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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-01-01 · Heft 1 (1.1.1846) · p. Seite 10

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 1 (1.1.1846)
Date
1846-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Gegenwart, uneingedenk des tempora mutsntur et v08 mutumnr cum illis. Es ist sonderbar, wie die Extreme sich hier berühren. Während Herr Dr. Stern die Frage aufstellt: „ob das Judenthum eine Vergangenheit haben soll" und nicht vielmehr seine alte Eigenthümlichkeit ganz abstreifend als neue Gestaltung aus der Verpuppung ererbter Formen und Satzungen hervorgehen soll, will Dr. Sachs dem mächtigen Strome der Entwicklung einen Damm entgegenwersen und die lebenskräftige Zukunft des Judenthums an den Schncckengang einer unglücklichen Vergangenheit fortgesponncn wissen. Ob aber Herr Dr. Sachs, durchdrungen und erfüllt von der Sanktion alter, überlieferter Formen, als treuer Kämpfer für diese seine Ueberzeugung auf der Arena des Glaubenskampfes auftritt, oder nur einer gewissen Partei liebäugelt, von der seine zeitlichen Interessen abhängen, mag folgendes Faktum beweisen. — Als Herr Dr. Sachs seine Vorlesungen angekündigt hatte, äußerte sich eine allgemeine Freude bei den jüdischen jungen Theologen, daß Herr Dr. Sachs, der sich durch mehrere Monographien von literar-historischem Stoff, so wie durch sein jüngst erschienenes Werk: „die Geschichte der jüdischen Poesie" rühmlichst ausgezeichnet hat, sich entschlossen hat, in zusammenhängenden Vorträgen das ganze Gebiet der jüdischen Literatur zu behandeln und ihnen hiermit die Quellen einer Wissenschaft geöffnet werden, in der sie bis jetzt, aus Mangel einer jüdisch-theologischen Fukultät, nur Autodidakten sind. Ihre Freude wurde aber bald zu Wasser. Die meisten jüdischen studiosi theologiae sind nicht bemittelt genug, um das Honorar dieser Vorlesungen erlegen zu können, und Herr Dr. Sachs hat sie fast alle mit dem Tröste entlassen, „sobald sie das Honorar entrichten, soll ihnen der Zutritt zu seinen Vorlesungen frei stehen!" Also für Geld und immer nur für Geld ist die Waare feil? Heißt das so jener vortrefflichen talmudischen Lehre: yu Dana rrr na (ab nr-naa ,""b a^n:) a:na ans Nachkommen? So haben die alten orthodoxen Rabbinen, denen Herr Dr. Sachs nachzueifern affektirt, nicht gehandelt; ■maan Vni nrp na« „kaufe Wahrheit, aber verkaufe sie nicht" ist noch heute als Epigraph auf dem alten naha zu Presburg zu lesen. Die Hörsäle, allwo das Wort der Weisheit den Lippen des Lehrers entströmte, waren allen Jüngern der Wissenschaft stets offen und frei und durchdrungen und erfüllt von einem göttlichen Streben, haben sie die Lehre, mit Aufopferung eigener Interessen, verbreitet, wo sie konnten, wohl einschend, daß nur in der Förderung der Wissenschaft das Judenthum in sich erstarken und allen Anfeindungen von außen und innen trotzen könne. aavasb as rrn a-’oan ‘raaia* *pn an aa” nanpa ana nipaa ^a :a^riara rrna wa aan ssa iaia ’r> mpn “,a a^a* naia nraa nipwnb ": naia war m-ib lehrt einer der Koryphäen der Literatur, die Herr Dr. Sachs den hiesigen Geldaristvkraten zum Besten giebt und so, um sich konsequent zu bleiben, wieder ein Pröbchen ablegt, daß man die Lehre nicht mit den Anforderungen des Lebens ausgleichen soll! Wenn die Jünger der Wissenschaft, welche die einstigen Volkslehrer werden sollen, die heutigen Vertreter des Orthodoxismus von dieser Seite kennen lernen, werden sie nicht fast gezwungen, eine Partei zu verlassen, deren Vertreter auf so jesuitische Weise verfahren? Kennt man nicht den Baum an seinen Früchten? Und können's Weinstöcke und Feigenbäume sein, die Dornen und Disteln tragen? Kann eine Lehre durchweht von dem Odem Gottes sein, deren Priester nur den lukrativen Vorthcil in's Auge fassen? Herr Dr. Stern hat bis jetzt noch keinem strebsamen jungen Manne den Zutritt zu seinen Vorlesungen versagt, obgleich dieser ehrenhafte Gelehrte keine 1500 Thaler jährliche Revenüen hat. Herr Dr. Zunz hat vor einigen Jahren ebenfalls Vorlesungen über jüdische Literatur gehalten und mit Freuden jedem Studirenden das Honorar erlassen. Oesterreich. Wien, 15. November. Hochgeschätzter Herr Redakteur! Da ihre weitverbreitete und vielgelesene Zeitung schon lange nichts über Mähren berichtet, ist ein schlagender Beweis, daß daselbst schon lange nichts Erhebliches vorgefallen ist. Die neueren rituellen Synagogen einrichtungen haben bisher in fraglicher Provinz noch nicht durchgegriffen. Es ist daher noch immer von Interesse, zeitgemäße Verbesserungen und Verschönerungen in Synagogen einzelner Gemeinden daselbst in einem Blatte, das sich einen so großen Leserkreis erworben, wie das Ihrige, zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.

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