Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 52 (18.12.1848)
- Date
- 1848-12-18
- Page
- Seite 750 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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750 Zweite Sitzung. Nachmittags 2 UHr. Um 2 Uhr versammelte sich die Konferenz zur Debatte über den .Schulbefund. Vorab wurde ein vierstimmiges Lied gesungen. Hierauf folgte eine kurze Anrede des Vorstehers an die Versammlung, dann begann die Diskussion, deren Resultat wir in nachstehendem Referate geben. sä s) Die Schüler hatten auf die ihnen vom Lehrer vorgelegten Fragen über Religion, Gott, Tugend bestimmt und in sehr angemessener Wahl des Ausdrucks geantwortet und bei den'auf Verlangen einzelner Konferenz- Mitglieder gegebenen Definitionen^ die Lehrer überzeugt, daß sie ihren Gegenstand richtig aufgefaßt hatten. sä b) Der Lehrer ließ unter die Oberklaffe Bücher des verschiedenartigsten Inhalts vertheilen und jedem Kinde von einem Lehrer eine beliebige Aufgabe als Pensum bezeichnen. Während diese Klasse sich mit der Lösung ihrer Aufgabe still beschäftigte, beschäftigte sich der Lehrer mit derUnterklaffe. Dann mußte in der Oberklaffe Jeder sein Pensum frei vortragen. Wahrend des Vortrags des einen Kindes mußten sämmtliche Kinder dieser Klasse unbekümmert um ihre eigene Ausgabe mit stiller Aufmerksamkeit zuhören. Auf diese Weise wurden mehre Stücke aus der Weltgeschichte, der biblischen Geschichte und dem Soester Lesebuche. vorgetragen. Eine solche, scheinbar eher zur Oberflächlichkeit und Konfusion als zur Gründlichkeit führende Methode, hatte dennoch in der Schule R's., der beiläufig gesagt täglich acht Stunden unterrichtet, Tüchtiges geleistet, und ohne sich gerade für diese Methode entscheiden zu wollen, mußte die Versammlung dem Lehrer die Gerechtigkeit wiederfahren lassen, daß er Herr seiner Methode sei. Die hierauf angestellte stilistische Uebung, wobei jedes Kind seinen „Vortrags benutzen konnte, überzeugte, daß die Kinder auch im schriftlichen Ausdruck, in Grammatik und Kalligraphie den Erwartungen entsprachen. sä o) Es wurde auf Vorschlag der Konferenz ein' Abschnitt aus 1. B. M. gewählt Dieser wurde sowol von den Knaben als auch von den Mädchen versweise wörtlich treu übersetzt. Auch waren die Kinder mit der hebräischen Formenlehre so wie mit dem Satzbäu recht vertraut. . sä ä) Der Lehrer ließ die Unterklasse ein Stück §us dem Soester Lesebuche lesen und stellte auch mit der jüngsten Abtheilung dieser Klasse eine Leseübung an. Die Leselehre des Lehrers R. ist analytisch und hat einige Aehnlichkeit mit der Jacotot'schen, weicht jedoch insoweit von diesem großen Meister ab, als 'er R. vom fünften bis siebenten Jahre nur mechanische Lesefertigkeit erzielen will und auch wirklich erzielt. Jacotot aber ist ein erklärter' Feind alles Mechanismus. Die schließlich noch beliebte Prüfung in der Landeskunde von Palästina war zwar auch befriedigend, jedoch wol die schwächste Partie der ganzen Prüfung. Da die Sitzung um 5 Uhr geschlossen werden mußte, so wurde vorgeschlagen, am Sabbat den 28., Abends sechs Uhr die dritte Sitzung als Schlußsitzung zu halten. In derselben wurden die Pcüfungsgegenstände nochmals kurz besprochen und darauf um ein Gesammrurtheil befragt, sprach.man sich einstimmig dahin aus: Daß man dem Lehrer Rothschild mit Freuden das Zeugniß eines ebenso tüchtigen als unermüdeten Lehrers gebe, und daß die Resultate feiner Leistungen ebenso erfreulich als anerkennenswerth wären. Hierauf zeigte der Vorsteher als neu aufgenommene Mitglieder an: Sänger aus Rheda, Gutmann aus Oelde und Ising aus Bünde. Dann legte Alsbach einen Brief des Abgeordneten Gladbach, betreff der Interpellation in der Ornatsfrage, so wie einen von ihm und Spier ausgearbeiteten Entwurf zum Statut vor und zahlten die neu eingetretenen Mitglieder ihren Beitrag zum Lesezirkel. Nachdem noch den^eseker Familien für die freundliche und zuvorkommende Bewirthung ihrer Gäste der Dank der Versammlung votirt worden, erklärte der Vorsteher die 8. Konferenz für geschlossen. W. Handbüchlein für hebräische Leseschüler von Emanuel Hecht. Zweite völlig neu umgearbeitete und doppelt starke Ausgabe, beim Verfasser- und durch Mainzer Buchhandlungen, 1848. Herr Emanuel Hecht, durch mehre Schulschriften bereits vortheilhaft bekannt, hatte die Güte, der Konferenz durch die Mainzer Hofbuchhandlung sein Handbüchlein rc. zur Beurtheilung zuzusenden. Dieses uns ehrende Vertrauen wollen wir versuchen in nachstehender offener Darlegung unserer Ansichten zu würdigen. Sekt Pestalozzi's unsterblichen Verdiensten um Verbesserung des Schulwesens hat der geistlose Mechanismus, überall auf den Tod verfolgt, in der hebräischen Leselehre noch immer eine sichere Zufluchtsstätte. Auf. diesem geheiligten Boden erklärt man den Unhold noch immer für unantastbar und gewährt ihm den ausgedehntesten Schutz. So sehr betrübend btefe bedauerliche Erscheinung auch sein muß, so erklärlich wird man sie finden, wenn