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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-12-11 · Heft 51 (11.12.1848) · p. Seite 738

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 51 (11.12.1848)
Date
1848-12-11
Page
Seite 738 (sequence 14)
Language
German
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738 Sendung vorgeschlagen, und im Voraus das Wort eines zweiundneunzigjährigen Greises gegeben, daß Ihr sie übernehmet. ..." „Das ist viel, Rabbi. Das würde ich mit Niemandem wagen!" „Ich auch nicht, Abraham, ich auch nicht, außer — mit Euch." „Ihr ehrt mich sehr, aber es fragt sichob ich es kann, ob es mir erlaubt ist ... ob. .." - „Rabbi Abraham, Ihr seid gescheit und seid edel genug, um zu wissen, daß es Fälle giebt, wo es sich nicht handelt darum, ob man kann, sondern wo man muß...." „Nein, Rahbi Joseph, der Mensch muß niemals. Er wäre dann nicht Mensch. Auch wo es scheint, er muß, giebt es immer noch ein Höheres, ist immer noch ein Anderes möglich, daß er nicht muß...." „Nun, darüber lasset uns nicht streiten; ich möchte mich im Wortstreit nicht mit Euch messen; das habe ich schon erfahren.... Lieber lasset uns zur Sache kommen." Der Greis legte dem Jüngling nun die ganze Sache dar, beleuchtete die gesammten Verhältnisse, und legte ihm den Plan des Rathes vor. „Nicht so," schloß er, „nicht so, Rabbi Abraham, jetzt sehet Ihr ein, Ihr müsset. Ihr erkennet, was Großes auf dem Spiele stehet. Soll unsere Nation, vielleicht auf Jahrhunderte, wieder ausgeschlossen werden von dem Anblick jener geheiligten Ruinen, die unsere Qual , und unsre Lust, unsre Verzweiflung und unsre Zuversicht sind? -sollen wir allein, wir, denen allein dieses Land gehört, und dereinst wieder gehören wird, wir allein von ihm ausgeschlossen sein, während die Völker der Erde ihre Schritte und ihre Sehnsucht dahin richten? Und andrerseits dürfen wir jenes Schild Israels, Rabbi Juden Hallevi, zerbrechen lassen von den Händen derer, welche nach unserm Herzblut dürsten?... Sagt an, wollet Ihr uns verlassen in so großer Noch, könnet Ihr die Eurigen so verrathen? Nein, das könnet Ihr nicht, oder ich bin ein Thor, ein Irrer, ein Wahnsinniger, wie ihn die Sonne nie ärger beschienen hat..." Der Greis bog sich weit hinüber nach' der Seite, wo Abraham saß, sein Ohr lauschte, auf den ersten Ton seiner Stimme. Dieser saß lange im Schweigen. „Rabbi Joseph," sprach er endlich, und der Greis hörte den Ton der Resignation schnell heraus, „Ihr wisset nicht, was Ihr von mir fordert. Wären Euch die Blätter meines vergangenen Lebens aufgeschlagen, daß Ihr darin lesen könntet, Ihr würdet zagend anstehen, an mich jene Forderung zu stellen. Ja, Hispanien ist mein Vaterland, in Toledo stand meine Wiege. Aber es ist mir dort ergangen, ich habe dort erfahren und gelitten, daß ich mir den festen Vorsatz gestellt, nie dahin zurückzukehren. Jeder Schritt dahin, reißt eine Wunde' auf, jede Welle, die das Fahrzeug nach den gastlichen Ufern jenes Landes mit mir durchschneidet, stellt mich einer neuen Gefahr aus, nicht wol einer Gefahr um mein Leben, aber um meine Ruhe, um das Glück meiner Zukunft. Aber Ihr habet Recht, ich muß. Es ist kein Ausweg.... Also an Juda Hallevi geht mein Auftrag?.. Wie wunderbar, gerade von ihm hat es. mich fortgetrieben, und seine Schwelle soll ich betreten? ... Es wird vielen'Kampf kosten; doch mein allein ist der Kampf, und darum darf ich ihm nicht ausweichen. Ich will gehen, Rabbi, ich will gleich gehen...." Rabbi Joseph sagte kein Wort. Er hatte in der Seele des jungen Mannes gelesen, und wußte, es müsse ihr selbst überlassen bleiben. . Eines armen Pilgers Wandergerath ist leicht geschnürt. Der Abend sah unfern Abraham schon weit ab von der heiligen Stadt. Er hatte keinenAbschied von ihr genommen, denn er fühlte, er würde wiederkehren. Wann? und wie? Das stand nicht bei ihm. Und was er nicht selbst bestimmen kann, damit beschäftigt sich ein solcher Geist nicht. Das Einzige, was er mitnahm, war ein Kleinod, das Juda Hallevi einst zurAusschmückung einer Tora nach Zion gesandt. Es sollte seine Vollmacht sein. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Lübbecke, 22. November 1848. Bericht über die 8. Konferenz der Lehrer des Fürstenthums Minden und angrenzenden Kreise> abgehalten zu Geseke am 26., 27. und 28. Oktober c. In Verfolg der Bekanntmachung wegen Verlegung der Konferenz hatten sich bereits am 26. Oktbr. eingefunden:

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