen Landes nur auf einen Anführer, um die Standarte des Aufstandes aufzupflanzen, deshalb lauerte der russische General allen Schritten der polnischen Offiziere auf, besonders aber derjenigen, die sich in dem Kriege für die Unabhängigkeit Amerikas hervorgethan hatten. Es ging das Gerücht, daß einer der tüchtigsten Anführer sich im Lande aufhielte. Dies war dem russischen Gesandten und dem Generalissimus der moskovitischen Armee genügend, um alle Kosacken, die an den Ufern der Weichsel standen, marschfertig zu halten. Unsere beiden Reisenden glaubten sich, als sie die Ordre der Kosacken hörten, in ihrem Verstecke nicht mehr sicher genug. Sie vertieften sich immer mehr in den Wald und trafen alle Beide, durch einen außerordentlichen Zufall auf einem und demselben Punkt zusammen. — „Wer da?" fragte der Vordere und faßte seine Pistolen, bereit, sein Leben theuer zu verkaufen. „Gut Freund," erwiederte der Andere, ohne zu seinen Waffen zu greifen. Mit einem Zeichen des Einverständnisses deutete er an, daß sie Beide dieselben Feinde vermieden und des größten Stillverhaltens benöthigt seien, um einer großen Gefahr zu entgehen. Der Erste beseitigte seine Pistolen, erspähete die Richtung der Kosacken und bekümmerte sich nicht mehr um seinen Begleiter, der ihm auf den ersten Blick das größte Vertrauen eingeflößt hatte. Die Kosacken durchkrocheu den Wald, bald hallten ihre Stimmen aus der Ferne wieder, bald streiften sie so nahe an unseren Reisenden vorüber, daß sie ihre Rettung der göttlichen Vorsehung allein zuschreiben mußten. Die Frühlingßsonne senkte sich schon, als sich das Geräusch der Pferde und die Stimmen der Kosacken verloren. „Ich denke, daß wir nun unseres Weges weiter ziehen können," sagte der Erste der Reisenden. „Es wäre gescheidter, noch zu warten," erwiederte der Zweite, „die Kosacken pflegen immer vor Anbruch der Nacht auf ihre Posten zurückzukehren und ihren eben gemachten Weg nochmals zu passtren." „Das ist richtig, übrigens können wir ja auch, was wir am Tage versäumt während der Nacht einholen. Wohin führt Sie Ihr Weg, gnädiger Herr?" fragte der Bürger. „Gnädiger Herr, der Titel kommt mir nicht zu, ich bin ein Mann aus dem Volke, Ihr müßt es an meiner Kleidung sehen." „Vergebung, mein Freund, daß ich Ihre Verkleidung , durchschaut habe, aber das ist Ihr Fehler: denn wenn Sie arm erscheinen wollen, weshalb bedienen Sie sich Pistolen, um die Sie Kosziusko selbst beneiden könnte, und wenn Sie ein Bauer sind, wie Sie es glauben zu machen suchen, warum tragen Sie einen Ring von so bedeutendem Werthe am Finger? Der Zufall hat uns zusammengeführt, und ohne Wahrsager zu sein sage ich Ihnen, Sie gehen nach Krakau, um sich in das Freikorps aufnehmen zu lassen, wenn nicht gar, um es selbst anzuführen."