Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 53 (25.12.1848)
- Date
- 1848-12-25
- Page
- Seite 760 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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760 Rabbinen für eine allgemeine Synode stimmten. Der Mensch ist keine Abstraktion, er ist eine konkrete Gestalt, die sich aus den Beziehungen des konkreten Lebens, je nach der Stellung, die er zu diesen einnimmt, bildet. Es würde mancher Vorwurf der Heuchelei fallen, wenn wir unsere Gegner stets von diesem Standpunkte aus betrachteten, wenn wir-sie in Zusammenhänge mit ihren Lebensverhaltniffen berücksichtigten. Die Stellung der Rabbinen ist an und für sich, schon keine beneidenswerthe. Ihre Gemeinden sind mit ganz wenig Ausnahmen sehr klein, ihre Besoldung daher äußerst dürftig; sie bilden vorzüglich das jüdische Proletariat, das um so übler daran ist, als es der Ehre des Amtes halber das Dekorum in der häuslichen und Lebenseinrichtung wahren muß. Eine Spaltung in den Gemeinden, die Bildung besonderer Genossenschaften in denselben würde sie gänzlich dem Elende preisgeben. Es ist daher um so anerkennungswerther, daß sie fast sammtlich, insoweit sie wissenschaftliche Bildung besitzen, an die Spitze der Reform treten und sie thatkräftig zu fördern suchen, aber auch um so natürlicher, daß sie Alles aufbieten, um es zu keinen Reformgemeinden kommen zu lassen. Sie mußten aus demselben Grunde gegen eine Reformsynode sprechen, als diese zu Reformgemeinden führen würde. Die Vorsynode war etwa von zehn Rabbinen besucht. Am zweiten Tage fehlten Viele von den Laien, denen der Beruf die längere Abwesenheit von Hause nicht gestattete. Der Einfluß der Rabbinen war daher am zweiten Tage größer, als bei der ersten Sitzung. Die weiteren Verhandlungen waren von untergeordnetem Belange. Nachdem eine allgemeine Synode beliebt wurde, mußte besonders dahin gewirkt werden, daß auch die Reform eine angemessene Vertretung auf ihr finde und daher beschlossen, daß jede konstituirte Reformgesellschaft berechtigt sei, einen Vertreter zu schicken. Wahlberechtigt und wahlfähig ist jeder großjährige Israelit. Das Konnte in Frankfurt, das die Vorsynode berief, ist ernannt und beauftragt, diese Angelegenheit weiter zu fördern, die Beschlüsse nebst einer. Ansprache an die Gemeinden zu veröffentlichen und die allgemeine Synode auf das Frühjahr 1849 einzuberufen. Das Frühjahr 1849 alsv'wird zeigen, ob die Majorität mit ihrer allgemeinen, oder die Minorität mit ihrer ReformsynodeRecht hatte." ' . A. Rußland. Minsk, 24. November n. St. (Privatmitth.) Im Familienleben der russischen Juden war es von jeher ein Sittengesetz, Kinder im 11. oder höchstens im 13. Jahre zu verheirathen, unbeachtend die daraus immer folgenden traurigen Ereignisse im moralischen und physischen Leben des unreifen jungen Ehepaars. Seitdem aber die russische Regierung das Gesetz anordnete, daß kein jüdischer Jüngling vor 18 und kein Mädchen vor 16 Jahren heirathen dürfe, und da die Juden sich fortwährend nach ihrer Umkleidung von den orientalischen Sitten allmälig entfernen, begegnen wir jetzt selten verheiratheten oder geschiedenen jungen Leuten unter den hiesigen Hebräern, und wie angenehm war es, unlängst der Hochzeit des Herrn B...de, welche ganz aufeuropäische Art vor sich ging, 40 Werst von hier beizuwohnen. Da sahen wir Braut und Bräutigam in der vollen Lebensblüte bei ihrer Verheirathung unter dem Trauhimmel stehen, und die Hochzeit war wirklich (im Hause ihrer reichen Eltern) auf's Prächtigste gefeiert, indem sie sich des wahren Glücks ihrer Kinder bewußt waren. N. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 12. Dezember. Das Fortleben. Betrachtungen, Gedanken und Aussprüche über Unsterblichkeit. Von S. L. Liepmannssohn. Zweite Auflage. Salzkotten, 1846. Eigenthum des Verfassers. Wir können dieses Heftchen in allerlei Lagen des Lebens, zu willkommener Tröstung und sinniger Anregung dringend empfehlen. So klare, sanft fließende Sprache, so lautere Moral, so einschmeichelnde Beredtsamkeit. Die erste Abtheilung „Betrachtungen" stellt die Beweise der Unsterblichkeit ohne Schulzwang aus der Natur des Menschen zusammen; die zweite „Gedanken und Aussprüche" bringt eine Sammlung körniger und angenehmer Sentenzen über Unsterblichkeit. Wir machen daher unsere Leser auf das Büchlein, namentlich für Trauerzeiten, aufmerksam. — Die erste Konfirmationsfeier in der Leipzig-Berliner Synagoge am 22. Mai 1847. Von