Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 50 (4.12.1848)
- Date
- 1848-12-04
- Page
- Seite 721 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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ten in ihm die Uebersicht; der Saal lief nicht einmal gerade aus, sondern die vier Mauern bildeten spitze und stumpfe Winkel. Die Spitzfenster an der Vorderwand, obschon sie bis auf den Boden heruntergingen, gaben durch ihre kleinen, runden, in Blei eingefaßten Scheiben kein allzuhelles Licht. Der Thron war für die beiden Majestäten aufgeschlagen, mit Purpursammt überzogen, mit Goldstickereien reichlich'versehen. Zur einen Seite standen glänzend gerüstet die Räche und Ritter des Königs, unter denen die hohe, magere Gestalt Juda Hallevi's in einfacher, schwarzseidener Robe aufsiel; zur andern der Hofstaat der Königin, aus den edelsten, blühenden Jungfrauen zusammengesetzt, an deren reizenden Gestalten eine Fülle von Edelsteinen schimmerte. Der König und die Königin erschienen, Beide im vollen Königsschmuck, mit Kronen auf den Häuptern, der König üiit goldenem Zepter in der Hand; vor ihnen her trug ein Marschall das blanke Reichsschwert; eine laute Fanfare begleitete ihren Einzug. Die Audienz war eröffnet; ein Herold lud die draußen harrenden Gesandten ein, vorzutreten. Aller Blicke waren auf den Eingang gerichtet. Die Pforte öffnete sich, und eine mächtige Gestalt, in Stahlrüstung gekleidet, ohne irgend einen Schmuck, den weißen Mantel mit dem rochen Kreuze umgeschlagen, erschien, der Komthur von Beaumont. Ihm folgten drei Ritter, unter denen eine ju- - gendliche Gestalt die Blicke auf sich zog, das edele Haupt mit blonden Locken umgeben, aber auf der weißen Stirn eine große, querlaufende Narbe, Zeugniß gebend von der Tapferkeit des Jünglings, die gefahrvollen Kampf siegreich bestanden. Die Gesandten traten vor. Lautlose Stille herrschte. Da erhob der Minister des Königs seine Stimme und sprach: „Sr. Majestät, der hochgebietende König von Kastilien, Navarra und Arragonien, Alphons der Achte, gestattet Euch, edle Herren, das Wort." Nach einer kurzen Pause begann mit dröhnender Stimme, die des Schlachtrufes gewohnt war, der Komthur von Beaumont: - „Wir müßten Protest einlegen, im Namen unsers heiligen Ordens, gegen den Titel von Arragonien, der eben ausgesprochen. Doch soll uns ein Namen, ein Laut nicht aufhalten, wo es die Sache gilt. Euch, König von Kastilien, habe ich, Komthur von Beaumont, Gruß zu entbieten von Michael, Großmeisters des heiligen Tempelordens, Grafen von Saint-Gölas. Es kann Ew. Majestät nicht unbekannt sein) daß Euer in Gott ruhender Vorfahr, Alphons, der Schlachtengewinner benannt, im Jahre 1134 des Todes verblich, aber vor feinem Scheiden, in der Trauer um zween heilige Bischöfe, denen seine letzte Schlacht gegen die Ungläubigen das Leben gekostet, zur Sühne ihres kostbaren Blutes, das ganze Königreich Arragonien dem Orden der Tempelritter in vollgiltigem Testamente vor hohen Zeugen eigenhändig unterschrieben, vermachte. Ich übergehe die Händel, die nach seinem Tode entstanden, bis es Gott Euren Händen gab, dem Streite in diesem Theile der Christenheit ein Ende zu machen. Aber statt in Dank gegen die Fügungen Gottes, in Erinnerung des letzten Willens Eures edeln Vorfahren, im Gedächtniß an das letzte Wort eines Tobten, in Anerkennung des unleugbaren Rechtes, das dem Orden geworden im freien Entschluß des Erblassers, das Königreich Arragonien dem Orden der Tempelritter zu übergeben, habt Ihr es zurückbehalten wider Recht und Gewissen, habt Euch die Krone Arragoniens auf das Haupt gesetzet, habet Sarragossa wider den Willen der freien Bürgerschaft mit Truppen besetzet. Darum hat uns der hochwürdige Großmeister hkerher gesandt, um Euch an Eure königliche Pflicht zu erinnern, und sofort von Euch .die Herrschaft des Reiches Arragonien zu übernehmen." Der Sprecher hatte geendet; aber seine kühne Rede hielt die Hörer gefesselt; denn sie kannten die leidenschaftliche Glut ihres Königs,, wenn sein Ehrgeiz verletzt worden. Voll Schrecken waren die Blicke an des Königs Lippen gefesselt. Aber wider Erwarten blieb er ruhig, obschon es um seinen Mund gewaltig zuckte. Endlich hob er an: „Ich heiße Euch willkommen/ edle Herren! Aber entschuldigen müsset Ihr, ich habe ein kurzes Gedächtniß, wollet Ihr dem nicht zu Hilfe kommen, indem Ihr mir saget, was dies eigentlich für ein Orden ist, der der Tempelritter, und wozu er da ist?" „Wol braucht' ich," war die Antwort, „kaum , hierauf zu erwidern, Majestät. Denn wem wäre die Glorie des heiligen Tempelordens nicht bekannt, der, gestiftet zur Erkämpfung und Bewahrung des-heiligen Grabes, mit seinen Thaten die Welt erfüllt hat. Ja," fuhr er fort und erhob unwillkürlich das Schwert an seiner Seile, „wir streiten für den Glauben zur Vertilgung der Ungläubigen, die ihre fluchwürdigen Füße in das Land gesetzt, wo der göttliche Erlöser gewandelt....". „Nun, Herr Komthur," siel rasch der König ein, „wenn Ihr zu streiten habet wider die Ungläubigen im