Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 ten daran. Von ihnen hat immer nur das Haupt einer Familie den „Schutz." Derselbe geht, stirbt der Vater, auf den ältesten Sohn über; die anderen Söhne werden nie offener Weise ein eigenes Geschäft betreiben können und wären sie die tüchtigsten, anerkannt ehrerhaftesten Männer. Zuweilen zedirt der Vater dem Sohne noch bei Lebzeiten den Schutz, wozu er befugt ist. Nicht selten treiben aber die längeren „schutzlosen" Leute Geschäfte auf ihre eigene Hand, die zwar illegitim sind, aber weil sie nicht eigene Firma haben oder die des Vaters annehmen, geduldet werden. Traurige Beschränkung persönlicher Freiheit, die den Sohn vielleicht zu der Entsetzlichkeit führt, den Tod seines Erzeugers wünschen zu müssen. Ursprünglich, wie ich vermuthe, dem Zwecke entsprungen, den Kleinhandel der Juden nicht unverhältnißmäßig im Lande zu steigern, entbehrt jene Verordnung doch gewiß jeder moralischen Grundlage und ist doppelt befremdend innerhalb der Grenzen eines Staates, wo Vernunft und Gerechtigkeit von jeher am Steuerruder saßen. Der menschliche Sinn und die Helle Anschauungsweise des Großherzogs für alle Dinge wird hoffentlich auch das Schutzverhältniß seiner israelitischen Unterthakrn in ein unbedingt staatsbürgerliches verwandeln. Daß die Gesammtheir desselben unwerth, kann, zur Ehre der oldenburger Juden sei es gesagt, Niemand behaupten. — Ihre Glaubensgenossen in Jever haben den Kampf mit alten Vorurtheilen erst vor Kurzem, nachdem ein neuer Stadtrath dort erwählt worden, wieder beginnen müssen. Man hat sie erstens nicht für stimmberechtigt erklärt und zweitens ihre Beiträge und Ansprüche hinsichtlich der städtischen Armenkasse zurückgewiesen. Der jeversche Stadtrath wurde sogar von christlicher Seite deßhalb öffentlich angegriffen und gab auch Hofrath Ehrentraut die Erwiderung, daß die Juden noch nicht als Staatsbürger anerkannt worden." Aus Mittelfranken, im Dezember. (Privatmilth.) Die projektirte Zusammenkunft der Gemeindevorsteher unsres Kreises in der Kreishauptstadt Ansbach Behufs der Einreichung einer Petition an die Stände ist nicht zu Stande gekommen. Eine solche wollen die Vorstände von München und Fürth fertigen lassen und den übrigen größeren Gemeinden zur Mitunterzeichnung zusenden. Besser. Wie es scheint, wird von Seiten der Staatsregierung ein Gesetzentwurf bezüglich unsrer Verhältnisse den Ständen nicht vorgelegt werden, und die eingcholten Berichte von den Landgerichten scheinen von der Gesetzgebungs- Kommission, welche Behufs der Abfassung neuer Zivilgesetzbücher niedergesetzt ist, verlangt worben zu sein. Als ein böses Omen mag es angesehen werden, daß die freisinnigsten Männer, wie Thon-Dittmar, Willich von der Ständeversammlung ausgeschlossen worden sind. Dieser Tage verstarb in Gnuzenhausen der Rabbiner Abraham Böheim (eigentlich Böhm) in einem Alter von 78 Jahren. Im Jahre 1814 war ihm die „interimistische Versetzung" der Stelle verliehen worden, welche ihm auch, da die Gemeinden mit ihm zufrieden waren, bis zu seinem Ende verblieb. Die Wiederbesetzung dieser Stelle mit einem tüchtigen Manne wäre freilich das Erwünschteste, indeß ist dazu wenig Hoffnung vorhanden. Es werden sich die drei diesen Bezirk bildenden Gemeinden, Gnuzenhausen, Altenmuhr und Kronheim, wahrscheinlich benachbarten Rabbinaien anschließen, wodurch diesen ein erwünschter Zufluß zu Theil werden wird. — In der Untersuchunssache wegen Wahlbestechungen bei der Besetzung der Rabbinerstclle zu Wclbhausen ist von Seiten der k. Regierung die Entschließung erfolgt, daß, nebst bedeutenden Geldstrafen, der gewählte Rab.-Kandidat l)r. F. von der Wahl ausgeschlossen und der Ersatzmann, Kandidat Heymann aus Dettingen, zum Rabbiner erklärt worden ist. — Meine Nachricht von der Verurtheilung Werner's hat sich nicht bestätigt; vielmehr liegen erst die Akten bei dem k. Appellationsgericht zum Spruche vor, und bitte ich um Aufnahme dieser Berichtigung. K. Preußen. Oberfchlefien im November. (Privatmitth.) Die Frankelsche Adresscnposse hat immer noch nicht ausgespielt, und das lachlustige Publikum hat neben dem gemeinen Genuß der sich selber karrikirenden Kunst noch das höhere ästhetische Vergnügen, die glatte naturgetreue Mimenkunst von den Akteuren mit einer ans Ueberraschende grenzenden Natürlichkeit darstellen zu sehen. Man sehe: Herr Frankel, der stets als ein Mann der Wissenschaft, der treuen, red-