Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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11 Von den in vielen Orten der österreichischen Monarchie mit Synagoge und Kultus vorgenommenen löblichen Reformen auf das Lebhafteste angeregt, veranstaltete auch die 92 Familien zählende Gemeinde zu Austerlitz, brünner Kreises in Mähren, unter der Leitung ihres nunmaligen Vorstehers, Herrn M. Reich, eine prachtvolle, mit bedeutenden Kosten verknüpfte, nachahmungswürdige *) Umstaltung des innern Umbaues ihres Bethauses. Das größte Verdienst dabei gehört jedoch unstreitig dem dortigen äußerst human gesinnten und edelmüthigen Herrschafts- Inspektor Herrn v. Werner, der nicht nur eine beträchtliche Menge Ziegel und Bauholz von den herrschaftlichen Depots zu diesem Behuse vorstreckte, sondern auch mit thatkräftiger Energie die Parleianregung in der Gemeinde beschwichtigte und die Schwierigkeiten, die alles Ncugeschaffene zu bekämpfen hat, überwand; für welche hochherzige, uneigennützige Bestrebungen ihm die Gemeinde nicht genug Dank zollen kann. Die Synagoge ist nun am verflossenen rn nach dieser Renovation zum ersten Male der Gemeinde wieder eröffnet worden. Die eigentliche Feier der Einweihung ging erst den erst Tag 111212 vor sich. Ich will mich einer weitläufigen Schilderung dieser wahrhaft solennen Festivität entheben, da cs der Raum Ihres geschätzten Organs nicht gestattet, sondern will nur erwähnen, daß sich an diesem Tage der oben gedachte Herr Inspektor v. Werner, in Begleitung der sonstigen herrschaftlichen P. T. Beamten, so wie die gesammte hierortige, hochwürdige Pfarrgeistlichkeit, die hochgeschätzten Herren Offiziere des in Austerlitz stationirten k. k. Regiments und auch mehrere angesehene Bürger dieser Stadt in die Synagoge begaben und dem feierlichen Gottesdienst anwohnten. Der Gottesdienst wird hier zwar noch ohne Choral, nach dem streng orthodoxen Ritus mit dem profanen, trillernden Gesang, aber in der strengsten Ordnung, feierlicher Stille und Ruhe und dem gebührenden Anstande abgehalten. Der Uebelstand und Unfug des Diskurirens, des Visitenabstattens, des Offerirens einer Prise Tabak, des Hin- und Herlaufens in der Synagoge sind schon beseitigt worden. *) Dem Vernehmen nach wird auch die eine Stunde von Austerlitz entfernte Gemeinde in Rausnitz zu einer solchen Syiiagogenltinstaltung baldigst schreiten. D. R e f. Möchte nur diese ehrbare Gemeinde die Kultusverbesserungen bald in's Leben treten lassen und alle bisher bestandenen Auswüchse und Mißbräuche, worunter ich das sogenannte „Zn die Schule klopfen oder rufen," das Mizwotversteigern, die Bewegungen mit dem obersten Thcile des Körpers, den Haman tüchtig durchzuklopfen, daß man die Megilah nicht versteht, zähle, abfeilen und abschaffcn; ferner es auch dahin bringen, daß die Trauungen nicht auf freier Straße vollzogen werden. Wie kann man nur den gewiß heiligsten und weihevollsten Akt des Lebens, der zwei Personen für Freud und Leid, Wohl und Weh auf immer verbindet, auf eine so entwürdigende Art vollziehen! Ich glaube, es wird jedes Brautpaar auf das rüa'n ^22122 222, ren'w sehr gern Verzicht leisten. Es läßt sich aber auch von dieser ehrwürdigen Gemeinde alles Gute hoffen, daß sie sich gewiß nicht den Vorwurf machen lassen werde, sie habe cs bloß bei der Verschönerung der d'inrri bewenden lassen, sondern daß sie sich bestreben werde, die Verbesserung des heiligen Gottesdienstes baldigst zu befördern; dann, ja dann erst wird ihre Synagoge nach dem görtlichcn Ausdrucke unseres heiligen Propheten „ein wahrhafter Tempel der Andacht" genannt werden können. B. Theumann. Türkei. Konstantinopcl, 12. Nov. Die hohe Pforte hat neuerdings in mehren Fallen erwiesen, daß sie recht aufrichtig freisinnigeren Ideen anhängt, daß sie aber wenigstens, was sie den Christen an Rechten einraumt, den Juden nicht vorenthalten will. Nämlich: im Staatsrathe wurde diese Woche eine Rencgatensrage verhandelt; es nahmen an dieser Sitzung alle hohen Ulemas Theil. Ein Jude von Tripolis in der Bcrberei, welcher vor Zeiten Muselmann geworden war, hatte öffentlich das Judenthum wieder angenommen. Der Gouverneur von Tripolis fragte bei der Pforte an, ob er das auf Renegaten Bezug habende Gesetz der Enthauptung in Anwendung bringen solle, worauf ihm die Pforte befahl, den Menschen zur Aburtelung nach Konstantinopel zu schicken. In jener Sitzung nun wurde beschlossen, den Juden, trotzdem daß sich die Pforte in ihrem Frankreich und England gegebenen schriftlichen Ver-