Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 52 (18.12.1848)
- Date
- 1848-12-18
- Page
- Seite 749 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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749 gebracht. — Die Jews’ Free School inLondon hat eine große Synagoge ängebaut, in der am Versöhnungsfeste an 3000 Glaubensgenossen versammelt waren; jetzt soll eine solche Synagoge für Frauen auch mit der Mädchenschule verbunden werden. — Am 23. Oktober fand die Prüfung der jüdischen „westlichen Mädchenfreischule" bei Anwesenheit des Herzogs von Cambridge und vieler Ladies und Gentlemen statt. Korrespondenzen. Lübbecke, 22. November 1848. Bericht über die 8. Konferenz der Lehrer des Fürstenthums Minden und angrenzenden Kreise, abgehalten zu Geseke am 26., 27. und 28. Oktober c. (Schluß.) 3) Es wurde das Schreiben einer Buchhandlung vorgelegt, welche Salomons Volksbibel zu einem verhättnißmaßig billigen Preise (l1/* Thlr. nebst 10 °/o Rabatt) der Konferenz offeriere.^ An diese Offerte knüpfte sich eine, lebhafte Diskussion über die Frage, ob die Benutzung einer vollständigen Bibel in der Schule, des Konferenzbezirks aus pädagogischen Rücksichten unzulässig sei? Die Versammlung entschied einstimmig gegen Unzulässigkeit und zwar aus folgenden Gründen. Die Behandlung der Bibel so wie jedes andern Lehcobjekts liegt lediglich in der Individualität des Lehrers selbst. Seine Auffaffungsweise der heiligen Schrift im Ganzen wie im Einzelnen ist auch maßgebend'für das Kind. Wenn nun der gewandte Lehrer feinen; Gegenstand mit Ernst und Würde behandelt, so hat er für seinen Zögling Nichts zu fürchten. Es giebt'aber einen noch weit wichtigem, positiven Grund für Beibehaltung der vollständigen Bibel, nämlich diesen: die bis jetzt erschienenen Bibelauszüge enthalten fast ausschließlich den historischen Theil der h. Schrift, aber den unvergleichlichen poetischen Schatz entbehren sie fast ganz. Büdingers Mibel liefert nur einige spärliche Proben, Meyers und Cohens auch diese nicht einmal. Die Konferenz ist aber der Ansicht, der in unendlicher Fülle sprudelnde Quell der biblischen Poesie müsse der Jugend gerade aus pädagogischen Rücksichten unverkürzt, nicht in homöopathischen Gaben, geboten werden, damit sie ihn in vollen Zügen genießen könne. Es unterliegt wol demnach keinem Zweifel, daß der überwiegende Vortheil beim Gebrauch der vollständigen Bibel mit dem möglichen Nachtheil in gar keinem Verhältniß sieht. > 4) Die Versammlung war der Ansicht, daß es jetzt mehr denn je an der Zeit sei, ein populäres Handbuch der jüdischen Geschichte für Schulen zu bearbeiten. Ein solches Buch müßte aber statt vieler gelehrten, trockenen Notizen, die für das Kind nicht das geringste Interesse haben, Biographien ausgezeichneter Israeliten enthalten. Männer von Talent und Beruf, die sich diesem gewiß sehr dankbaren Unternehmen unterziehen wollten, dürften Seitens der Konferenz auf alle mögliche Unterstützung rechnen. 5) Hinsichtlich des Lesezirkels wurde'beschloffen, daß die Anschaffung von Schriften für denselben bis zur erlangten in Aussicht stehenden Portofreiheit bedeutend ermäßigt werden sollte. . 6) Es wurde-der Versammlung angezeigt, daß Herr I. Stern aus St. Cappel den Lesezirkel durch ein werthvolles populäres astronomkschks Werk bereichert, und sich den Dank der Versammlung erworben habe. Möchte sein Beispiel doch recht viel Nachahmung finden! Um 7*/2 Uhr wurde die Sitzung geschlossen mit dem Bemerken, daß man sich am 27. Morgens 8 Uhr zur Schulprüfung rinft'nden möge7 Freitag den 27. Oktober, Morgens 8 Uhr. .Dir Versammlung hatte sich in der Wohnung des Lehrers R. eingefunden, um sich wegen der Schulprüfung zn besprechen. Es waren nämlich dem Lehrer absichtlich-keine Prüfungsthemata vorher bezeichnet worden. Nach Einsicht des Stundenplans einigte man sich in nachstehenden Fächern: a) Religion, b) „Vortrag" (mündlicher «ttb schriftlicher Ausdruck), o) Hebräisch (Urbersetzen verbunden mit Grammatik), ä) Lesen. Hierauf begab man sich 8 ^/2 Uhr in das LchrzimMer. Der Lehrer eröffnete die Prüfung seiner aus zwanzig Kindern bestehenden Privatschüle mit einem etwas langen Gebete und zwei Liedern, Letzteres ein Begrüßungskied. - Die Prüfung dauerte drei Stunden und schloß mit einem Liede und einer kurzen Rede des Vorstehers an die Schüler. 52*