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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-01-12 · Heft 3 (12.1.1846) · p. Seite 42

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 3 (12.1.1846)
Date
1846-01-12
Page
Seite 42 (sequence 10)
Language
German
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42 sterung (*p npmn) ergriffene Prophet ist jedenfalls ein „unfreier Geist," wie Jirmejah mehrmals ausfpricht. Man lese z. B. die tief ergreifende Schilderung 20, 7 ff. bsbs ■’mabsi Ti72i£^n ‘ns? msn tmo 'nbs ivm bsiN «bi und andere Stellen, z. B. 17, 16. Sagt nun Sachs ferner: „der Beobachtung der religiösen Institutionen nach ihrem eigentlichen Sinne und Ln ihrer wahrhaften Bedeutung standen sie hilfreich zur Seite, indem sie der Verdumpfung im bloßen Mechanismus des Thuns und der gedankenlosen Uebung durch die Hinweisung auf die tieferen Quellen des Innern wehrten" — so ist dies nur in sehr geringem Maße wahr. Es ist in Wahrheit allein der Sabbath, der von den Propheten gestützt wird, gegen die bestehenden religiösen Institute zeigen sie sich aber eher widerwillig, als befreundet; ja sie scheuen sich nicht, mosaische Gesetze geradezu aufzuheben, z. B. das jüdische Bürgerrecht Jesch. 56, 3. und berühren überhaupt das Gesetz sehr wenig. — Wir geben hier diese Bemerkungen nicht um zu polemisiren, sondern Herrn 0r. Sachs nur zu zeigen, daß seine Ansichten vermittelst seines Wortreichthums noch lange nicht genug gedeckt sind, um so zerschmetternde Blitze schleudern zu dürfen, wie er es in den Anmerkungen thut. Wir gehen jetzt vielmehr auf die Sache selbst ein. — Wenn Sachs auf der einen Seite mit Glück denen gegenübertritt, welche die Exegese in Midrasch und Talmud von dem Standpunkt der jetzigen Philologie aus beurtheilen, und also von ihr sprechen, als ob sie sich in ihrer Willkürlichkeit als die allein wahre Exegese setzen wollte: so thut er dennoch des Gegenthcils zu viel, und sucht vergebens von ihr diesen Charakter grenzenloser Wiükürlichkeit abzustreifen, die das gegebene Wort, dem nichts hinzugefügt und nichts genommen werden soll, nach augenblicklichem Belieben und Bedürfen deutet. Wenn man hingegen jener alten Zeit das Verdienst einräumen wird, den Buchstaben der Schrift gerettet zu haben, indem sie ihn zählte und für unverletzlich erklärte: so muß man auch unsrer Zeit das Verdienst einräumen, das Verständniß der Schrift zu retten, indem die Willkürlichkeiten früherer Auslegung zurückgewiesen werden, die bis in den Wahnsinn des polnischen Derusch ausgeartet war. In No. II. betrachtet Sachs „die Gebete," und stellt in allgemeinen Umrissen die Entstehung und Entwicklung des Siddurs und der Piutim dar. Hierauf stellt er in III. Italien und Spanien als die Mittelpunkte jüdischer Wissenschaft und den Einfluß der aristotelischen Philosophie in Spanien dar, wovon er, namentlich in der Engellehre, sehr angemessen den Uebergang zu IV. „der religiösen Poesie in Spanien" macht, wo die Heroen, ihrer LebenSgeschichte und ihren Werken nach, detaillirt charakterisirt werden. Wir freuen uns, in dem Werke des I)r. Sachs eine gründliche und geistreiche Arbeit zu besitzen, von der wir die einzelnen, gerügten Flecken sehr leicht entfernt denken können, um sie ganz zu genießen. Korrespondenz. Berlin, 29. Dezember. Heber die vierte Vorlesung des Di'. Sachs *). Nachdem eine Betrachtung des Gesammtgebietes der jüdischen Literatur und die Aufzählung der Quellen und Hülfsmittel für diese Wissenschaft nebst der kritischen Würdigung derselben Gegenstand der ersten Vorlesungen waren, wurden in gegenwärtiger die Mischna und der Talmud besprochen. Nach einer Ehrenrettung dieser so vielfach angefochtenen Schriften bemühte sich der Redende, in gedrängter Uebersicht die Zeit, Oertlichkeit und Art der Entstehung des großen Sammelwerkes darzustellen und schloß damit, daß er uns einen Blick in seine innere Einrichtung thun ließ und durch ein Beispiel den Geist desselben charakterisirte. — Die Mischna und der Talmud wurden als ein Produkt der Geistesthätigkeit mehrerer Jahrhunderte und als ein Ausdruck der Gesammtrichtung verschiedener Urheber und Zeiten bezeichnet. Die Beschaffenheit und Tendenz des Werkes, sprach der Redende, sichern ihm einen hohen Rang in der Reihe der Geifleserzeugniffe aller Zeiten. Die reichste Fülle der Gedanken, die schlichteste Lebensweisheit und praktische Weltweisheit, vorgetragen in der anspruchlosesten Form, geben ihm eine hohe Bedeutung für den Forscher. Wenn Manches son-. derlich und abentheuerlich darin erscheint, so ist dies au Rechnung von Zeitverhältnissen und Umständen zu schreiben, in die wir uns nicht leicht mehr versetzen können. Der uneigennützige, gottgeweihte Trieb jener alten Lehrer, aus dem es hervorgegangen, begründet vollen Anspruch auf Theilnahme. — Die Mischna, fuhr er fort, ist eine *) Es war uns erst jetzt möglich, einen Berichterstatter über die Vorlesungen des Herrn vr. Sachs zu erlangen. Redakt.

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