Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225443-3225445--07425-3238181- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6 schwer halten, auch dafür beweisende Belege beizubringen, daß an solcher Steigerung der Preise, christliche Händler wenigstens eben soviel Schuld tragen als jüdische; wir haben hier ganz andere Bemerkungen zu machen: Es ist nämlich bekannt, daß die diesjährige Getreideernte durchaus nicht zu den schlechten gehört, vielmehr ist erwiesen, daß die gegenwärtigen hohen Getreide-Preise einzig und allein durch den Wucher, die sogenannte „Kipperey" hcrbeigeführt wurden. Nun aber ist eben so gewiß, daß in Folge des Edikts vom 10. Juni 1813 sich nur sehr wenige, vielleicht nicht ein Jude in Baiern mit diesem Geschäfte befasse: man müßte also — wollte man konsequent sein — cbendeßwegen, alle Christen vom Handel mit Getreide gänzlich entfernt halten! Wir schließen unfern Bericht und überlassen das Urtheil dem Leser. Aus dem Württembergischen, 10. Dez. (Privatmitth.) Es sind uns von mehren Seiten Widerlegungen eines Artikels, der im „Beobachter" Nr. 324 gestanden, zugesandt, müssen aber diese auf den Beobachter selbst verweisen, der eine geordnete, nachdrückliche Erwiederung nicht ablehnen wird. Da jener 'Artikel namentlich gegen die israelit. Lehrer Württembergs gerichtet war, so stellen wir den Schluß der einen Widerlegung hierher: „Man sieht nur zu klar die unedle Absicht des Verfassers, einen Stand zu verläumden, der seit 18 Jahren den heilsamsten Einfluß auf die religiösen und durch diese mittelbar auch aus die bürgerlichen Verhältnisse seiner Glaubensgenossen ausübet, und der anerkannt viel zum Erfolg des Erziehungsgesetzes vom 25. Apr. 1828 durch Unterricht sowol der Jugend, als der Erwachsenen beigetragen und des Gemeindehaushalts in Verbindung mit den übrigen Mitgliedern des Vorsteher-Amts gewissenhaft sich angenommen und meistcntheils geordnet hat. Unsere Regierung ist übrigens viel zu erleuchtet, der Friede zwischen Gemeinde und Lehrer viel zu befestigt, als daß solche schwache, böswillige Absichten ihr Ziel erreichen könnten: naiv -p« trau) airb nrjsia npVna 82 ö^pri-tV." I-.n. Oldenburg, im November. (Privatmitth.) Die so eben erschienene geistreiche Schrift Jos. Mendelssohn's in Hamburg: „Eine Ecke Deutschlands," enthält über die hierländischen jüdischen Verhältnisse Folgendes: „Es giebt vielen Kastengeist in Oldenburg, aber so gut wie gar keinen Judenhaß. Da haben wir eine sehr löbliche und in Deutschland seltene Eigenschaft als Ausgleichung für eine schlimme. Allerdings fordern die oldcnburger Juden solche Abneigung auch keineswegs heraus. Ihr Bildungsstandpunkt ist freilich durchschnittlich nicht hoch, aber es fehlt zum Glück die Rohheit den unteren jüdischen Volksklassen, wie sie sich z. B. in Hamburg und Frankfurt a. M. findet und zufolge der großen Rechnung, welche des Judenthums Gegenwart noch mit seiner Vergangenheit auszugleichen hat, nothwcndig finden muß. Den herzlichen Umgang zwischen Christen und Juden hindern in Oldenburg nicht jene gehässigen, mit der Muttermilch eingesogenen Vorurtheile, die sich an anderen Orten als unübersteigliche Schranken zwischen beiden Konfessionen aufthürmen. Die Zahl der Juden in der Residenz ist freilich sehr klein — ich glaube, nur 1-4 Familien — sie verschwinden ganz in der Masse der Bevölkerung. — Die Haltung der Regierung hinsrGtlich der Juden zeigt einen seltsamen Kontrast. Ungehindert dürfen sie jedes Gewerbe, jedes Handwerk treiben und das Zunftwesen schließt auch für sie die Meisterschaft, vollkommene Selbstständigkeit und Zwanglosigkeit nicht aus. Juden können nicht minder in den Staatsdienst eintreten — was bis jetzt freilich nur in unteren Regionen zu beobachten war — der Landrabbiner selbst ist Staatsdiener und wird aus der Landeskasse besoldet. Der Großherzog ist den Juden sehr freundlich gesinnt; er äußerte oft sein Vergnügen an jedem intellektuellen und äußerlichen Fortschritt, den sie machen. Das Konsistorium hat so wenig als das Ministerium sich ihnen jemals feindselig erwiesen — und trotz dem Allen besteht ein Gesetz im Lande, welches zu dieser toleranten Richtung einen schneidenden Gegensatz bildet. Dies Gesetz lehnt sich an das Schutzverhältniß, in welchem die Juden zur Regierung stehen. Sie sind nicht Staatsbürger, sondern nur Schutzverwandte. Alle, welche nicht Kaufleute sind, empfinden dies Verhältniß, wenn es auch an und für sich das Selbstgefühl tief verletzt, keinesweges als ein drückendes. Um so schlimmer ist die natürlich überwiegende Mehrzahl der handeltreibenden Israeli-