Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1846)
- Date
- 1846-01-05
- Page
- Seite 25 (sequence 9)
- Language
- German
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25 mehr als -/r der Gemeindeglieder zur bestimmten Stunde erschienen, eröffnete Herr Bezirksrabbiner mit passender Rede die Verhandlung, und nachdem derselbe mit wenigen aber kräftigen Worten das eigentliche Streben der Rabbinerversammlungen und des allgemeinen Landesvereins klar und deutlich auseinandergesetzt, ging er auf den Zweck der heutigen Versammlung über, und besprach die zwei verderblichen Anträge der eingeschlichencn Petition. Hierauf forderten die SynagogenrathS-Mitglieder die Unterzeichner auf, zu erklären, ob sie wirklich mit ihrer Unterschrift die betreffenden zwei Ehrenmänner, die schon oft für das bedrohte Judenthum in die Schranken getreten sind, und die jeder besser denkende Jude mit Stolz nennt, verunglimpfen wollten, und ob es ihr Ernst sei, über diejenigen Rabbiner, welche den Versammlungen in Braunschweig und Frankfurt a. M. angewohnt haben, auf die die meisten Juden Deutschlands mit Vertrauen ihre Blicke gerichtet, die Erkomunikation auszusprechen? Und siche! die Enttäuschung erfolgte plötzlich, und Alle riefen wie eine Stimme: „das haben wir nicht gewollt, das hat man uns nicht gesagt! Unsere Unterschriften heraus! Vernichtet müssen sie werden!" Diese wurden wirklich vorgelegt, und im Angesichte der Versammlung vernichtet. Mögen auch andere Gemeinden, in denen schon auf eine solche Weise Unterschriften für die so vielfach erwähnte Petition erworben worden sind, dem Beispiele Jhringens nachahmen, um einmal diese karlsruher Herren zu überführen, daß sie falsch auf den Verstand der Oberländer spekulirt haben." Hannover, den 17. Dezember. Außer den jüdischen Advokaten, Aerzten, einschließlich der Wundärzte, Zahnärzte, Thierärzte, Rabbinern, Lehrern und sonstigen Juden, die eine Wissenschaft oder Kunst ausüben, sollen von jetzt an auch jüdische Handwerker, mit Ausnahme der Schlächter, mit der Domanial-Abgabe nicht belegt werden, vorausgesetzt, daß sie nicht etwa, außer dem Verkaufe eigener Gewerbserzeugniffe, zugleich Handel treiben. München, 24. Dezember. (Nach bair. Bl.) In der letzten Sitzung der Kammer vor den Ferien kam eine Protestation des Hosbankiers von Hirsch gegen seine Ausschließung von den diesmaligen Landtagswahlen vor. Sie wurde vertagt. Die Art und Weise aber, wie die Sache verhandelt worden, ist ein trauriges Omen für unsre Angelegenheit. Dekan Bauer aus Oberfranken drückte seine Entrüstung darüber aus, daß man nicht aufhören wolle, die Juden um ihres Glaubens willen als Heloten zu betrachten. Wie kalt erwiederte der zweite Präsident, er wolle gewissen Gesinnungen der Humanität nicht entgegen sein! Das war Alles. Am Ende seiner Rede ließ der Minister des Innern schwach durchschimmern, daß die neue Gesetzgebung in den Verhältnissen der Juden möglicherweise (?!) Aenderungen (??) herbciführen könne (!!). Mainz, 20. Dezember. (Privatmitth.) Es ist unverkennbar, daß die letzte Rabbinerversammlung in Frankfurt am Main mächtig auf die Israeliten in Süddeutschland eingewirkt, und eine große Anzahl von Jndifferentisten zu ihrem Glauben zurückgeführt hat. Auch in Mainz hat sich, dadurch veranlaßt, ein Verein aus der gebildeten Klasse, dem auch der Gemeindevorstand angehört, gebildet, um auf die Fortschritte ihrer Glaubensgenossen einzuwirken. Am 7. Dezember vereinigten sich die Mitglieder zu einem Festessen, wobei einige sehr schön gesprochene Toaste ausgebracht wurden. Ein Mitglied machte aufmerksam, wie nützlich es Mainz sein würde, wenn bei der nächsten Stadtgemeinderatswahl Juden und Christen sich über einen jüdischen Kandidaten vereinen würden, da Mainz bis 1820 im Stadtrath einige Israeliten zählte, seitdem aber hinter Bingen, Alzei, Guntersblum und anderen Orten des Großherzvgthums in dieser Hinsicht zurückstand. Eine gute Aufnahme fand besonders ein Toast auf die Mitglieder der zwei Rabbinerversammlungen. Mainz, 23. Dezember. Innerhalb weniger Tage ist diese Woche von wohlhabenden Israeliten die Summe von 60,000 Fl. zum Bedarf des Baues der neuen Synagoge gezeichnet worden. Karlsruhe, 15. Dezember. (Nach bad. Bl.) Der Pfarrer Zi ttel hat in der neunten Sitzung der zweiten Kammer folgende Motion gestellt: „Se. königliche Hoheit den Großherzog in einer unterthänigsten Adresse zu bitten, daß er auf dem Wege der Gesetzgebung die Bestimmungen der Verfassung und 2*