Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-01-01 · Heft 1 (1.1.1846) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 1 (1.1.1846)
Date
1846-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225443-3225445--07432-3238188
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

13 Personal- und Lokalnachrichten. Oberschlesien, im Dezember. (Privatmitth.) Sie haben bereits mitgetheilt, daß Herr Skutsch in Pleß zum Stadtältesien ernannt wurde, so dürste es wol auch entsprechend sein, öffentlich hervorzuheben, daß der Kaufmann Herr M. Ring in Cosel in Folge seiner zwölfjährigen Verdienste um die Stadt als Rathsherr von den Stadtverordneten und dem Magistrate bei seinem freiwilligen Ausscheiden von dieser Ehrenstelle einstimmig zum Stadtältesten ernannt und höhern Orts hierzu bestätigt worden. Da diese Auszeichnung in unserm Oberschlefien als eine seltene Erscheinung begrüßt wird, mag dies als Zeichen der humanen Gesinnung unserer Zeit die gebührende Anerkennung finden. II. Münsterb erg, im Dezember. (Privatmitth.) Am 30. Oktober d. Z. wurde hier eine neue, schöne Synagoge feierlichst eingeweiht. Die Gemeinde besitzt in dem Herrn Rabbiner L. Loewy einen tüchtigen Mann, der durch die Einführung regelmäßiger Predigt, der Konfirmation, Religionsschule, des Chorgesangs und mehrere nützliche Institutionen die Gemeinde in eine recht blühende religiöse Verfassung gebracht. Derlin, 16. Dezember. Nach den amtlichen Be. richten lebten Ende des Jahres 1843 in Preußen 206,529 Israeliten, nämlich 127,893 mit und 78,636 ohne Staatsbürgerrecht. Ende 1834 zählte man (s. No. 85. 1837 d. Ztg.) 176,014 Juden, so daß diese in der preußischen Monarchie in 9 Jahren um 30,515Seel e n z u g e n o m m e n haben, durchschnittlich auf das Jahr ein Zuwachs von 3400 Seelen. Literarische Nachrichten. Dragdeburft, 23. Dezember. (Privatmitth.) Lieder vom armen Mann. Mit einem Vorwort an das Haus Rothschild von Karl Beck. Leipzig, 1846. Wir gestehen offen, daß wir von dieser Art Poesie kein Freund sind. Daß die immensen Gebrechen der menschlichen Gesellschaft aufgedeckt, daß sie mit Energie und Feuereifer besprochen, nachgewieseu und ihre Besserung verhandelt werden, wer sieht die Nothwendigkeit dessen nicht ein? Daß aber die Poesie sich zur Magd des Sozialismus mache, daß sie sich dazu verstehe, die Wundmale der Gesellschaft in fürchterlicher Nacktheit zu malen, daß sie das Skalpiermeffer des Aussatzes am Menschengeschlechts werde: ist dem Wesen der Poesie widersprechend. Jndeß in dieser Beziehung liegt obige Gedichtsammlung unsrer Betrachtung nicht unter. Der Verfasser hat ein poetisches Vorwort an das Haus Rothschild gerichtet, worin er diesem die Verkennung seiner Bestimmung, seiner Stellung vorwirft. Wer die Laufbahn unsrer Zeitung genauer kennt, weiß, welche heftige Polemik wir gegen dieses Haus geführt. Da wir aber die Nutzlosigkeit derselben eingesehen, haben wir sie auf sich beruhen lassen. Was wir aber Herrn Beck vorwerfen müssen, ist, daß er seinen Angriff formlos mottvirt, so daß man seine eigentliche Ansicht gar nicht heraus erkennt, sondern ein zusammenhangsloses Hin- und Herfahren. Eigenthümlich ist es, daß er dem Hause Rothschild vorwirft, es habe die Juden verdorben und auf den Papierhandel geworfen. Hinsichtlich der Banquiers mag er Recht haben, deren es aber, man mag nur nach Paris, Amsterstam und London blicken, noch mehr christliche giebt. Die jüdischen Banquiers repräsentiren aber die Juden eben so wenig, wie andrerseits die jüdischen Trödler. Letztere läßt Beck ebenfalls unter seinen armseligen Gestalten auftreten. ES ist ein warmes, tiefgefühltes Gemälde, das wir hier wiedergeben wollen. Der Trödeljude. Rasch aus dem Bett! Den alten Kummer Entbietet Dir das junge Licht. Inbrünstig drehst Du gegen Morgen Dein abgewelktes Angesicht. Kaum gönnst Du Dir des Brotes Rinde, Und schlichtest kaum Dein kraus Gelock; Dann greifst Du nach dem bunten Trödel, Es bringt Dein Weib Dir Hut und Stock. Es feilscht Dein Freund an dieser Thüre, Du wandelst in das nächste Haus, Blickst schlau hinauf nach allen Fenstern, Verächtlich sieht die Magd heraus. Die Treppen auf, die Treppen nieder, Der Köter bellt auf Schritt und Tritt; Roh lacht das Volk. Du stehst und lächelst, O, Mann, vielleicht noch selber mit.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.