Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 52 (18.12.1848)
- Date
- 1848-12-18
- Page
- Seite 746 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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746 kränken, wenlt ein Dr. R. in seiner Oisivetät es sich herausnehmen will, sie fast sämmtlich der Unwissenheit zu bezüchtigen. Ist in früheren Jahren der sogenannte höhere Religionsunterricht von den Rabbinern und in den triü'-nü *'nn ertheilt worden, so appeviren wir hiermit an das Urtheil eines Jeden, an dem der Geist der Zeit nicht spurlos vorübergegangen, ob ein solcher Religionsunterricht für unsere Generation zweckmäßig sei. Wir scheuen uns nicht, dem^.Herrn Doktor zu gestehen, daß der Religionsunterricht in unseren Schulen sich im Allgemeinen darauf beschränkt, die Grundwahrheiten unserer Religion und ihrer beseligenden Lehren, mit zweckmäßiger Benutzung der älteren Quellen — die, zur Beruhigung des Herrn Rothschild, den Meisten keinesweges unzugänglich sind — dem Geiste und Gemüthe des Kindes einzuprägen, und dieses heißt wol etwas mehr, als bei den primären Elementen stehen bleiben, wie die Arroganz des Helden aus der mittelalterlichen Zeit des märkischen Ritterthums es zu nennen beliebt. Was das Predigen betrifft, so wissen wir freilich nicht, wie hoch die Anforderungen des Herrn R. gespannt sin-, und geben wir gern zu, daß Wenige im Stande sein dürften, in einer Sprache, wie die des Herrn Doktors in dem angezogenen Artikel der Gemeinde gegenüber sich verständlich zu machen, müssen gleichwol völlig in Abrede stellen, daß der Mehrzahl der Lehrer die Befähigung zum Predigen abgehe, wenigstens insoweit sie dem Bedürfnisse unserer Gemeinden entsprechen sollen; und.wo etwa ein angehender Lehrer diesen Anforderungen noch nicht entsprechen könnte, da fehlt es ja keinesweges an Mitteln, der Gemeinde etwa durch Vorlesen einer guten Predigt dennoch Erbauung und Belehrung zu verschaffen. Hinsichtlich der würdigen Leitung des Gottesdienstes überhaupt sind gewiß viele Lehrer dazu ebenso befähigt, wie nur ein Rabbiner oderRabbinatskandidat es sein könnte.—SehenSie, Herr R., nur durch eine gewissenhafte Pflege ihrer Obliegenheiten könnte es den Lehrern gelingen, bei dem gesunden Sinne der Gemeinde sich Ansehen und Geltung, jene bevorzugende Behandlung zu verschaffen, die Sie — und von Ihrem Standpunkte aus mit Recht — gern beseitigt hätten. Nein, Herr Doktor, nicht durch die jüdischen Elementarlehrer und ihre Wirksamkeit wird das Judenthum seinem Ruine entgegengehen, sondern dieses würde vielmehr geschehen, wenn, was Gott verhüte, Ihre Ansicht von dem jüdischen Schulwesen um sich griffe und die Gemeinden, die bereits größtentheils einen schönen Weg in dieser Beziehung betreten haben, in ihrem löblichen Streben aufhielte." Wenn Sie, lieber Herr Doktor, sich durch solche Gesinnungen einen Namen zu verschaffen suchen wollen, dann bedauern wir Sie herzlich, weil es Ihnen nicht gelingen kann,, dann mochten wir Ihnen zurufen: 81 taeuissss, xNilosvpLus mansisses. Wir haben in Gegenwärtigem nicht eine ausführliche Beleuchtung der irrigen, böswilligen Ansichten und Inkonsequenzen des Rothschildschen Artikels, sondern nur Andeutungen geben wollen, indem wir uns Vorbehalten, in einemspätem Artikel darauf zurückzukommen. A. Cahn. S. Blumenau. Lobfens, im November. (Privatmitth. Der Korresp. theilt uns das bereits in der vor. Nr. abgedruckte Zirkulärschreiben des Oberpräsidenten Beurmann an die jüdischen Gemeinden des Großherzogthums Posen mit, und fährt fort:) So weit dieses Rundschreiben. Möchten doch statt der Worte recht bald Lhaten sprechen! Die würden alle Besorgnisse und Befürchtungen gewiß verscheuchen und starkes Vertrauen einflößen.. So lange aber trotz der gesetzlichen Gleichstellung auf der neuen Bahn die alten, morschen Scheidewände zwischen Juden und Christen, ja hie und da noch sogar die zwischen naturalisirten und nicht naturalisirten Juden faktisch noch fortbestehen und von den einzelnen Regierungen und untergeordnetenBehörden aufrecht erhalten werden, so lange kann der nun einmal so furchtsame Jude einer gewissen Angst sich nicht erwehren, zumal wenn er an das Schicksal des den Juden in den alten Provinzen so bedeutende Rechte und Freiheiten einräumenden Edikts vom 11. März 1812, so wie an das Loos der gesetzlich schon längst den Christen gleichgestellten, faktisch aber doch zurückgesetzten Juden auf dem linken Rheinufer denkt. K. München , 7. Dezember. (Privatmitth.) Der Landtag ist vor der Thüre', der wichtigste wol, den Baftrn je erlebt hat, denn er ist berufen, die Märzerrungenschaften zu sichern. Wenn schon mit Sehnsucht von allen Seiten erwartet, so kann man sich doch' auch einer gewissen Bangigkeit nicht erwehren,