Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 lichen Forschung galt und gehalten sein wollte, immer selber seinen Weg ging, ohne Rückhalt und schlaue Vorsicht, der einst gegen die Manen des in redlicher Ueberzeugung dahingeschiedenen Moses Sophar angekämpst, weil er in seinem guten Rechte zu sein glaubte, weil er der Meinung war, daß einzelne Uebertretungen der Gebote des Schulchan Aruch keine Entfernung vom Rabbinat begründen: dieser selbe Herr Frankel weiß es nun, ohne die Züge zu verändern, mit meisterhaft mimischer Beherrschung seiner selbst, dem alten S. Trier in Frankfurt die allersüßesten Worte zu sagen, sich seinen Gesinnungs¬ und Strebens-Verwandtcn offen zu nennen; dieser selbe Herr Frankel, der eine Reform des Judenthums will, der in seiner Synagoge Kol Nidre und Pijutim abgeschafft, der antwortet den breslauer Adressanten, die Geigers „Bäffchen" als gesetzwidrig und die Entfernung des unbedeutendsten Pijuts als ein antijüdisches Verfahren verketzert, und gesteht mit der naivsten Ruhe von der Welt, daß sein Streben und das ihre dasselbe sei und daß er sie als Bundesgenossen mit Freuden aufnehme; dieser selbe Herr Frankel, der, auf der Höhe wissenschaftlicher Bildung stehend, eine Fortentwickelung des Judenthums anerkennt, der der Zeit und ihren Forderungen nachgebcn will und auch wirklich nachgiebt, dieser Herr Frankel, ohne zu erröthen, erklärt, daß die oberschlesischen Rabbiner seine lieben Freunde und gleichgesinnte Strebensgenossen seien — die oberschlesischen Rabbiner, die den alten Status qno als von Mose gegründet für unantastbar halten, die den hundertjährigen Synagogenstaub als eine heilige Reliquie verehren, und die grenzenloseste Zerrüttung in Synagoge und Schule als ehrwürdiges Vermachtniß unserer Alten nicht zu bannen wagen! Und nun auf der andern Seite: ein Mann, der es in seiner Beschränktheit nicht einzusehen vermag, „warum das Verbot der Arbeit am Sabbat vernunftgemäßer sein soll als das Verbot der Schwesterehe," *) beadreßt den Herrn Frankel, den erleuchteten Theologen, der mit kritischem Scharfblick wol eines vom andern zu scheiden versteht. Ein Mann, der mit angestrengtem Pathos ruft**): „Mit Nichten ist dem Menschen die Macht gelassen zu rcformiren und *) Zur Würdigung der braunschweiger Rabbinerversammlung, von dem deutschen Rabbiner in Beuchen. **) Ebendaselbst. irgend ein Gebot in Wegfall zu bringen," beadreßt den, der wol Gebote schon „in Wegfall" gebracht und noch mehr „in Wegfall" zu bringen verspricht, wenn nur das Volk in devoten Petitionen bei ihm darum nachsuchen wollte. Und das Alles ist den oberschlesischen Rabbinen kein Widerspruch, das thun sie Alles mit der unschuldigsten, einfältigsten Miene von der Welt! O Komödienspiel, o Possenreißerei! — Doch wäre es pure Komödie, hätten die Herren nur das Vergnügen an der Kunst der Sclbstverstellung und der Selbstverleugnung, hätten wir den Uebermuth und Lachlust nur mitgebracht zu dem Spiel, das vor unseren Augen getrieben wird, dann wollten wir schon zufrieden sein; aber unsre Brust ist voll bittern Ernstes, und mit gepreßtem Herzen und feuchten Augen der bocksfüßigen Boskokunst zuzusehen kann uns Niemand zumuthen.— Wir wenden uns daher an Herrn Frankel, der doch immer vom Volke spricht, demselben sogar die Befugniß zu reformiren einräumt — er vernehme hier eine Stimme aus dem Volke, die trotz unserer Rabbiner in dem Herzey der größten Hälfte der Juden unserer Provinz nachtönt. Wie konnten Sie, Herr Frankel, wenn es Ihnen Ernst um's Judenthum ist und dessen Erhaltung Ihnen am Herzen liegt, Adressen von Leuten entgegennchmen, deren Prinzip der Stillstand, deren Lebensbedingung dicke, schwere Finsterniß ist, ohne sich der Verdächtigung preisgeben zu wollen, als liebäugelten Sie auch mit dem Theile der Orthodoxie, der im Wüste vergangener Zeiten wie im Eden sich befindet, und in der schmuzigen polnischen Kutte die engangewachsene Hülle der Religion sieht, die nimmer entfernt werden darf? Sie mit dem warmen Herzensschlag für die Läuterung der Religion — wenn anders Ihr schriftstellerisches Wirken ein ehrliches ist — und die obcrschleschlesischen Rabbiner mit dem Appetit nach Faulheit und Müßiggang! Wie konnten sie in Gemeinschaft treten mit Männern, die jahrelang ihre Aemter bekleidet, ohne nach irgend einer Seite hin für ihre Gemeinden etwas gewirkt zu haben! Eine Gemeinschaft mit ebenbürtigen Kollegen, die ihren Ernst und ihre Thätigkeit gezeigt, haben Sie aufgegeben, aus der Rabbinerversammlung sind Sie geschieden — und deren Mitglieder haben doch Alle wenigstens Eifer und Begeisterung für den Glauben mitgebracht und bewährt — das Gesammtwirken ehrenhafter Männer haben Sie zu verdächtigen gesucht—und nun flüch-