Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 50 (4.12.1848)
- Date
- 1848-12-04
- Page
- Seite 722 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225551-3225602--09838-3238123- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
m heiligen La ritze, was wollt Ihr iw fernen Hispanien am andern Ende der Erde?..." Der Komthur war überrascht von dieser Frage. Aber er erhob bald das gesenkte Haupt. „Die Frage gehört kaum hierher, denn, wenn der BesitzArragoniens unser -gutes Recht ist, wer hat danach zu fragen, was wir damit wollen? Der Orden, groß und stark, muß noch größer und starker werden, um all seine Macht gegen die 'Ungläubigen wenden zu können, die der Satan mit großer Stärke ausgerüstet hat. Also, Majestät, kurz die Frage: gedenkt Ihr uns ArragoNien zu übergeben? Wir sind hierzu allein hergeßommen...." „Run so werdet Ihr," fuhr hier der König auf, und erhob sich schnell von seinem Throne, „leer wieder von dannen ziehen. Wie, Ihr glaubt, ich werde Euerm herrschsüchtigen Orden sich in meinem schönen Hispanien einnisten lassen, um bald der Maulwurf in der Fabel zu sein? Ihr habet-hier Nichts zu suchen. Ihr sollet gegen die Feinde des heiligen Grabes kämpfen, aber nicht gute Christen beherrschen.. Ihr habet das Gelübde der Avmuth und Enthaltsamkeit abgelegt, nun so wollet Euch nicht bereichern, und enthaltet Euch vor Allem dessen, was Anderen gehört...." Der Komthur hörte die Donnetrede des Königs erst erblassend vor Aerger an, bald aber faßte er sich, ein Lächeln der Verüchtung spielte um seinen Mund. Als der König vollendet, trat, er einen Schritt vor, und sprach gemessen: „Alphons von Kastilien, wollet Ihr das Wort eines sterbenden verhöhnen?..." „Wenn der Sterbende vergiebt, was dem Lebenden gehört, wenn er den rechtmäßigen Herrn beseitigt, und halbe Psasiett zu Herren einsetzt, so ist sein Wort nicht gesprochen..;." „Rechtmäßig?" erwiderte der Ritter, „Ihr habt Arragonien mit der Schärfe des Schwertes genommen, Ihr -werdet -es durch die Schärfe des Schwertes verlieren...." „Nun, so kommt, und holet.es Euch...." „Ist dies-Euer letztes Wort?..." ' ,Mein letztes.... Uebrigens, meine Herren," fetzte er Hinzu, „habt Ihr sonst Etwas zu verhandeln, so wendet Euch im meinen Rath Juda, der. hier zur Stelle ist..." „Mit Eurem Rath Juda?" f^hr der Komthur auf, und wütf das stolze Haupt in den Nacken, „wir verkehren mit Angläubigen nicht." „Wie Ihr es halten wollet," erwiderte der König. »Zch ehre, >wer mir beliebt. Ihr seid entlassen." Der Komthur schien noch sprechen zu wollend /Er riß an seinem Eifenhandfchuh, daß es rasselte. Da Wat Einer seiner Begleiter an -ihn heran., und raunte ihm einige Worte i-n's Ohr. Der Komthur machte-eine kürze Verbeugung, wandte sich, und ging -von dannen. Die Anderen folgten ihm. Der König erhob sich, von seinem Throne. Er -warf befriedigte Blicke um sich, sprach noch zu einigen Personen, unter denen Juda ein sehr gnädiges Lächeln erhielt, und entfernte sich mit der Königin, so wie er gekommen. Weniger befriedigt schienen die meisten Anwesenden. Juda fühlte sein Herz bewegt, da er -empfand^ wie ihn der König nur zum Werkzeug der Demükhigung gegen -den stolzen Ritter gebraucht; dir anderen Räche und Ritter billigten die schnöde Abfertigung des mächtigen Ordens nicht. 3. Der Komthur von Beaumont hatte Kordova wieder verlassen. Doch waren zwei aus seiner Begleitung zurückgeblieben, der Rätter von Hersfovd, ein iättlicher, kluger Herr, derselbe, welcher -dem Komthur bei der königlichen Audienz zu Gute gesprochen, und -der Jüngling, dessen wir schon erwähnt hatten. Dieser schien noch nicht in den Orden eingetreten -zu -sein, denn er zeigte sich niemals mit dem Ordensmantel bekleidet, sondern mochte nur die Gesandtschaft, sei es, um dieselbe zu vergrößern, sei es aus Reiselust., begleitet haben. Wald wurde es bekannt, daß er ein Neffe des Komthurs fei-, der feine Sporen und die stattliche Narbe iin einem Heißen Gefecht mit den Sarazenen, unter den Befehlen seines Oheims, erworben, aber', der einzige Sprößling seiner Linke, rund Erbe großer Besitzthümer, dem Orden nicht angehören solle, vielmehr -lediglich aus Thatenlust sich dem Heere der Tempelritter aNgefchloffen habe. Was die beiden zurückgebliebenen -Ritter trieben, war in geheimnißvolles Dunkel gehüllt. Man wollte dm Ritter von Hersforb mehrmals im Dunkel der Nacht in der Burg, auch im Haüfe Juda's gesehen haben. Arthur von-Beaumont hingegen zeigte sich oft genug öffentlich, nahm an allen. Belustigungen Theil, und zeigtesich in -der Kunst -der KourroLsieebenso geschickt und befähigt, wie er -auf dem Schlachtfelde sich bewiesen Hütte. , Die Königin gab in ihren Gemächern ein großes Banket mit einem Balle/ Auch die Herren vom Orden