Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1846)
- Date
- 1846-01-12
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225443-3225447--07461-3238219- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
40 Übung seiner amtlichen Funktionen, sondern auch den Genuß der mit seinem Amte verbundenen Einkünfte und Emolumente und der herkömlichen von demselben abhängigen Prärogativen an Ehre und Rang zu. Zu Urkunde dessen haben wir diese Bestallung ausgefertigt und dieselbe mit unsrem Dienstsiegel und gewöhnlicher Unterschrift versehen. Sondershausen am 1. November 1843. Fürstlich schwarzburgische Regierung. L. 8.) F. W. Leopold. A. Hesse. Personal- und Lokalnachrichten. Stuttgart, im Dezember. Unter den bei uns neu ernannten Rcserendäre» 1. Klaffe befinden fich Pfeiffer ans Weikersheim und Wallersteincr aus Buchau, beite Juden. In Pflauinlcch wurde Marcus Ettlinger, ein Israelit, zum Bürgermeister der dortige Gemeinde erwählt. Literarische Nachrichten. Magdeliurg, 3. Januar. Das psychologische System des Maimonides. Eine Einleitungsschrift zu dessen More Nebuchim. Nach den Quellen bearbeitet von Di'. Simon B. Scheyer. Frankfurt a. M., 1845.— Mit Unrecht beklagen wir uns öfters, daß man außerhalb des Judenthums von den klasstschen Produkten unsrer Literatur, von unsrer Poesie und Philosophie, wenig Notiz und Kenntniß nehme. Wir dürfen uns nur beklagen, daß man sich demungeachtet zu urtheilen erlaubt, ja abzuurtheilen. Sind ja Jahrhunderte darüber hingcgangen, wo wir selbst keine Kenntniß jener Literatur erwarben, wo unsere Poesien nur als unnütze Gebete, unsre Philosophie als halbketzerisch angesehen wurden, während alle Geister der kleinlichsten Kasuistik, dem Pilpul zugewendet waren. Nichts geschah, um den Völkern den Zugang zu unseren Literaturschätzen zu erleichtern. Auch hierin hat die neueste Zeit Tüchtiges zu leisten begonnen. Wie es natürlich, beschäftigte man sich zunächst mit neuen Editionen, Uebersetzungen, Kommentirungen. Zu wirklicher Bearbeitung des Gegenstandes geht man jetzt über. Schreiber dieses kann sich freuen, auch hierin den ersten Fingerzeig gegeben zu haben, und so unbedeutend auch die kleinen Aufsätze über die Philosophie des Maimonides verglichen mit der des Aristoteles, kleine phitoniauische Studien rc. rc., in dem Israel. Predigt- und Schulmagazin, aus dem Jahre 1834 waren, so haben sie doch zunächst den Weg bezeichnet, den wir, um nicht bloß bei Uebersetzungen und schwankender Kommeutirung stehen zu bleiben, einzuschlagen haben. Tie vorliegende Schrift ist die erste selbstständige Arbeit der Art und der Leser wird sich deshalb etwas länger mit uns bei ihr verweilen. Es ist sehr nothwendig, daß diese Literatur unterstützt werde, um nicht zu verkümmern, und mag daher Mancher solch' eine Schrift ankaufen, auch wenn er sie nicht augenblicklich ganz und gar verstehen könnte. Der Verf. giebt zu, daß eine vollständige systematische Darstellung aller philosophischen Disziplinen aus Maimonides' Schriften nur eine vollständige Einleitung zum More geben würde; er greift aber mit Recht die Psychologie des Maim. heraus, weil diese die Grundlage eines jeden Philosophems ist. Ter Verf. verspricht eine folgende Schrift über die llnsierblichkeitslehre des Maimoniden, und daß auch seine Bearbeitung des More (von der bekanntlich der dritte Theil zuerst und bis jetzt allein, erschienen ist) bald folgen soll. — Der Verf. behandelt seinen Gegenstand in vier Abschnitten. Der erste handelt vom Begriff der Seele und den Seelenvermögen. Jener ist (ganz aristotelisch): die Seele ist die {ävitMyua), wahrend der Körper der das ist: die Seele ist die sich bethätigende Wesenheit des nur dem Vermögen nach Leben habenden Körpers. Die Seelenvermögen sind fünf: das Ernährungsvermögen (yrif), das Empfindungsvermögen (tüM^zrv), das Einbildungsvermögen wofür Arist. das Bewegungsvermögen hat), das Begehrungsvermögen (der Trieb, das rationelle Vermögen (die Verstandeskraft, ^bsusn). — Der zweite Abschnitt bespricht die verschiedenen Arten der menschlichen Erkenntnisse; 1) die theoretischen, und zwar a) die sinnlich-theoretischen, die wir durch das Empfindungsvermögen vermittelst der Sinnesorgane gewinnen Ir) die intellektuell-theoretischen durch die Verstandeskraft, deren wieder sind: a) Erkenntnisse, deren Wahrheit an sich einleuchtet (^:rrr; b:r£n); ß) die Erkenntnisse des Wesens (m‘-nib) der stnnenfälligen Dinge (wodurch die ursprünglich bloß Anlage seiende Vernunft s^^b^NN b^wnj positiv wird b2w^); y) Erkenntnisse durch Reflexion. 2) Die praktischen Erkenntnisse (■'tttt??:), die theils ethische (^wrm), theils künstlerische (TTDKbw) sind. —