Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1846)
- Date
- 1846-01-12
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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41 Der dritte Abschnitt, der wichtigste, behandelt gründlich I die Lehre vom NP2N worin der schärfste Jnzidenzpunkt der maimouidischen Psychologie liegt. Dem M. ist weder der Körper noch die Seele eine Substanz (Existenz), sondern durch Vereinigung des Wesens (miat) mit fcern Stoffe wird ein substantielles Sein, so daß die Seele nichts ist als die Einheit der den organisirten menschlichen Körper zu einem lebendigen Einzelwesen gestaltenden Vermögen. Die Seele als diese Einheit entsteht daher bei der Geburt und stirbt ab mit dem Körper. In dieser Einheit besteht aber die Vernunft nur als eine Anlage, eine hylische Vernunft tett). Diese Vernunftanlage wird aber durch die Erkenntnisse des Wesens der Dinge und der ewigen Wesenheiten zu einer positiven, für sich bestehenden Substanz baiö), die, da sie nur Erkenntnisse von Objekten, die entweder stofflos sind oder das Wesen der stnnenfäüigen Dinge bilden, hat, auch ein an sich Reales, Stoffloses, vom Körper Trennbares ist. Diese Erkenntnisse sind: die Erkenntniß des Wesens (nvmr) der entstehenden und vergehenden Dinge, die der Sphärengeister, der Engel und Gottes. Dieser ist daher, indem er auch eigentlich das Wesen (r-ntsr) der Seele (das Wesen des Wesens) ist, unsterblich.— Der vierte Abschnitt handelt von dem Verhältniß des ratio, nellen Vermögens zum Triebe (Begehruugsvermögen); Freiwilligkeit und Bewußtsein des Thuenden sind die nothwendigen Merkmale 'der Handlung, deren Prinzip daher die verbundene Wirksamkeit des Begehrungsvermögens und des rationellen Vermögens ist. Das Sittlichkeitsprinzip des Maim. ganz das des Aristoteles. Wir haben hier ein Gerippe der Untersuchungen und der Resultate des Verf. gegeben. Jedenfalls dient die Arbeit dazu, den Einblick in die philosophische Anschauung MaimonideS' zu erleichtern, nnd wird bei gründlicher Fortführung Letztere in klares Licht stellen. Einzelne Bemerkungen unterdrücken wir, da sie nicht zum Ziele führen können. Der S. 11 und 108 angeführte Aufsatz ist licht von G. P h., sondern vom Schreiber dieses. ZRagdeburg, 5. Januar. Die religiöse Poesie der Juden in Spanien von Sachs (Forts, und Schluß aus Ro. 50. v. I.). An diesem ganzen Aufsätze ist radelnswerth: die geschwulstige, gezwungene, auf Stelzen gehende Sprache. Die Einfachheit und Klarheit sind Eigenschaften, die dem Style des Herrn Dr. Sachs ganz fremd sind, aber gerade in Zeichnungen von Literaturepochen uns sehr nothwendig scheinen, um den Mangel an Auffassung des Charakteristischen nicht hinter dem Wortschwall zu verbergen. Man liest und liest sonst, und hat zuletzt da am Wenigsten etwas, wo am Meisten Wortlärm gemacht worden. Inhaltlich giebt nun diese geschichtliche Entwickelung zuerst „Andeutungen über den Entwickelungsgang des Judenthums nach der Zerstreuung, Talmud, Midrasch." Ausfallen muß hier, vom Standpunkt Sachs', die Bemerkung S. 142: „Die Satzung und die Vorschrift regelte das Leben (nach der Zerstreuung) bis in's Einzelnste, nahm die Reste früherer Sitte und alten Herkommens, wie es sich aus dem, unbewußt, aber sich selbst gemäß seine Formen erzeugenden Volksgeiste natürlich und Lebendig entwickelt hatte, als religiöses Gebot auf." Bei der so oft geltend gemachten Uebereinstimmung Sachs' mit der alten Orthodoxie ist dies doch ein Zugeständniß, welches jene für ganz illusorisch erweist — wogegen alle Verkleidungen des Unterscheidenden zwischen dem göttlichen Gesetz und den „Satzungen" (der Menschen doch!) S. 146 nicht ausreichen. Giebt er doch hinwiederum selbst zu, daß es „kaum zu unterscheiden ist in dieser eigenthümlichen (willkürlichen) Handhabung des alten Schriftworres, ob mehr aus dem Gegebenen herausgeholt oder in dasselbe hi nein getragen worden." So dokumentirt sich trotz allem Schimpfen auf einen modernen Standpunkt dieser auch bei Sachs aller Orten. — S. 147. bestimmt Sachs den Prophe tismus im Gegensatz zum Gesetze. Aber bei genauer Ab. wägung seiner Worte zeigt es sich klar, daß er den Prophetismus als solchen theils in sich vernichtet, theils falsch darstellt. Er sagt: „Das Wort der Propheten hatte die ewigen Grundgedanken des sittlichen und religiösen Lebens, den unsterblichen freien Geist der Lehre, dem Ueberwiegen sinnlicher materieller Machte gegenüber, geltend gemacht" — hier ist der Widerspruch zwischen „ewige Grundgedanken" und freier Geist" zuerst klar, da ein „ewige Grundgedanke" „dem freien Geist" am Wenigsten anheimfallen kann, weil ein „ewiger Grundgedanke" nur ein nothwendiges Gebunden sein, begründet in den, durch Gott naturwüchsigen ethischen Elementen des Menschen, enthalten kann. Für den Prophe tismus bleibet aber gar kein Raum in seiner Definition, wenn derselbe einerseits die ewigen Grundgedanken behandeln soll, und andrerseits in freiem Geiste. Denn vermöchten wir noch den Prophetismus in der Offenbarung der „ewigen Grundgedanken" zu begreifen, so doch nicht mehr beim „freien Geiste" — denn der von der Gottesbegei- 3*