Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 53 (25.12.1848)
- Date
- 1848-12-25
- Page
- Seite 759 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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759 land. Eine merkwürdige Anomalie liegt indessen immer darin, daß hier Juden in der Konstituante sitzen und die Verfassung machen helfen, während sie weder Bürger sind, noch von den bisherigen Beschränkungen auch nur eine, außer dem Wahlrecht, aufgehoben ist. Unser treulicher Chaliza-Konslikt hat sich dadurch erledigt, daß der Senat erklärt hat, die Erfüllung dieser Zeremonie sei Gewissenssache des Einzelnen, worauf dann unter der hier überhaupt gegen Kaution zulässigen Erlassung der Proklamation in der Synagoge, bei der man Unannehmlichkeiten befürchten mußte, der Di*. Salomon die' Ehe einsegnete. Dagegen haben wir nun schon wieder einen Fall, wo ein Aharonide eine geschiedene Frau heirathen will, wogegen ebenfalls kirchlicher Einspruch geschieht. Die Sache wird ohne Zweifel denselben Gang gehen. Stuttgart, im November. (Fr. Allg. Kirchztg.) Wir entnehmen einem Artikel dieses Blattes folgende Bemerkung über die in Frankfurt stattgefundene Vorsynode: ^,Ein Ko mite in Frankfurt erließ einen Aufruf zu einer Vorsynode auf den 23.Oktober ergehen. Es fanden sich zu derselben am anberaumten Tage 70— 80 Deputirte kleinerer und größerer Gemeinden ein. Noch an demselben Tage fand die erste Sitzung statt. Vom Komitö selbst wurde eine Vorlage eingereicht, an welche die Berathung anknüpfen sollte. Diese Vorlage spricht sich einleitend über das Bedürfniß nach einer Synode aus. Kurz den frühem Zustand «schildernd, begrüßt sie mit Jubel die errungene Freiheit, welche auch der Synagoge eine selbstständige Entwickelung zusichert. „Aber verhehlen," fährt sie fort, „dürfen wir uns nicht, daß die errungene Freiheit dem israelitischen Gemeindewesen andererseits auch Gefahren bereitet, welchen mit weiser Vorsicht entgegengetreten werden muß. Nicht unbegründet erscheint die Besorgniß, daß Mitglieder der israelitischen Gemeinde sich von allen Verpflichtungen gegen dieselbe lossagen und daß ihr somit ein Theil ihrer wirksamen Kräfte entzogen werde; nicht unbegründet die Besorgniß, daß durch die gegebene Freiheit der Vereinbarung sich die Gemeinden in Parteiungen zerspalten und nach verschiedenen Richtungen auseinander gehen; nicht unbegründet die Besorgniß, daß die einmal aufgelockerten Bande der Pietät, bisher immer noch stark genug, um den einheitlichen Charakter zu erhalten, endlich sich ganz und gar lösen." Aus die noch herrschenden Üebelstände aufmerksam machend, hebt sie hervor, daß der Gottesdienst noch nicht die würdige Gestalt erlangt hat; welche das fromme Gemüth befriedigen könnte, daß er noch in den Grundformen der Uebereinstim- . mung ermangele; daß der Religionsunterricht noch nicht in allen Gemeinden geregelt ist und ebenfalls der Uebereinstimmung im Lehrbegriffe und in der Art des Unterrichts ermangele. Indessen kam die' Einleitung der Vorlage nicht zur Berathung, sondern nur die §§ in derselben über Begriff und Wesen der israelitischen Synode, über die'Wahlart der Bevollmächtigten und die Zeit der Synode. Die Vorlage verlangt eine allgemeine, von den sämmtlichen jüdischen Gemeinden Deutschlands zu beschickende, das Gesammtorgan der deutschen Judenheit bildende Synode. Ueber diesen Punkt waren die Ansichten getheilt, und entspann sich hierüber eine interessante Debatte. Von einer Seite wollte man nämlich nur eine Synode der Reformfreunde, derjenigen, welche das Prinzip der Reform anerkennen und dessen Fortentwickelung wünschen. Man ging dabei von der Ansicht aus, daß bis jetzt der eingeschlagene Weg zu keiner Verständigung mit der Orthodoxie geführt habe,' weil es überhaupt nicht möglich sei, sich mit ihr zu verständigen, weil das Verständniß der Orthodoxie eben die Reform ist. Man lasse daher die Sisyphusarbeit und verwende die Kräfte zur thatkräftigen Organisation selbst. Ebenso wurde geltend gemacht, daß die Orthodoxie bis jetzt nur da aufgetreten sei, wo sie von den Männern der Reform aufgestachelt wurde. So habe sie keinen Laut von sich hören lassen, bis die Rabbinenversammlung wiederum das religiöse Bedürfniß in den Gemeinden geweckt habe. Es sei eine Illusion, wenn man glaube, die Orthodoxie werde der Aufforderung zur Bildung einer Synode Folge leisten. Der geeignete Weg sei daher, daß die Reformfreunde eine Synode zusammenberiefen; dann sei zu hoffen, daß die Orthodoxie, um der Reform entgegenzutreten, ein Gleiches thue und vielleicht auf diesem Wege werde eine Vermittelung beider Synoden und später auch beider Richtungen erzielt werden können. Indessen unterlag diese Ansicht auf der Vorsynode gegen eine unbedeutende Majorität und zwar mehr durch Zufall, als durch die Wucht der Gegengründe. Sie hätte gesiegt, wenn sie am Tage vorher zur Berathung gekommen wäre. Es ist natürlich, daß die