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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-12-11 · Heft 51 (11.12.1848) · p. Seite 730

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 51 (11.12.1848)
Date
1848-12-11
Page
Seite 730 (sequence 6)
Language
German
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730 bewährt; durch den letzten Ministerwechsel aber sich mindestens auf ein passives Gewährenlassen herabzustimmen geneigt sein mag. — Vertrauen ist übrigens ein Ding, das errungen, verdient sein will, und trotz aller Versprechungen schwer dem zuzuwenden, der es öfter getäuscht. Der vollständige Begriff desselben ist ein a prioristischer, gerechtfertigter. — Wenn aber auch hinwiederum die Wiederherstellung des Vertrauens-im Allgemeinen zur Hebung des mit jedem- Lage immer mehr sinkenden Gewerbelebens und möglichster Abwendung seiner Folgen, nothwendig erscheint: so möchte der Materialismus, der wie es scheint von der moralischen Kraft dermalen noch nicht bewältigt zu werden vermag, weniger zu beklagen sein, als eben dieser Mangel an moralischer Kraft Seitens derer, die jenen mit Gewalt zu erdrücken wahnen. Wir sprechen hier durchaus vom allgemeinen volkstümlichen Standpunkte aus, weil wir es nun einmal nicht anders vermögen, als.zum Volke gehörend uns anzuschauen. Es laßt sich nimmermehr die so tief in's Volk eingedrungene wahre konstitutionelle Idee niederwrangeln; wol einschüchtern, Niederhalten auf kurze Zeit; aber man braucht eben nur die Zeit zu verstehen und den Weltgeist zu kennen, um nicht zu verzagen. Die zu straff angezogenen Strange platzen, müssen platzen früher oder später: — Kommen wir wieder auf die Juden zurück, so wissen wir selbst es am Besten, daß es eitel Verleumdung ist, die uns republikanischer Bestrebungen zeihen und sophistisch aus dem Haß gegen den Druck deduziren will, den die Machthaber bisher auf unsere unschuldigen Schultern gebürdet. Ja wir müssen es geradezu als Feigheit bezeichnen, wenn allzuängstliche Gemüther aus der Aeußerung Jacoby's Unheil für die Juden prognostiziren wollen. Indem, ganz dahingestellt, ob wir uns im Allgemeinen damit einverstanden erklären oder nicht, doch Jedermann zugeben muß, daß Jacoby nicht als Jude, nicht für dieselben, noch als ausschließlicher Vertreter derselben, sondern als Deputirter Berlins, als Deputirter der Nationalversammlung, _ in der etwa kaum zum hundertsten Lheile Juden Mittagen, gesprochen. — Weg darum mit aller unzeitigen Furcht und Aengstlichkeit! Vertrauen wir auf die Zeit! vertrauen wir aber auch zunächst aus den, der die Herzen der Könige lenket! X. Bemerkung der Redaktion. Wir müssen Obigem hinzufügen, daß allerdings in der Provinz Sachsen kein dergleichen Zirkularschreiben ergangen ist, was wir doch wissen müßten, da dasselbe für die Juden bestimmt ist: Aus anderen Provinzen ist uns durchaus Nichts dergleichen zugekommen. Die . Bemerkungen unsers Herrn Korrespondenten gewinnen dadurch an Kraft. Aus Westphalen, 1 Dezember. (Privatmitth.) Die jüngste Lehrerkonferenz zu Geseke hat einen Gedanken angeregt, der uns sehr nützlich erscheint. Sie hat den Vorschlag gemacht, zu der nächsten Konferenz die Gemeindevorsteher ihres Bezirkes einzuladen, um mit ihnen gemeinsam die Verbesserung des Gottesdienstes zu berathen, um so wirksam für denselben Maßregeln zu treffen. Es ist dies von wesentlichem Nutzen, und es muß dringender Wunsch sein, daß .die Herren Vorsteher sich dazu bereitwillig finden, und der Einladung Folge leisten. Wir sprechen nicht davon, daß durch ein solches harmonisches Zusammenwirken die Stellung des achtenswerten Lehrerstandes gewinnen muß, aber es empfiehlt sich der vorgeschlagene Weg als höchst praktisch für die Sache selbst. Zuerst kommen dadurch die Vorsteher selbst zusammen, und es wird dadurch eine Verbindung unter den Gemeinden eines Landstrichs ungebahnt, deren bisheriger Mangel die eigentliche Ursache des Verfalls ist. Nur vereint können wesentliche Schritte geschehen, und wo . Einer an den Andern sich lehnt, da tritt er, gestützt auf gemeinsame Beschlüsse, vollgiltig auf. Dann aber wird die Sache der gottesdienstlichen Verbesserung von Neuem, bei Vielen ganz §eu angeregt, und dadurch Leben hineingebracht. Endlich kann das Zusammenwirken der Vorsteher und Lehrer nur vortheilhaft sein, da jene die Anordnenden, diese die Ausführenden sind. Wir geben daher diesem Plane den unumwundensten Beifall, und wünschen nur, daß derselbe auch ausgeführt werde, daß er nicht an der Lässigkeit und Vornehmthuerei der Vorsteher scheitere. Mögen die Vorsteher jenes Bezirkes bezeugen, daß sie nicht blos Geld aufzunehmen und auszugeben verstehen, sondern daß sie das Beste ihrer Gemeinden wirklich im Auge haben. Bis jetzt fehlte es ihnen an einem Vereinigungspunkte, dieser wird ihnen hierdurch geboten. Jndeß, werden auch anfänglich nicht Viele erscheinen, um so mehr Ehre denen, die erscheinen werden, und wachsen wird es dann schon!

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