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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-12-11 · Heft 51 (11.12.1848) · p. Seite 727

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 51 (11.12.1848)
Date
1848-12-11
Page
Seite 727 (sequence 3)
Language
German
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737 Zeitungsnachrichten. Frankreich. Aus dem Msaß, im November. (Privatmitth.) Erwarten' Sie von mir keine Neuigkeiten. Es giebt für uns, als Juden, keine Neuigkeiten, hier wenigstens. Soll ich'Ihren Lesern erzählen, wie hier ein Jude Bezirksrath, dort Maire, dort sogar Volksvertreter geworden? Das ist Alles seit Jahren dagewesen; es wechseln nur die Namen, höchstens steigt oder fallt die Zahl. Oder soll ich Ihnen vom allgemeinen Geiste berichten? Nun, der ist auch derselbe geblieben.. Im großen Ganzen das Gesetz der Gleichheit; im kleinen Einzelnen, bald etwas mehr, bald weniger Duldung und Anerkennung, bald wieder etwas Vorurtheil und Gehässigkeit. Ob Ludwig Philipp auf dem Throne sitzt, ob die Republik ihren dreifarbigen Mantel um Frankreich geschlagen, in dieser Beziehung werden die Menschen durch eine veränderte Staatsverfaffung nicht anders. Wir haben in Frankreich erreicht, was wir erreichen konnten, das Andere muß dem Strome der Entwickelung überlassen bleiben. Im alten Europa fängt sich Nichts von Neuem an, es sprießt , und treibt Nichts frisch und neu aus demalten durchackerten Boden r daher verliert sich Etwas nur sehr langsam, und schafft sich Alles nur sehr langsam. Die Menschen bleiben dieselben. Was unsrer Zeit nun einmal eigen ist, das ist der Mangel an allem Enthusiasmus, an aller wahren, feurigen Begeisterung. Ich meine eine Solche, die den ganzen Menschen ergreift, ihn unwiderstehlich hinreißt, und ihn fort und fort beherrscht.. Der entwickelte, zersetzende Verstand hat das Gewebe des Gewüthes auseinander gefasert. Es erfaßt uns wol einmal eine Idee, der wir anhangm, um deren. Verwirklichung wir uns mühen; aber es muß gleich Alles fertig sein; und wehe! wenn es fertig ist —dann sind wir gleich nüchtern worden, und wir haben es erst recht verloren, sobald wir es gewonnen haben. Derjenige daher, der an seinen Gegenstand nicht immer eine neue Idee für die Menschen zu knüpfen weiß, steht bald verlassen und vergessen da. Meinen Sie, wir schwärmen für die Republik? Ich glaube nicht, daß in Frankreich jetzt eine andere Regierungsform möglich ist; ich glaube fest, wenn nur die Steurer des Staatsschiffes es verstehen, die Repubik über die ersten Jahre, ohne die materiellen Interessen zu großen Stürmen auszusetzen, zu bringen, dieselbe dauernd in Frankreich sein werde, weil sie zu oft den Reiz der Aufregung durch Wahlen, Wahlkampf rc. schafft, als daß die Franzosen nicht daran Gefallen finden sollten, und weil sie dem persönlichen Ehrgeiz alle Schranken öffnet. Sind daher nur erst die Formen etwas eingewurzelt, innerhalb derer man sich zu bewegen hat, so entspricht sie dem Geiste des Volkes am Meisten. Aber schwärmen für die Republik — nein! das nicht. Unsere Zeit hat eben Nichts-mehr, wofür sie schwärmen könnte; die Vergangenheit.hat Alles aufgezehrt. Auch die Begeisterung für die . Freiheit findet nicht mehr statt, weil man die Freiheit hat; man ist in ihrem Besitze, folglich läßt, man sie sich nicht rauben, aber ist ruhig. Wenden wir dies auch auf die Religion an. Man ist erschlafft für dieselbe, und ist nicht im Stande, dem Geiste der Religion einen neuen Aufschwung zu geben. Man bewegt sich entweder in den alten, hergebrachten Formen, oder man setzt sich über die Religion ganz und gar weg. Dies ist der Charakter, den das Judenthum in Frankreich seit lange eingenommen. . Der Franzose ist zu wenig Metaphysiker, um in den tieferen Lehren der Religion Befriedigung zu finden, sie daher zum Gegenstände seiner Forschung zu machen, und sich so für sie zu beleben. Er ist aber auch so leichtfertig, daß, hat er sich einmal über gewisse Schranken hinweggesetzt, kein Haltens mehr ist. Aus beiden Gründen verbleibt er daher länger als Jemand innerhalb dieser Formen; hat er sie aber einmal durchbrochen, so sind sie für ihn gar nicht mehr da. Darum steht sowol das Judenthum als der Protestantismus in Frankreich ganz still; der eine, allerdings der Zahl nach noch größere Theil verbleibt beim Alten, der andere Theil ist weit ab von ihm. Jener, in Deutschland große mittlere Theil, der nach Reform des Alten drängt, ohne tabula rasa machen zu wollen, ist in Frankreich höchst unbedeutend. In der katholischen Kirche findet bei uns eher Belebung statt, aber eine sehr äußerliche. Da giebt es nämlich Ehrgeiz, niedere und hohe Stellen; da giebt es Herrschsucht, indem die Kirche ihre alte Herrschaft noch immer nicht vergessen kann, und von Zeit zu Zeit ihr Haupt wieder erhebt. Wird diese,- wie es in einer

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