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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-12-11 · Heft 51 (11.12.1848) · p. Seite 734

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 51 (11.12.1848)
Date
1848-12-11
Page
Seite 734 (sequence 10)
Language
German
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734 einander entfernt sind — Ihr wisset also nicht, daß jener Juda der einflußreichste Rath■ des Königs Alphons von Kastilien ist, und Alles bei diesem vermag, so wie bei den Großen des Landes? Ihr wisset es nicht, und er hat doch seinen Einfluß oft.genug für die Juden geltend gemacht, daß sie in jenem Lande ihren christlichen Herren fast gleich geachtet werden? Ihr wisset es nicht, und dieser Juda, sehet, auch das weiß ich, hat ja schon Goldes und Silbers genug für Eure Armen hiechergesandt, und Kleinodien und kostbare Bücher für Eure Bet- und Lehrhäuser? Und Ihr wisset es nicht?..." Der Rabbi verbeugte sich, und sprach: „Wol weiß ich dies, aber nur vom Hörensagen, denn es ist meines Amtes nicht, Gelder u. dgl. zu empfangen, und auch Schriften, die ankommen und abgehen, laufen nicht durch meine Hände... „Nun, es mag so sein. Jedenfalls wisset Ihr es, und ich Hab' es Euch jetzt gesagt. Wohlan, Mo'ise, mein Verlangen, und dazu habe ich Euch rufen lassen, gehet dahin, daß Ihr noch heute eine Schrift aufsetzet an diesen Juda, in der Ihr ihn auffordert, so lieb ihm seine Nation, so lieb ihm der Rest Eurer Nation in dieser heiligen Stadt ist, Alles daran zu setzen, um die Forderungen des Ordens, dessen Großmeister ich bin, bei seinem Könige durchzuführen, seine ganze Macht zu verwenden, daß dem gerechten Willen des Ordens Genüge geschehe...." Der Rabbi fuhr erschrocken zurück. Es entstand eine Pause, in welcher der feste Blick des Großmeisters ununterbrochen auf dem Greise ruhete. Dieser erhob endlich seine, etwas zitternde Stimme, und sprach: „Großmächtiger Herr, ich habe eben gesagt, daß ich mitSchriften Nichts zu thun habe...." „Moffe," fuhr der Großmeister streng auf, „lasset uns mit solchen Lappalien die Zeit nicht verderben. Ob Ihr es schreibt, oder nicht, ist mir gleichgiltig; Ihr seid das Haupt derer, welche das Synedrion Eurer Nation, ober wie Ihr es nennet, bilden; Euch habe ich daher rufen lassen, um Euch meine Willensmeinung kund zu thun; wer die Schrift nun auch abfasse, das Synedrion soll dieselbe insgesammt unterschreiben, und noch heute in meine Hände legen, denn es ist ein Schiff in Akka bereit, nach Hispanien abzugehen...." „Herr, was sollen wir denn dem Rabbi Juda zu thun empfehlen? Ihr habt es mir noch nicht gesagt." „Allerdings, unbedingt die Zwecke des Ordens zu befördern, und sein ganzes Gewicht für dieselben in die Wageschale zu legen. Ist das'nicht deutlich? .. „Verzeihe gestrenger Herr, ich meine, was Besonderes wir ihm an's Herz legen sollen? Wenn mau Jemanden um Etwas bitten soll, und mehr können wir doch bei Rabbi Juda nicht, denn befehlen steht nicht bei uns, so muß man doch den Inhalt, das Maß dieser Bitte kennen. Man kann doch, nicht erbitten, dessen Kleinheit oder Größe man nicht zu ermessen vermag...." „Nun, Moise, so schlau Ihr seid, müßtet Ihr doch schon gemerkt haben, daß, wenn ich es Euch sagen wollte, ich es Euch schon gesagt hätte...." „Bitte, edler Herr, ich habe gar Nichts bemerkt...." Und der Rabbi Mo'ise nahm wirklich eine Miene an, als wenn er nicht im Stande wäre, irgend Etwas zu merken. ' „Rabbi Mo'ise," begann der Großmeister mit scharfer Betonung, indem er sich erhob, und in imponirender Stellung dem gebeugten Greise gegenübertrat, „Rabbi Mo'ise, ich will Euch ein Anderes fragen. Wisset Ihr, wo Ihr hier stehet?" „Wie sollt' ich nicht, gebietender Fürst. ..." „Ich meine nicht, vor wem Ihr stehet, in welchem Gemache u. dgl.; ich meine vielmehr, auf welchem Grund und Boden. Es ist der Grund und Boden, auf welchem einst jener heilige Tempel stand, den Eure Gläubigkeit aufbauete und den Eure schnöbe Ungläubigkeit zerstörte. Es ist der Grund und Boden, den Eure Nation viele Jahrhunderte nicht berühren, kaum von ferne betrachten durfte, den das Schwert der Christenheit dem Muselman entriß, und der jetzt sammt dem ganzen Viertel der heiligen Stadt, den Eure halsstarrige Gemeinde bewohnt, unter meiner, des Tempelordens Botmäßigkeit stehet. Wohl, so merket nun, Morse, was ich Euch sage. Ihr schreibet an jenen Juda: er solle sofort den Willen des Ordens mit aller Kraft und aufrichtig unterstützen, oder, im Augenblicke, wo mir das Gegentheil zugesichert wird, werde ich, der Großmeister, alsbald Eure ganze Nation aus Jerusalem verbannen und herausschaffen, Eure Habe aber den dienenden Brüdern des Ordens überweisen. Dies schreibet ihm; und damit Ihr es aus vollem Herzen schreibet, so nehmet jetzt, mein Ehrenwort, daß es nicht bloß leere Drohung ist, sondern geschehen soll, so wahr mir der Erlöser helfe! Und damit Ihr es schreibet, und das Schreiben noch heute in meine Hände leget, fo sichre ich. Euch zu, deß jene Drohung morgen

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