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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-12-25 · Heft 53 (25.12.1848) · p. Seite 758

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 53 (25.12.1848)
Date
1848-12-25
Page
Seite 758 (sequence 6)
Language
German
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753 In: Oesterreich find schon die Nationalitäten in furchtbareni Kampfe begriffen, lastet.nun noch ^auf einer Nationalität der Glaubenshaß- und das Glaubensvorurtheil, ist zugleich diese Nationalität schwach und ohne Nachdruck— dann kann man schon voräussetzen, daß sie benachtheiligt bleibt. Wenn nun auch das Programm des Ministeriums Schwarzenberg, wenn die Proklamation des neuen Kaisers Gleichheit der Nationalitäten , Gleichheit vor dem Gesetze grundsätzlich aussprechen, so ist doch sehr noch die Frage, ob die Juden darunter eingeschlossen sind, ob die Juden, welche von jeher von den allgemeinsten Gesetzen ausgeschlossen, den Ausnahmen verfielen, nicht abermals Ausnahmebestimmungen unterliegen werden. Um dies zu beweisen, kann ich mich leider! darauf berufen, daß die Kommission des Reichstages zu Kremsier, welche, die Grundrechte zu entwerfen und vorzulegen hat, beschlossen hat darauf anzutragen, „daß die Regulirung der Verhältnisse der Israeliten den Landtagen der einzelnen Staaten und Provinzen zu überlassen sei." Dadurch würde unsere Angelegenheit nicht allein auf die lange Bank, sondern auch, sehr in's Ungewisse hinein gebracht werden, und Niemand könnte voraussehen, was daraus gemacht würde. Unsere Hoffnung wäre allein jener Geist der Zeit, der nun einmal auch die Schranken des österreichischen Staates überschritten hat, und auf die Länge überall seine Siege feiert. ■—Hierzu kommt allerdings, daß die neue Presse, ich. meine die Presse, die seit der Besetzung Wiens spricht, den Haß gegen die Juden auf alle Weise zu entflammen sucht. Es ist nicht blos die berliner „Kreuzzeitung", welche einen neuen Kreuzzug gegen unsere Glaubensgenossen täglich predigt, es sind die wiener Zeitungen nicht minder eifrig damit beschäftigt. Es stellt sich hier wieder jene alte Solidarität der Juden heraus, die uns schon so vielThränen und Blut gekostet hat, und die alle Juden zu vernichten, oder doch zu treffen sucht, wenn einige Juden nicht nach dem Sinne, der gewünscht wird, gehandelt haben. Daß einige Juden unter den Demagogen thätig waren und Einfluß geübt, das sollen alle Juden büßen, darum möchte man die . Brandfackel in die Hütten aller Juden werfen — obschon doch erweislich, daß die Juden nicht minder in den Reihen der gegnerischen Parteien gestanden- und die Demokraten nicht minder auf die Juden losziehen, weil eben deren Mehrheit nicht demagogisch ist. An die Stelle des religiösen Fanatismus istder politische getreten, dessen Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit kaum geringer ist. Hamburg, 14. Dezember. (Privatmitth.) So ist denn nun hier unsere Konstituante eröffnet und von dem Alterspräsidenten als erstes Wort die politische Gleichberechtigung aller Staatsangehörigen als Grundlage proklamirt. Vierzehn Juden sitzen unter den 188 Abgeordneten, also die Hälfte mehr als das numerische Verhältm'ß gestatten würde, was man allerdings als die Bestätigung meiner alten Behauptung betrachten kann, daß der. Judenhaß bei dem hiesigen eigentlichen Volk nicht einheimisch ist. Auch wäre zu bemerken, daß während beide jüdische Tempelprediger und der Prediger der Deutschkatholiken, nur zwei Geistliche von der herrschenden lutherischen Kirche gewählt sind. Es ist inzwischen nicht zu leugnen, daß die Wahlen in mancher Hinsicht anders ausgefallen wären, ohne die unglaubliche Ungeschicklichkeit der konservativen Partei des patriotischen Vereins, welche übrigens ebenfalls eine Anzahl von Juden auf ihre Kandidatenlisten gebracht batte, von denen merkwürdiger Weise zweie, und zwar sehr orthodoxe Juden, beide Direktoren unserer Talmud-Tora-Schule, auf die jene eben deshalb rechnen zu können glaubte, sich diese Ehre öffentlich verbeten, weil sie mit Leib und Seele der liberalen Partei gehörten, von der sie denn auch durchgebracht wurden. Ich finde es übrigens sehr verzeihlich, wenn ein Christ den völlig orthodoxen Juden für auch politisch stabil hält, da ich selbst es nicht zusammenbringen kann, wie man mitten im Vollgenuß der höchsten politischen Rechte gewisse Gebete, in welchen geklagt wird, daß wir Juden täglich wie Lämmer zur Schlachtbank getrieben werden, inbrünstig zu verrichten, sie seine Kinder zu lehren und auf deren Beibehaltung zu bestehen vermag. Jndeß „das Herz ist ein trotzig und verzagtes Ding" sagt der Prophet, wer will es ergründen? Daß übrigens hier-wie überall viele Juden in den Klubs und Vereinen sich bedeutend merkbar machtenbrauche ich Ihnen wol nicht erst zu sagen, muß jedoch andeuten, daß dadurch kein unangenehmer Ton hervorgerufen wurde. Dazu gehört freilich die allgemeine Notiz, daß die Wörter Demokrat, Volksverein, Krawall, Klub hier in Hamburg eine unvergleichlich mildere Bedeutung haben, als in dem übrigen Deutsch-

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