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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-12-11 · Heft 51 (11.12.1848) · p. Seite 735

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 51 (11.12.1848)
Date
1848-12-11
Page
Seite 735 (sequence 11)
Language
German
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785 zur Stunde schon ausgeführt werden soll, wenn Ihr nicht schreibet... Der Greis schien vor den, mit starker Stimme ausgesprochenen Worten des Großmeisters ganz zusammenzustnken. Endlich raffte er sich auf, und sprach mit angstvollem Tone: „Aber um Gott, Herr, wir sind fest überzeugt, daß der hohe Orden, unser Schirmherr, nur Gerechtes verlangt: wenn es aber jenem Könige von Hispanien nicht so erscheint, wenn dieser es anders ansieht, so fordern wir ja einen Treubruch, eine Heuchelei, eine Falschheit vom Rabbi Juda gegen seinen König, seinen Gebieter und Gönner...." „Das lastet ihn nur mit seinem eigenen Gewissen ausmachen. Ihr Juden seid schlau, und wisset schon Recht und Unrecht miteinander auszugleichen. Jedenfalls sieht Juda, daß es sich hier um das Wohl, um das Heilkgthum Eurer Nation handelt, und dies wird ihm mehr gelten als eines christlichen Königs Vortheil...." „Ach, Herr, Ihr leget uns eine schwere Prüfung auf..." seufzte der Greis. „Nun, so sorget dafür, daß Ihr darin bestehet. Jetzt seid Ihr entlassen; ehe die Sonne untergeht, erwart' lch Euch wieder. Aber vergesset nicht, daß ich ein Mann von Wort bin, und nicht mit mir spielen lasse." Der Greis verbeugte sich wiederholt, und entfernte sich. Ob er aber auch leise auftrat, nicht so leise war der Seufzer, der sich seiner Brust entwand. Er war sich wohl bewußt, in welche Falle der große Wohlthäter Israels, der eben so freigebige wie talentvolle Juda Hallevi, diese ^äule des zerstreuten Juda's gerathen mußte. 5. ' Die Häupter der Gemeinde hielten eine Berathung. Ach, ihr Sitzungssaal hatte keine Aehnlichkeit mit den goldenen Sälen Salomon's, aber auch nicht einmal mit den Sälen des Synedrions zu Esra des Schriftgelehrten Zeit. Es war längst alle Herrlichkeit gewichen von Israel. Es war längst aller Muth geschwunden aus der Brust Juda's. Nicht einmal das Verlangen nach der zertrümmerten Pracht ihres Volkes war in ihnen rege. In der Nacht, die sich über sie gebreitet, glänzte nur ein Stern, der Stern des Glaubens, 'diesen nicht fallen und nicht verschleiern zu lassen. Dieser eine Stern war es, nach welchem sie das Steuer ihres lecken Schiffes richteten. Und siehe da, er verlieh ihnen Licht genug.... Durch enge, ungepflasterte Straßen, die nur zwischen den fensterlosen Hintermauern unansehnlicher, zerfallener Häuser gingen, hügelauf, hügelab, deren Reinigung allein die Güsse des Früh- und Spatregens übernahmen, wandelten die Häupten der Gemeinde auf den schnellen Ruf des Rabbi Moise in ein Sackgäßchen hinein, an dessen Ende eine lange Mauer ein kleines Pförtchen „mit einem Klopfer versehen zeigte. Wie sie kamen, wurde ihnen geöffnet; sie schlüpften über einen mit Trümmern besüeten Hof in ein Haus, dessen Giebel bedrohlich überhing. Hier durchschritten sie. einen langen, von einer Lampe spärlich erleuchteten Gang, kletterten eine steile, schwankende Leiter hinauf und befanden sich nach wenigen Schritten in einem großen Bretterverschläge. Statt des Tageslichtes brannten mehre Lampen an den Wänden des Raumes, bei deren schwachen Strahlen sie sich auf eine an den Wanden hinlaufende hölzerne Bank Niederließen. Es war, wie man sieht, kein glänzender, ja, nicht einmal ein bequemer Sitz — und dennoch die Wonne, ja der Gipfel des Ehrgeizes derer, die sich darauf niederließen. War es doch die heilige Stadt Jeruschalajim, in der diese groben Bänke standen, befanden sie sich doch nur wenige Schritte von jener geweiheten Stätte, „über die einst der Name des Herrn Zebaot genannt worden", und war es doch ein in ganz Israel beneideter Ehrenplatz, und ein Platz, der Ansprüche gab auf Vorrechte selbst im jenseitigen Leben noch. Wenn ein Volk keine äußere Größe inehr besitzt, so schwelgt es theils in der Erinnerung an seine vergangene, oder schafft sich eine Solche in seinem Innern. Dann verschmähet der Geist willig alle Zeichen der äußern Größe und ziehet sich gern in die Grenzen seiner eingebildeten zurück. Die Häupter der Gemeinde waren versammelt. Rabbi Moise ergriff das Wort, und berichtete ihnen genau über den Befehl des Großmeisters und seine Drohungen. Eine tiefe Betrübniß bemächtigte sich Aller. Der'Orden hatte sich seit seinem Entstehen so herrisch, so gewaltthätig gegen die Juden gezeigt, er hatte, seitdem dieser Stadttheil unter seine Botmäßigkeit gestellt worden, sie so vielfach geplagt und gebrandschatzt, daß sie in ihm einen Feind erkennen mußten, dessen Wachsthum durch ihre eigenen Kräfte zu.yähren — und Bedeutendes mußte ja in dem Verlangen des Großmeisters enthalten sein — die grausamste Aufgabe war. Ja, einen Augenblick war die Versammlung schon entschlossen, sich lieber ihrem Schicksale zu überlassen, als dem Verlangen des Ordens zu, gehorchen. Aber bald sah sie ein, daß dies nur ein Akt der

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