Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 51 (11.12.1848)
- Date
- 1848-12-11
- Page
- Seite 732 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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losgesagt, doch losgemachl haben, d.h. sie dle Dekrete derselben zu vollführen in ihrer eigenen Macht gelegen glauben — was dann? Dann wird es immer wieder auf die Verhältnisse in den einzelnen Staaten ankommen, und/d.aß diese meist-noch sehr fraglich sind, wer weiß -es nicht? Daß die deutsche Reichsversammlung auf Oesterreich keinen Einfluß mehr hat, ist ausgemacht. Welchen Einfluß sie auf Preußen haben werde, ist aus mehr als einem Anzeichen sehr ungewiß. Sie hat auch in der preußischen Angelegenheit nur sehr vermittelnd gehandelt, und diese Vermittelung ist von keiner. Seite anerkannt und berücksichtigt worden. Die spezifischen Preußen waren nie für diese Versammlung, und die Fraktionen der Linken hegen jetzt keine Sympathieen für sie. Hat aber die Versammlung ihre Autorität über Oesterreich und Preußen verloren, wer wird in Deutschland sich ihr noch beugen? Sachsen hat sich offen darüber erklärt; die anderen Staaten werden, solang ihr Interesse damit verknüpft ist,, ihr gehorchen. Somit ist Alles mehr als in's Ungewisse hinausgestellt, und welche Erfolge die Verhandlungen auch für uns haben werden, ist sehr unsicher. Jndeß das Eine tröstet uns: rückwärtsschreiten kann keiner dieser Staaten.. Also übler als vor dem Marz kann es nicht werden, und somit müssen wir das Weitere abwarten. Das ist freilich ersichtlich, daß, wenn demnach der Streit nicht im großen Ganzen abgemacht werden kann, sondern im Einzelnen sich wieder entzündet und abwickelt, wir auch darauf gefaßt sein können, daß sich die retrograden Parteien wieder gewaltig erheben werden, und somit unser Lauf sehr aufgehalten werden kann. Aber auch das soll uns nicht erschüttern. Vorwärts sind wir gekommen, und soweit, daß ein Rückschritt nur sehr zeitweise möglich ist. j. : Literarische Nachrichten. Magdeburg» l. Dezember. Erinnerung und/ Hoffnung., Zwei Neujahrspredigten von Di;. Salpmon Friedlander. Leipzig, 1848. Der Redner spricht in der ersten Predigt über die Erinnerungen, die sich an den Ablauf, dieses Jahres knüpfen,, in dev zweiten über die Hoffnungen, mit welchen ysirdas neue Jahr beginnen sollen, und zwar über Beide 1) für Uns und' unsere Familien, 2) für unsere Gemeinde und Israel, 3) für das Vaterland und die Menschheit. In den ersten Theilen bespricht er die Familienverhältnisse, in den zweiten insbesondere die Verbesserung des Gottesdienstes, in den dritten die staatlichen Umgestaltungen. Sehen wir so die beiden Predigten sich natürlich und schön aufbauen, so können wir auch die Ausführung nur eine gelungene nennen, die in warmer, strömender Sprache den Hörer fesselt und befriedigt. Im Speziellen hätten wir nur gewünscht, daß der Redner noch etwas tiefer auf seine Gegenstände eingegangen, und bestimmtere Anschauungen zu Tage gefördert hatte. Bezüglich der Sprache laßt sich der Redner noch etwas zu sehr gehen, und wenn er im Allgemeinen uns den. Strom der Rede etwas mehr mäßigen zu müssen scheint, so daß er weniger berausche, aber tiefer wirke, so gestattet er sich im Einzelnen noch öfter unedle Ausdrücke, die mit dem sonstigen schönen Schwünge seiner Rede nicht Harmoniken. AB. „ein leichter Streifschuß ist es, an dem wir sterben"; „ich wollte, daß auch wir für die Rechnung des Lebens die doppelte Buchhaltung so gut verständen"; „dieses Jahr hat uns ein vollgeschriebenes Stammbuchblatt, ein ganzes Album hinterlassen". Wir bemerken dies desto eher, da der Redner in der tüchtigsten Entwickelung begriffen ist. — Trauerworte an der Bahre des rc. Herrn Schönwald rc. gesprochen von Landsberg, Oberrabbiner inZülz. Neustadt, 1848. Recht gefühlvolle und sinnige Worte, die dem Verblichenen ein ehrendes Denkmal setzen. — ^10173 mnsin. Sittenbüchlein für Kinder von Campe. In's Hebräische übertragen von David Sa mos tz. Zweite verbesserte, mit Punktationen versehene Auflage nebst deutschem Textr Breslau, 1846. Sehr wackere Uebertragung eines Schriftchens, das noch immer bleibenden Werth hat. Für diejenigen Jünglinge, welche das Hebräische auch über die Schrift hinaus studiren^ wird es eine gute Uebung abgeben, diese fließende und leichte Uebersetzung durchzugehen, und mit dem Texte zu vergleichen. Leipzig, 2. Dezember. Soeben ist die 3te Lieferung des 3ten Bandes des Philippson'schen Bibelwerkes, enthaltend Psalm 28 bis 42, fertig geworden.