Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1846)
- Date
- 1846-01-12
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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85 «inen weitern Widerstand leisten zu müssen, als sich zufällig drei bis vier Reformgesinnte unter ihnen befanden, worauf sich bei einem wiederholten Loosen nicht rechnen ließ, da dieRcformkommune kaum den dritten Thcil der alten Gemeinde ausmacht. Es ist daher für die Zukunft zu hoffen, daß die Gemcindeangelegenheiten von einem Borsteherkollegium geleitet werden dürften, welches Vergangenheit und Zukunft des Judenthums mit gleicher Berechtigung in's Auge fassen wird. Das aber scheint aus Gesagtem hervorzugehen, daß das erwartete neue Judengesetz nicht so nahe in der Zeit bevorsteht, als man bis jetzt geglaubt und cs glaubhaft zu machen suchte, da man sonst hohem Orts die Wahl der Aellesten zu beschleunigen sich wvl nicht veranlaßt gesehen hätte. — Wenn es sich nun auch mit den inneren Angelegenheiten der Juden auf besagte Weise verhält, so erwartet man doch auf der andern Seite, daß die bevorstehenden Lanbtagsabschiede manches leidende Berhaltniß der Juden zum Staatsorgauismus in ein möglichst thatiges umzuwandcln suchen werden. Namentlich hebt man das Lehrwesen hervor, welches sich den Juden mit dem Wechsel des Jahres aufthun dürfte. Die Hoffnung hierauf ist um so begründeter, als es gewiß ist, daß unsere erleuchtete Regierung sich eine genaue Kenntniß von den Resultaten der holländischen Judencmanzipation zu verschaffen und dieselben anzuerkennen wußte. Jedoch scheint sie cs für gut zu finden, daß das theoretische Gebiet dem praktischen vorausgehe, und es steht daher zu erwarten, daß der Lehrthätigkeit der Juden die administrative bald Nachfolgen wird. Posen, Id. Dezember. Die Boss. Ztg. bringt folgenden /Artikel: Wir freuen uns, wiederum ein Ereigniß des Fortschrittes aus unsrer Stadt und Provinz berichten zu können; es betrifft diesmal unsere Juden, welche wirklich, eben des Druckes wegen, der hier, in Betracht der leichtern Stellung der Israeliten in den anderen Provinzen, auf ihnen lastet, noch in Manchem gar sehr zurück sind, namentlich im Berhältniß zu ihren Glaubcnsbrüdern in Breslau, Berlin, vor 'Allem in Königsberg. Es haben nämlich, wie man hört, vor kurzer Zeit häufig Konferenzen staltgefunden, um Erleichterung der Judcnverhaltnisse unsrer Provinz zu bezwecken, und um denselben die Rechte zu geben, welche die Israeliten in den übrigen Provinzen seit 1"; 12 haben. Die Berathungcn wurden von unserm Oberpräsidenten Herrn v. Beurmann, dem brombergcr Chef-Präsidenten Herrn v. Schleinitz, dem Rcgierungsrath Noah und dem Landrath Herrn v. Grevenitz gepflogen, und mau hofft, daß sie günstige Resultate erzielt haben, welche Hoffnung uns um so gerechtfertigter scheint, als, unseres Wisseris, die ganze Berathung von oben herab bestimmt worben war. Juden und Christen würden durch Aufhebung so mancher veralteren und unsrer Zeit des Fortschrittes tan der gerade so viele geistreiche Juden kräftig mitgearbeitet) nicht mehr angemessene Beschränkungen gewinnen, Erstere werden ihren ganzen Menschenwerth in dem Maaße schätze!, lernen, als er von der Regierung anerkannt wird, Letztere würden dadurch, daß den Juden der Christen Interessen nicht mehr entgegcnstehm, im Handel und Wandel wesentlich gewinnen und der Wucher, gegen den in neuerer Zeit so viel Phrasen laut geworden sind, würde von den in alle Menschenrechte tretenden Juden im frohen Bewußtsein ihrer vollen Menschenwürde denen ganz überlaffen werden, die hier schon jetzt mit den Juden in die Wette diese sauberen Geschäfte treiben, indem diese umgekehrt, durch langen Mißgebrauch, das Gefühl der Menschenwürde verloren, und so, indem sie das Mittel zur Bereicherung ergriffen, nicht die Entschuldigung der Juden für sich haben, daß sie durch das erpreßte Geld sich den Weg in die Gesellschaft, der ihnen verschlossen, erzwingen wollen. Wir wollen dieses unerquickliche, von der Schande der Menschheit zeugende, Thema für jetzt nicht weiter berühren. — Am 10. Dezember war in Schwerfen; eine Versammlung der Lehrer deS ganzen Kreises, um auch für dieselben eine sogenannte Lchrer- Sterbekajse zu bilden. Diesem, von dem wackern Superintendenten Gruber gemachten Vorschläge ward noch der der Einrichtung eines Lehrer-Lese-Zirkels hinzugefügt. Die Bersammlung bestand aus 30 evangelischen und (i israelitischen Lehrern, wo namentlich Letztere nicht genug die Leutseligkeit ihrer Vorgesetzten gegen sich rühmen konnten, die ärmsten sind schon außer sich vor Freuden, daß sie im Tode mit den Christen gleichgestellt sind — sollten dergleichen rührende Zeugnisse nicht lauter als selbst die Stimmen der Landtage für Emanzipation der Juden sprechen!