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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-01-05 · Heft 2 (5.1.1846) · p. Seite 20

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 2 (5.1.1846)
Date
1846-01-05
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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20 Juden in Europa und ihren Brüdern in Amerika an, worauf ihm die Versammlung und Musik mit dem amerikanischen Nationalmarsche antwortete. Mehrere christliche Rednersprachen sich in begeisterten Worten über die bürgerliche Gleichheit und den religiösen Sinn der Juden in diesem Lande aus, und in feuriger Rede sprach der jüdische Advokat Gosched über die jüdische Religion, die Erhabenheit ihrer dogmatischen und sittlichen Lehren und den Stolz des Juden auf seinen Namen „Jude." Ein Jeder suchte, begeistert und ergriffen von der Feier und dem herrlichen Geiste dieses Festes, sich desselben auch würdig zu zeigen, und über 2400 Dollars (6000 fl.) wurden den Armen gespendet. — Mit freudigem Jubel wurden dann folgende Toaste des Präsidenten und Vizepräsidenten ausgenommen: „Die Freiheit! Möge ihr Marsch immer vorwärts sein, damit sie die ganze Welt durchgehe und überall glückliche Völker mache!" „Der Präsident der Vereinigten Staaten! rc. :c." „Wohlfahrt und Gedeihen allen Wohlthätigkeitsanstalten! Mögen sie stets im Stande sein, allen Bedürftigen zu helfen!" „Unser Vaterland! Möge es unseren unterdrückten Brüdern die Freiheit bringen, deren wir uns in demselben immer würdiger machen wollen. Mögen die Gesetze der Verfolgung zusammenstürzen und der Tempel der Freiheit auf ihnen entstehen!" „Allen erleuchteten Amerikanern, die wie ihre alten Väter, die Puritaner, jeden Unterdrückten willkommen heißen! Allen denen, die die großen Worte des unsterblichen Jefferson: Alle Menschen sind frei und gleich geboren! in dem Sinne des großen Staatsmannes erklären!" Es war ein schönes und herrliches Fest! Hier hätten die europäischen Judenfeinde sich überzeugen können, daß der Jude Sinn für das Allgemeine, Sinn für das öffentliche Leben hat; hier hätten sie sich überzeugen können, daß, wo den Juden die Möglichkeit gegönnt, sich zum Menschen und Bürger zu entwickeln, er Keinem nachsteht, und freudig Jedem den Brudergruß des letzten Propheten zuruft: „haben wir nicht Alle einen Vater rc.!" Hier hätten sie sich überzeugen können, wie warm das Herz jedem Juden für dies Land der Vereinigten Staaten schlägt, für dies Land, dessen Männer, die ersten in der ganzen zivilisirten Welt, wahrhaft edelherzig und hochdenkend genug waren, um in dem Menschen nur einen Bruder, in dem ganzen Menschengeschlechte nur eine Familie zu sehen. Hier weiß man nichts von dem Puppenspiele der Nationalität, das die Menschenherzen auseinanderreißt, und sie in die engen Schranken des Eigennutzes bannt; vereinigter Staatenbund ist der Name dieses Landes und sein Motto: Einigung aller Kräfte zu einem großen Ziele, und Achtung des Einzelnen in dem großen Bruderbünde! Hier weiß man nichts von der Idee eines christlichen Staates, um Parias zu schaffen und sie als Parias dann zu brandmarken; hier kennt man nur Menschen, die in Freiheit und Gleichheit sich schätzen, halten und vorwärts schaffen. O, hierher möchte ich sie rufen, meine unterdrückten Brüder im alten Europa; hier ist Keiner mehr verloren, denn freudig wird Jedem unter die Arme gegriffen und fortgeholfen; hier ist Jeder geborgen, der arbeiten und fleißig mit seinen Händen schaffen will; die vielen Juden, die seit einem Jahrzehend eingewandert, halten es in dankbarer Erinnerung an das, was sie einst gewesen, für Pflicht, einem Jeden zu redlichem Erwerbe zu helfen. Hier kann ein Jeder seiner Religion frei und ungestört sich freuen; das verbürgt ihm das Gesetz des Landes, das verbürgt ihm der religiöse Sinn seiner Brüder, der immer mehr erwacht, je größer die Zahl der Eingewanderten wird, je mehr die ersten Brodsorgen schwinden und der Sinn für die höheren Bedürfnisse des Lebens erwachen kann. Ja, mögen sich unsere Brüder durch das alte Wort: viele Opfer hat die Auswanderung gefällt, nicht schrecken lassen; diese Zeit ist vorüber und eine schönere Zukunft lächelt. Jüdische Bruderherzen schlagen einem Jeden entgegen, jüdische Vereine helfen einem Jeden auf; warum freiwillig das Joch gesetzlicher Ausschließung tragen? Sie sahen aus der Rede des Präsidenten, welche höhere Zwecke die hiesigen Vereine anstreben. Bringen Sie diesen Freundesgruß allen unglücklichen Brüdern in der alten Heimat! Dr. Lilienthal. N. S. In Neu-Orleans wurde am 21. August l. I. eine portugiesische jüdische Gemeinde errichtet. Sie nennt sich milT’ mnsi, hat schon einen Begräbnißplatz erkauft, und nimmt Jeden, der sich meldet, unter ihre Mitglieder auf, ausgenommen jene, die gegen die jüdischen Gesetze sich verheirathen. t-

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