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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-01-01 · Heft 1 (1.1.1846) · p. Seite 9

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 1 (1.1.1846)
Date
1846-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 len Sie sich zu den oberschlesischen Rabbinern, von deren Existenz die Welt fast nichts gewußt. O, Sie lauschen sich gewaltig, da ist keine gediegene Frucht zu hoffen, der faule Winterschlaf, in dem sie gefesselt lagen, hat sie morsch und auswüchsig gemacht, und geht die Saat ja einmal auf, so wird's eine ekelhafte Frucht. — Wol muß man mit zweideutigen Blicken Sie betrachten, wenn man Sie solche Gemeinschaft suchen sieht. Was wollen Sie mit den oberschlesischen Rabbinern? Was können diese von Ihnen wollen? Das ist ein Volk, das unsere Sprache nicht versteht, wie wir die ihrige nicht verstehen. — Doch was sag' ich? Sind sie nicht, durch die Frankclsche Antwort geweckt, losgebrochen diese Rabbiner, als hätte eine Bombe in ihr todtenähnlichcs Lager eingeschlagen? Der Eine sagt: er zweifle nicht an Frankels Rechtgläubigkeit; ein Zweiter: er wolle gern etwas thun, nur könne man keinen Ultra-Radikalismus von ihnen verlangen; ein Dritter: sie wollen Reformen von Frankel. Nun wir wollen sehen, wenn dem so ist, dann hat Herr Frankel wirklich das Verdienst, Leben in tobte Leiber gebracht zu haben. Nun wolan, frisch an's Werk, reformirt die Schule, die Synagoge, schafft Pijutim, Kol Nidre und Mezizah ab, führt deutsche Gebete ein, bringt Ordnung in den Gottesdienst — denn das will alles Herr Frankel, obwol er aus der Rabbincrversammlung getreten, die nur dasselbe gewollt — und bleibt uns nicht langer den Beweis schuldig, daß die Zeit den Sieg über Euch davongetragen. — Doch das sind leere Worte; ich kenne meine Pappenheimer; ich weiß, es bleibt Alles beim Alten, so wie ich weiß, daß ich bald „protestantisch inquisitorisch religiös didaktisch Pathetisch" werde zurecht gewiesen werden. O über die „protestantisch religiöse" Einfalt, die „inquisitorisch didaktisch pathetische" Dummheit! — Ein Oberschlesier. Berlin, 1ö. Dezember. (Privatmitth.) Bei den Orthodoxen in der.hiesigen Gemeinde wird es wieder etwas rege und lebendig. Die alte Starrheit, Thatlosigkeit und Gemächlichkeit, diese Trias des Orthodoxismus, wird allmälig von der starken und mächtigen Bewegung der Zeit aufgerüttelt und der Pietismus mit seinem erborgten flimmernden Goldflitter von Wissenschaft und Aufklärung erhebt sich nach seinem langen Winterschlafe — um die Welt zu erinnern, daß es noch nicht ganz mit ihm aus sei. Seitdem Herr Dr. Stern mit seinen schönen, gediegenen Vorlesungen selbst bei den Strenggläubigsten das enthusiastischste Lob davontrug und den Impuls zur hiesigen Reform hervorrief, mußte natürlich die Befürchtung der Anti-Reformer erweckt werden, daß ihre Schaar sich allmälich lichten möchte. Wenn nun auch Herr Dr. Sachs von der Kanzel herab mit der bittersten Polemik und dem Gesammr-Apparat fanatischer Floskeln gegen die Reform zu Felde zog, so ist es ihm beim besten Willen doch einmal nicht möglich gewesen, alle wichtigen Zeitfragen, die er so gerne und so geschickt mit einem leeren sophistischen Räsonnement und nichtssagendem Wortgepränge von sich zu weisen versuchte, hier zu behandeln und ihre Unwescnhcit zu beweisen. Dazu eignet sich das Katheder besser. Hier läßt sich, um mich des Ausdrucks des Herrn Di. Sachs zu bedienen, auf wissenschaftlichem Wege das widerlegen, was der thörichte Menschenwitz so bereitwillig als unverfälschte Wahrheit stempeln will. Herr Di-. Sachs hat daher als Antipodium der Sternschen Vorträge seine Vorlesungen über jüdische Literatur angekündigt, die er nicht rein wissenschaftlich sondern praktisch, d. h. in Beziehung auf die Interessen der Gegenwart vortragen will. Das Zeitengrab, das all die Pygmäen und Koryphäen der jüdischen Vorzeit verschlungen hat, soll, gezwungen durch die magische Macht der Wissenschaft, seine Beute hergeben und wie bei dem verschlagenen Odysseus in der Mythe sollen jene lustigen Gestalten aus dem finstern Orkus heraufbeschworen werden, daß sie offenbaren, was in der Zeiten Hintergrund verborgen schlummert und daß wie sie als leyiöv natqiowv offi'oi, als Knechte vererbter Formen und Satzungen, ihre Lebensaufgabe gelöst und erfüllt haben, ihre Enkel, die jetzt in ganz anderen Verhältnissen und Umständen leben, auch nur in der und durch die Befolgung todter, starrer Formen, aus denen der Modergeruch einer längst verschollenen Zeit uns anweht, einkehren werden in jene glücklichen, elysischen Gefilde. Die jüdische Literatur, worin die Anschauung vergangener Zeiten niedergelcgt ist, aus der die Schmerzenstöne des Drucks und der geknechteten und gegeißelten Menschheit in das Hallelujah der freien Entwicklung des Judenthums mit ihrem elegischen Klang hineintönen, soll nach Herrn Dr. Sachs den Maaßstab geben für die lebenskräftige, thatenreiche 1*

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