Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1846)
- Date
- 1846-01-05
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
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21 Auch die deutsche Gemeinde in Neu-Orleans blüht glücklich auf, und hat schon einen Platz erstanden, auf dem sie eine Synagoge erbauen will. — Die jüdische Gemeinde in Creveland, im Staate Ohio, hat am 6. Oktober l. Z. den Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt. Die Gemeinde in Baltimore, die größtentheils aus Deutschen und vorzüglich Baiern besteht, hat am 26. Oktober eine neue herrliche Synagoge eingeweiht. Preußen. Trier, 26. Dezember. (Privatmitth. Scheinbare Rückschritte in der Anerkennung und Durchführung der reformatorischen Bestrebungen.) Bon Manchem vernimmt man jetzt die Aeußerung: es sei seit Kurzem eine Reaktion in der Anerkennung und Durchführung der reformatorischen Bestrebungen auf dem Gebiete des Judenthums eingetreten, und diese, wie sie meinen, in Folge der Rabbinerversammlungen, weil nach diesen diese Reaktion erst zum Vorschein gekommen, weshalb sie behaupten, jene hätten lieber, gerade im Interesse des Fortschrittes, ganz unterbleiben sollen. Diese Folgerung, aus welcher konsequent auch die gezogen werden muß: die künftigen Rabb. Vers., in dem Geiste und nach den Statuten, wie sie bisher stattfanden, würden entweder auf immer, oder wenigstens vorläufig bis sich die gegen sie erhobenen Stürme und Wogen gelegt haben, besser unterbleiben — ist deshalb allein schon von hinreichendem Interesse, um die erste Aeußerung, als die Grundlage der beiden anderen, einer Prüfung zu unterwerfen und einer Besprechung zu würdigen. Es muß daher dieser vor Allem auf den Zahn gefühlt und deren Symptome erforscht werden. Ich sage absichtlich Symptome, da doch höchstens nur solche, aber noch keine zuverlässige und bestimmte Merkmale vorhanden sein können. Hierzu ist dieses Faktum noch zu neu, dieses Institut noch zu jung, als daß es schon bestimmte Folgen hätte nach sich ziehen können. Diese Symptome bestehen nach unserm Erachten in folgenden zwei Erscheinungen: 1) daß einige jüdische Blätter in neuester Zeit den Rückschritt oder den völligen Stillstand stets predigen und vertheidigen, in Anfeindungen und Schmähungen gegen jeden religiösen Fortschritt und gegen die, welche diesen repräsentiren, besonders gegen die Rabbinerversammlungen und deren Theilnehmer sich ergießen und überbieten, während die übrigen Organe diese Blätter und deren Treiben völlig ignoriren und mit Stillschweigen übergehen, und 2) daß manche Gemeinden, in welchen der Fortschritt schon einige Wurzel gefaßt, etwas zähe und lau geworden, und nicht das Geringste nachgeben wollen. Ad 1. Dieses ist wol der erste und Hauptgrund, der so.Manchen zu der Ansicht und Aeußerung bestimmt, es sei eine Reaktion eingetreten. Denn Viele haben in dieser Beziehung kein selbstständiges Urtheil, sie ziehen dieses nur aus ihrer Lektüre, die ihnen ohne weitere Prüfung allein maaßgebend ist. Und wie Viele ergötzen sich an Schmähung und Herabsetzung Anderer, und diejenigen Schufte, die dieses am Meisten, Unverschämtesten und ungehindert thun, gelten ihnen als Tonangeber. So sehen wir denn auch vorzüglich zwei jüdische Organe, von denen das eine schon längst bestehende, seit seinem Erscheinen sich in Schmähungen und polnischem Schimpfen meisterhaft auszeichnet, und in seiner gemeinen Charakterlosigkeit besonders in jüngster Zeit eine frömmelnde Miene angenommen, Gift und Galle über alle besseren Bestrebungen ausschüttet, und so den Nihilismus im Judenthume vollständig repräsentirt; das andere in seiner Nachtwächternatur Israel durchaus in den Schlummer—nicht lullen, sondern keifen will; beide aber in den feilsten Verdächtigungen, in den lügenhaftesten Anschwärzungen sich überbieten und dadurch das Urtheil Mancher bestechen und gefangen nehmen, so daß sie glauben, es werde allenthalben zum Rückschritt geblasen, und dieses um so mehr, als die übrigen charaktervollen und nur der Wahrheit ergebenen Organe hierzu schweigen und dieses schmähliche Treiben keiner Berücksichtigung, geschweige einer Widerlegung würdigen. Betrachten wir diese Erscheinung etwas genauer, so müssen wir zwar den einen Theil innigst bedauern, dennoch aber diesen selbst, und noch viel mehr den andern Theil jetzt schon als den Sieg des Fortschrittes in der guten Sache begrüßen. Denn 1) beweist einentheils das Schmähen, Verdächtigen und Schimpfen von Seiten der Reaktionären, Stabilen und deren Helfershelfer, daß ihre Sache in den letzten Zügen liegt, indem sie keine tüchtigen und festen Waffen mehr besitzen, um sich zu vertheidigen, und