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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-12-11 · Heft 51 (11.12.1848) · p. Seite 731

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 51 (11.12.1848)
Date
1848-12-11
Page
Seite 731 (sequence 7)
Language
German
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731 Wien, 29. November. (Privatmitth.) Welch' eine Zeit liegt hinter uns, seitdem Sie den letzten Artikel aus Wien in Ihrer Zeitung gegeben, und — heute? Doch lassen Sie auch mich über die Vergangenheit schweigen. Es ist jetzt nicht an der Zeit, die Einzelnheiten zu schildern; später wird es angemessen sein, auf diese verhängnißvollen Wochen zurückzublicken — dann wird der Schleier gelüftet, der auf Vielem ruht, und die Geschichte wird Richterin sein. Fragen wir vielmehr, welch' eine Zeit liegt vor uns? Ich muß Ihnen sofort gestehen, daß ich durchaus nicht schwarz sehe. Es ist n ich t möglich, daß man sich ganz wieder auf den Standpunkt vor dem März versetze; der Paroxysmus wird vorübergehen, und dann sich zeigen, daß noch viel mehr Wurzel geschlagen, als man in diesem Augenblick glaubt, und daß selbst die Gegner die Forderungen der Zeit nicht verleugnen können. Es sind Konzessionen gemacht, die nicht widerrufen . werden können. Und diese Konzessionen werden von selbst weiter führen. Gebe der Himmel, daß diese Entwickelung eine gesunde werde. Was man auch sagt, zu leugnen ist es nicht, daß die Revolution sich überstürzt hatte, daß daher eine Reaktion in der Natur der Sache lag, die aber niemals die Sache des Rechts aus lange Zeit.aufzuhalten vermag. Der Beweis liegt vor uns. Das neue. Ministerium „Fürst Schwarzenberg" hat dem Reichstage sein Programm vorgelegt, und in demselben ist Gleichheit der Staatsbürger vor dem Gesetze ausgesprochen, ohne daß auf das Glaubensbekenntniß irgend ein Akzent gelegt worden. Wird dieser Standpunkt aufrichtig festgehalten, dann steht für die Dauer Nichts zu befürchten. Denn die Konsequenzen können nicht ausbleiben. — Freilich wird Oesterreich seinen eigenen Weg gehen, und Sie werden uns bald wieder außerhalb der Rubrik „Deutschland" bringen müssen. Aber es ist natürlich. Die siegreiche Partei will aus Grundsatz Nichts von Deutschland wissen, und die Parteidie unterlegen, hat zu tief empfunden, daß auf das. zerrissene, schwankende Deutschland gar kein Verlaß ist — was sollen wir also damit? . Was daher in Oesterreich deutsch ist, das muß sich Zusammenhalten, und. kann seine Kräfte nicht auf Deutschland zersplittern. Wir müssen für uns selbst stehen. Entschuldigen Sie und Ihre Leser, wenn mein Schreiben voller Politik ist. Wer kann jetzt etwas Anderes, als politisiren? Ist nicht unsere, der Juden, Sache mit dem allgemeinen Zustande völlig verwachsen? Ehesten wir nicht Freud' und Leid, Sieg und Niederlage mit allen Menschenbrüdern? Es ist eine Zeit, in der sich eine lange Zukunft gebären will — wie könnte man sich ihr entziehen? Wie gesagt, über die Vergangenheit behalte ich mir einen ausführlichen Bericht vor. Wann dieser aber gegeben werden könne — das weiß ich freilich jetzt selbst nicht. Seien Sie froh, daß Sie nur erst wieder-ein Schreiben gesehen haben. Aus Ungarn können Sie noch lange nicht daran denken. Frankfurt am Main, 1. Dezember. (Privatmitth.) Wer jetzt eine Korrespondenz beginnt, der weiß wahrlich nicht/'womit er beginnen solle. Ich war wahrhaftig schon entschlossen, über die Chaliza zu schreiben, wie ihr Hamburger Korrespondent angeregt hat — aber die Feder stockte, als sie sich eben in Bewegung setzen wollte. Dann wollte ich über die Vorsynode schreiben, aber ich wurde sofort müde, weil ich dachte, darüber wird zur Zeit Gedrucktes erscheinen. Ich bildete mir endlich eines wäre Ihnen gelegen, über die konstituirende Versammlung des frankfurter Staates Etwas zu erfahren — aber von der weiß ich selbst Nichts. Es ist Alles stille/von ihr. Die Vorbereitungen sind noch nicht weit genug gediehen. Ehe ich mir es also versah, war mir aller Stoff genommen, und der Geist, der jetzt Alles durchdrungen, trug auch mich von dannen. Es ist bereits mehre Male in Ihrem Blatte darauf hingedeutet worden, daß die deutsche Reichsversammlung an Ansehen immer mehr verliere. Es ist hier nicht der Ort, die angeblichen Ursachen zu untersuchen — aber sicherlich haben wir Juden es sehr, sehr zu bedauern, und werden die Folgen schmerzlich empfinden. In einigen Tagen wird die zweite Lesung der „Grundrechte" vor sich gehen. Es ist allgemein bekannt, daß dieselbe viele Veränderungsvorschläge erhalten wird. Allein es ist nicht denkbar, daß sie hinsichtlich der Gleichstellung der Konfessionen, d. h. der Nichtberücksichtigung des Glaubensbekenntnisses in den politischen Verhältnissen eine andere Bestimmung bekommen werde, als die bereits getroffene. Möglich, daß sie die Stellung der Kirche noch etwas modifizirt. Aber wenn nun erst diese Grundrechte Gesetzeskraft erhalten haben werden, und wenn unterdeß die Einzelstaaten sich von wer unbedingten Autorität der deutschen Reichsversammlung losgesagt, und wenn nicht

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