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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-12-11 · Heft 51 (11.12.1848) · p. Seite 737

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 51 (11.12.1848)
Date
1848-12-11
Page
Seite 737 (sequence 13)
Language
German
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737 er ein Herz in der Brust tragen muß voll Empfindung und, Liebe. Was habe ich nicht Alles aus seiner Stimme herausgehört, wenn er sprach, und nicht glaubte, daß ich ihm zuhöre! So hat er seine Stimme in der Gewalt, und führet sie sicher durch die ganze Tonleiter, daß er viel erfahren, viel gekämpft haben muß, aber immer Sieger geblieben.... Doch wozu noch Mehreres? Den sendet...." „Wie heißt er denn? Kennen wir ihn?..." „Ec läßt sich nicht nach seinem Namen fragen. Er nennt sich nur Rabbi Abraham. Daß er diesen Titel mit Recht trägt, das sag' ich Euch. Denn eine Gelehrsamkeit besitzt er, ich will Keinen verachten, aber Wenige möchte ich ihm an die Seite stellen. Aber er verbirgt seine Familie, obgleich man dabei seiner Stimme anhört, daß er es ungern thut, aber es muß." „Rabbi Abraham aus Toledo, der jüngst im Bet hamidrasch die herrliche Auslegung am Sabbat gab?" „Derselbe." „Wird er aber die Sendung übernehmen?" „Das lasset meine Sorge sein." „Ich halte ihn für befähigt," sagte Rabbi Moise. „Unbekannt, wie er hier ist, wird seine Entfernung nicht auffallen. Er müßte auf demselben Schiffe die Ueberfahrt machen, von dem der Großmeister bemerkte, daß es in Akka bereit sei." Der Vorschlag wurde allseitig gern angenommen, das Schreiben abgefaßt, unterfertigt und dem Großmeister eingehändigt. 6. Rabbi Joseph war nach seiner Wohnung zurückgekehrt. Es war eine Hütte, die an dem westlichen Abfall des Oelbergs'klebte, und keinen weitern Vorzug hatte, als mitten zwischen dem Gottesacker der Gemeinde und den Trümmern des Tempels gelegen zu sein, an dem Orte, wohin die jüdischen Beter an jedem Freitage kamen, um eine Stunde der Andacht zwischen den großen Zeugen der Vergänglichkeit und der unsterblichen Hoffnung zugleich zu verbringen. Zwei kleine, karg ausgestattete Räume bildeten die ganze Wohnlichkeit; in -dem einen lebte das Ehepaar, das den Rabbi Joseph Vater nannte, in dem andern fand dieser und irgend ein frommer Pilger^ jetzt Rabbi Abraham aus Toledo, ihre Schlafstätten. 'Der junge Mann war nicht zu Hause; er schweifte umher kn der Umgegend der heiligen Stattaufzusuchen die Spuren der großen Vergangenheit, und die Worte der Schrift verstehen zu lernen aus den Oertlichkeiten, an welchen ihre Helden gelebt, ihre Redner gesprochen. Der Greis harrte ängstlich seiner Rückkehr, denn, so er nicht bald auf den Weg sich machte, würde er das Schiff nicht mehr im Hafen finden. Endlich vernahm er nahende Schritte. Er horchte, er merkte, den er erwartet, komme. ' Abraham trat ein. Sollen wir seine Gestalt, sein Antlitz, seine Haltung beschreiben? Wir brauchen es nicht; der Leser kennt ihn bereits aus jenem Momente, wo er in die tobenden Wellen sich warf, um die reizende Hulda zu retten. Er ttat ein, mit verschränkten Armen, das.Antlitz in-das Gewand des tiefsten Versunkenseins gekleidet. Was mochte seinen Geist gefangen halten, was seiner Brust Gefühle beschäftigen? Hier, wo jeder Stein eine lange Geschichte verkündete, jeder Baum Gedanken der Erhebung aussprach? Hier, wo die Geheimnisse des Himmels den Werken der Erde eingeprägt scheinen, und der Staub der Erde von den Lichtstrahlen des Himmels verklärt ist? Kaum war er eingetreten, als der blinde Greis ihn zu seinem Sitze berief, und ihn bat, neben ihm Platz zu nehmen. „Junger Mann!" begann jener seine Rede, „hast Du wol schon im Leben, vondery hinter Dir ein weit geringerer Raum liegt, als hinter mir, hast Du schon beobachtet, daß wir bisweilen auf Menschen stoßen, die wir noch nie gesehen, mit denen wir nie verkehrten, und die wir dennoch kennen, zu kennen glauben, und ihnen ganz vertrauen?" „Unsere Weisen, Rabbi, sprechen davon, Ihr wisset es, und auch bei einem alten Lehrer der Völker habe ich darüber merkwürdige Aussprüche gelesen. Er meint, wir hätten schon vor dieser Erde einmal gelebt, und da hätten sich Solche schon kennen gelernt. * Die Erinnerung wache auf, ohne daß das Bewußtsein sich darüber Rechenschaft zu geben vermöge...." „Ist das Aristoteles?" „Nein, Rabbi, aber dessen Lehrer, Plato genannt." „Gut. Aber siehe, Euch, Rabbi Abraham, habe'ich so gekannt. ..." „Mich? nun, Rabbi, und wie habt Ihr mich gefunden?..." , „Nun, das soll Euch gleich klar werden. Ich habe Euch so gefunden, daß ich Euch heute den Häuptern der Gemeinde zu einer großen, schweren und sehr schwierigen

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