Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1846)
- Date
- 1846-01-05
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
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22 sich daher krampfhaft an den aufgesuchten und selbst vorhandenen Blößen ihrer Gegner anklammern, die eigenen verdeckend; andrerseits das ruhige und würdevolle Benehmen der Fortschreitenden, diesen gegenüber, daß sie ihrer Sache gewiß sind und fest vertrauen, daß diese durch die Hülfe Gottes und sich selbst — trotz aller Jntriguen — den Sieg gewiß erringen werde. Diese Organe haben durch ihr würdevolles Benehmen — und hierin zeichnet sich besonders die Mg. Z. d. Jud. aus — sich noch mehr Anerkennung und Achtung erworben, und freut es uns, so wie jeden Bessern in Israel, daß diese fortwandeln, ohne sich hiervon abschreckcn zu lassen, was gewiß zum Heil und Segen führen muß. 2) ist allein schon die Erscheinung, daß die sich „orthodox" Nennenden sich genöthigt finden zu schreiben, um so in die Oeffentlichkeit zu treten, ein großer Fortschritt, und wird er denselben überhaupt mehr befördern als alles Schreiben der Fortschreitenden selbst. Wenn auf irgend etwas, so ist hierauf anwendbar der alte Spruch: ma'oroa rrnnis „die Buchstaben machen klug." Das haben wir schon längst gewünscht, daß diese aus ihren verborgenen Schlupfwinkeln in die Oeffentlichkeit hinaustreten und an dem offnen Kampfe sich betheiligen. Das gesunde Publikum wird schon prüfen und entscheiden, auf wessen Seite das Recht ist, und hierbei wird gewiß die Sache des Fortschrittes nicht schlecht wegkommen. — Wenn die Rabbinerversammlung weiter nichts als dieses bewirkt hatte, wahrlich — ich behaupte es kühn — sie hätte schon hiermit allein viel gethan! — Und endlich 3) hat das Verbreiten dieser reaktionären und stabilen Schriften unter die Menge — wofür die Stimmführer, wie sie sagen wa vwb sich alle mögliche Mühe geben und alle Mittel anwenden — das Gute, daß diese Masse, die bis dahin gar nichts gelesen und von den jetzigen religiösen Bewegungen gar nichts wußte, auf einmal mit diesen bekannt gemacht wird. Diese Organe müssen doch die neuen Bestrebungen besprechen, und mögen sie diese auch mit noch so viel Koth und Schlamm besudeln und auf die gehässigste und lügenhafteste Weise darstellen, so daß die Masse im ersten Moment vor diesen zurückschaudert und auch mitflucht und schimpft, — schadet alles nichts! genug, sie ersehen, daß etwas vorgeht, sie spricht und unterhält sich hiervon und es findet sich jetzt auch in den unbedeutendsten Landgemeinden immer Einer, der das bessere Streben von dem wahren und religiösen Standpunkte aufzufaffen, und der Masse ihren Wahn und Jrrthum zu benehmen vermag. — Dem fortschreitenden Rabbiner wird es hierdurch auch leichter, nach seinem Sinne zu wirken, möge er momentan auch mit manchen Widerwärtigkeiten zu kämpfen haben, und manches erbärmliche Geschwätz anhören müssen. Genug, es ist Leben und Licht vorhanden, wenn dieses Leben auch noch nicht Alle belebt und dieses Licht noch nicht überall leuchtet; daS Leben kann nicht mehr ausgeblasen und das Licht nicht ausgelöscht werden! — Ad 2. Wenn dieses auch in einigen Gemeinden der Fall sein sollte, so ist es doch nur in solchen, wo der Fortschritt noch keinen festen und sichern Grund und Boden gefaßt hatte, und wo es an kräftigen und energischen Männern fehlt, um den Jntriguen und der Ehrsucht mit einiger Aufopferung entgegenzutreten, und in diesen Gemeinden ist diese Erscheinung auch ganz natürlich, so wie manches Andere in neuester Zeit. Da müssen die falschen Propheten, die immer das Wort Gottes im Munde führen, aber es nicht im Herzen haben, deren einzige Triebfedern nur Eigennutz, Eitelkeit, Ruhm- und Habsucht sind, die daher in all' ihrem Handeln und Treiben nur intriguircn und zu den schlechtesten Mitteln zur Erreichung ihrer Zwecke ihre Zuflucht nehmen, momentan, aber auch nur momentan siegen über die aufrichtigen und ehrlichen Jünger der Wahrheit im Verkünden der wahren und ewigen Lehren Gottes; da diese die Wahrheit nur durch Wahrheit, die Religion nur durch Religion auf den Thron setzen wollen und niemals, jenen gleich, mit Jntriguen und verderblichen Mitteln sich befassen können. Betrug währt nicht lange; die Betrügereien und das schlechte Treiben werden bald in ihrer wahren Gestalt durchschaut und die heilig-sein-wollenden Männer in ihrer ganzen Schändlichkeit entlarvt, wie wir dies in neuester Zeit in sehr vielen Gemeinden wahrgenommen haben. Denn nur die Wahrheit besteht ewiglich, die Lüge aber geht unter! Dieses bewährt sich ja auch bei der Rabbinerversammlung, die ungeachtet aller Verdächtigungen und Schmähungen doch so große Anerkennung gesunden und immer noch mehr finden wird, trotz der vielen Adressen an Frankel, wegen seiner großen Heldenthat, aus der Rabbinerversammlung geschlichen zu sein. Die innigen.