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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-12-11 · Heft 51 (11.12.1848) · p. Seite 733

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 51 (11.12.1848)
Date
1848-12-11
Page
Seite 733 (sequence 9)
Language
German
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733 Belletristisches. Üjkjwitk und Jerusalem. Novelle aus dem zwölften Jahrhundert. (Fortsetzung aus No. 47. so.) 4. Wir müssen unsere Leser bitten, ein Jahr vor den Ereignissen, über die wir bis jetzt berichtet haben, zurückzusch'lagen. In dem großen Palatium an der Südseite des Hofes der den Tempelberg von Jerusalem zum Theil bedeckte, in einem kleinen Gemach saß vor einer, mit Pergamenten bedeckten Tafel der Großmeister des, erst wenig über ein Viertel Jahrhundert bestehenden, über schon mächtig herangewachsenen Tempelritterordens. Er war zwar in ein Hauskleid aus Sammet gekleidet, aber das ungeheure Schlachtschwert stand dennoch, wie zur Wacht, oder zu beständiger Mahnung, an den Sessel gelehnt, und der weiße Mantel mit dem blutrothen Kreuze hüllte die Gestalt ein. Es mochte Vielen schaurig zu Muthe sein, die in das Antlitz dieses, dem Alter naher als der Jugend stehenden Ritters blickten. Nicht etwa daß Bosheit und Hohn ihre Furchen in dasselbe gegraben und ihren unstätten Ausdruck in seine Augen gelegt hätten — vielmehr konnte es Niemandem entgehen-, daß Hoheit, ja Majestät auf diesem Gesichte ihren Sitz aufgeschlagen. Die hohe Stirn, von Silberlocken umkränzt, das große, blaue Auge, die Adlernase, der feine Mund, die ebenen Züge, die sich selten bewegten, machten den Eindruck der Sicherheit und Festigkeit. Die ganze, hohe und doch gedrungene Gestatt stand gewöhnlich in einer Haltung da wie ein Fels, um den Sturm und Welle vergeblich tobt. Aber eben diese Felsenfestigkeit ließ auch ahnen, daß hier kein sanfteres Gefühl, kein Mitleid und keine Barmherzigkeit wohnen; daß hier einmal gefaßte Pläne mit eisenstarrer Konsequenz ohne Scheu vor irgend welchen Mitteln verfolgt würden, und diese Plane nimmer der Einzelnen, der Menschen Wohl betrafen, sondern allein die Ideen dieses schöpferischen Geistes. Nachdem der Großmeister längere Zeit Schriften gemustert, einige auch mit seiner Unterschrift versehen hatte, ergriff er-einen kleinen silbernen Hammer-, der ihm zur Seite lag, und klopfte damit dreimal auf den Tisch. Ein Knappe erschien. Der Großmeister richtete an ihn die Frage: „Ist der Rabbi Moise noch nicht gekommen?" - „Allerdings, Erlaucht, er harret bereits eine Stunde im Wachtzimmec," war die Antwort. „Lasset ihn hier ein treten " Der Diener entfernte.sich, und bald öffnete sich die Pforte wieder, und ließ einen bejahrten Mann in dunkler Robe ein, der, leise auftretend, durch die möglichst geringste Oeffnung der Thüre hereinschlüpste, sich dicht an die Seite derselben stellte, und so lange mit Verbeugungen nicht aushörte, als bis der Großmeister das Wort ergriff. „Tretet etwas näher, Rabbi Morse," begann dieser. > Der Angeredete that dies, aber nur um wenige Schritte. „Fürchtet Euch nicht," fuhr er fort, „ich habe Euch nur um ein kurzes, friedliches.Wort zu mir bescheiden lassen." Der Rabbi antwortete durch abermalige Verbeugungen. „Der Großmeister hob nach einer Pause an. „Kennet Ihr den Rabbi Juda, Hallevi genannt, zu Kordova in Hispanien?" „Persönlich nicht, hochgebietender Herr!" „Aber Ihr stehet doch in Schriftwechsel mit ihm?" „Ich nicht, großmachtiger Ritter." „Was wisset Ihr denn von ihm?" „Es ist mir zugekommen sein großes, herrliches Werk, Kusari benamset, ein Quell der Weisheit und der Gottesfurcht, ein Brunnen des Scharfsinns und der Gelahrtheit, eine Zysterne des Lebens und des Heiles: der Herr segne ihn dafür." „Danach frage ich nicht; wisset Ihr nicht vielmehr, welche Stellung er einnimmr, welch Gewicht seine Stimme hat im Rathe der hispanischen Fürsten?" „Es ist mir wol dies und jenes zu Ohren gekommen, gestrenger Herr, was mir Pilger erzählten, als sie die Schrift, Kusari benamset, mir überbrachten; aber der Weg ist weit von Jeruschalajim nach Tacschisch, ein großes, furchtbares Meer liegt dazwischen; Jahre vergehen zwischen Abreise und Ankunft, und es ist ’ Euch nicht verborgen, hochedler Großmeister, daß die menschlichen Dinge sehr vergänglich sind, und der lebendige Gott heute erhebt und morgen stürzt, heute belebt und morgen tobtet." „Ihr scheint mir auszuweichen, Rabbi. Ich liebe nicht allzuviele Worte, wenn man mit wenigen aüskommen kann, und besser. Ihr wisset also nicht, und man sollte dies kaum glauben, da doch die Juden durch alle Lander der heiligen Christenheit fast wie eine lange Kette Zusammenhängen, deren einzelne Glieder sich berühren, und wenn auch die Enden der Kette noch so weit von- 51*

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